KI-Überwachung, Berlin

KI-Überwachung in Berlin: Polizei startet Pilotprojekt am Kottbusser Tor

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 19:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das System soll Situationen statt Personen analysieren; Datenschutzbedenken und die politische Zukunft des Projekts bleiben offen.

Berliner Polizei startet KI-Kameratest am Kottbusser Tor
Ein nächtlicher Blick auf den Berliner Platz Kottbusser Tor mit städtischer Architektur und Straßenbeleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Die Berliner Polizei hat ein Pilotprojekt zur technologiegestützten Kriminalitätsbekämpfung begonnen. An ausgewählten, als kriminalitätsbelastet eingestuften Orten soll künftig ein KI-gestützter Videoschutz zum Einsatz kommen.

Den Auftakt für das Vorhaben bildet das Kottbusser Tor im Stadtteil Kreuzberg. Dort hat die Konfiguration der Kamerasysteme begonnen; diese technische Vorbereitung soll rund vier Wochen in Anspruch nehmen, ehe die Anlage in einen regulären Testbetrieb übergeht.

Lageanalyse statt Personenerkennung

Das eingesetzte System greift auf semantische und räumliche künstliche Intelligenz zurück, um Geschehnisse im überwachten Raum zu analysieren. Nach Angaben der Polizei und Medienberichten bewertet die Technologie dabei konkrete Situationen und fokussiert sich nicht auf einzelne Personen.

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Registriert das System Anzeichen für Gewalt- oder Schadensereignisse, setzt es eine entsprechende Meldung ab. Die letztendliche Bewertung der Lage und die Entscheidung über mögliche Einsatzmaßnahmen verbleiben jedoch stets bei einer menschlichen Polizeikraft.

Für die technische Realisierung des Projekts zeichnen die IT-Dienstleister adesso SE und Staige als Auftragnehmer verantwortlich. Als rechtliche Grundlage für den Einsatz dient das Berliner Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG). Um Vorgaben des Persönlichkeitsschutzes zu wahren, sieht das Konzept vor, sensible und private Bereiche wie Hauseingänge und Fenster in den Kameraübertragungen unkenntlich zu machen.

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Weitere Standorte und politische Debatten

Das Kottbusser Tor ist lediglich der erste von mehreren vorgesehenen Schwerpunkten. In weiteren Schritten soll das Kamerasystem auch an der Warschauer Brücke, am Alexanderplatz sowie im Bereich des Görlitzer Parks und des angrenzenden Wrangelkiezes eingerichtet werden.

Das Vorhaben ist indes Gegenstand kontroverser Diskussionen. Berichten zufolge formiert sich gegen das KI-Überwachungsprojekt in den betreffenden Gebieten politischer Widerstand.

Auch die Berliner Datenschutzbeauftragte Meike Kamp äußerte deutliche Bedenken bezüglich der Überwachungstechnologie. Sie warnte davor, dass derartige automatisierte Verhaltensscanner die herkömmliche, anonyme Nutzung des öffentlichen Raums beeinträchtigen könnten.

Zudem wies Kamp darauf hin, dass nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl derzeit unklar sei, wie der schwarz-rote Senat das Vorhaben künftig weiterführen werde.

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