KI-Studie: ChatGPT und Gemini zeigen politische Schlagseite
27.05.2026 - 00:00:04 | boerse-global.deGleich mehrere Berichte und Interventionen werfen die Frage auf, ob generative KI-Modelle neutral sein können – oder ob sie längst zu politischen Werkzeugen geworden sind.
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Medienstudie deckt politische Schlagseite bei Chatbots auf
Eine am heutigen Dienstag veröffentlichte Untersuchung des Media Research Center (MRC) sorgt für Aufsehen. Die Analyse mehrerer prominenter KI-Chatbots – darunter OpenAIs ChatGPT, Googles Gemini und Anthropics Claude – kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Die Systeme zeigen eine durchgängig linke politische Tendenz.
Besonders deutlich wird dies bei Googles Gemini. Der Chatbot erstellte einen 3.400 Wörter umfassenden Bericht, der mehrere republikanische Senatoren wie JD Vance und Marco Rubio der Hassrede bezichtigte. Gleichzeitig übersah oder verharmloste das System Kontroversen um demokratische Politiker wie Graham Platner aus Maine. Die Studie wirft den KI-Modellen vor, kritische Berichterstattung konservativer Medien schlicht zu ignorieren.
Noch schwerer wiegen die Vorwürfe gegen ChatGPT: Der Bot habe ein Attentat auf den Aktivisten Charlie Kirk schlichtweg abgestritten. Claude wiederum weigerte sich angeblich, den ersten Verfassungszusatz in bestimmte Antworten einzubeziehen.
David Bozell, Präsident des MRC, zieht eine harte Schlussfolgerung: „Die KI-Werkzeuge aus dem Silicon Valley können nicht als neutrale Plattformen betrachtet werden.“ Sein Kollege Dan Schneider ergänzt, die Modelle stützten sich überproportional auf linke Medien für ihre Trainingsdaten.
Die Enthüllungen kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Bereits 2025 verabschiedete die US-Regierung einen Aktionsplan, der ideologische Neutralität von Unternehmen verlangt, die Bundesaufträge erhalten wollen. Google unterhält milliardenschwere Verträge mit der US-Regierung – die Vorwürfe könnten handfeste rechtliche Konsequenzen haben.
Papst greift durch: Vatikan nennt KI die „moralische Herausforderung unserer Zeit“
Einen Tag zuvor, am 25. Mai, mischte sich eine unerwartete Stimme in die Debatte ein. Papst Leo XIV. veröffentlichte seine erste Enzyklika mit dem Titel „Magnifica Humanitas“ – ein 42.300 Wörter umfassendes Dokument, das Künstliche Intelligenz als die entscheidende moralische Herausforderung der Gegenwart bezeichnet.
Der Papst warnt vor einer „Logik der Beschleunigung“ und fordert ein bewusstes Innehalten bei der KI-Entwicklung. Seine Kritik richtet sich gegen die Machtkonzentration bei wenigen Tech-Konzernen, die immensen Umweltkosten durch Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren und den Einsatz autonomer Waffensysteme. Besonders deutlich wird er bei der Beschreibung der Arbeitsbedingungen von Datenarbeitern – er spricht von einer „modernen Form der Sklaverei“.
Überraschend: Ausgerechnet ein führender KI-Entwickler zeigte sich offen für die Kritik. Christopher Olah, Mitgründer von Anthropic, nahm an der Vorstellung der Enzyklika im Vatikan teil. Er räumte ein, dass KI-Labore mit Anreizen konfrontiert seien, die „gelegentlich mit ethischen Anforderungen kollidieren“. Olah nannte drei drängende Probleme: Massenarbeitslosigkeit, die ungleiche Verteilung von KI-generiertem Wohlstand und die zunehmende Undurchsichtigkeit von KI-Systemen.
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„Interne Zustände fortschrittlicher Modelle scheinen manchmal menschenähnliche Emotionen wie Freude oder Angst zu spiegeln“, warnte Olah. Das erschwere die Vorhersage des Systemverhaltens erheblich.
Für Anthropic ist diese ethische Haltung nicht ohne Folgen geblieben: Im Februar 2026 verlor das Unternehmen einen 200-Millionen-Dollar-Auftrag des Pentagon, weil es sich weigerte, an bestimmten militärischen KI-Projekten mitzuwirken.
Illinois zieht nach: Neue Regulierungen für die KI-Branche
Während die Debatten über Ethik und Voreingenommenheit toben, nimmt die Gesetzgebung in den USA konkrete Formen an. Am 20. Mai verabschiedete der Senat von Illinois mit 52 zu 5 Stimmen den Gesetzesentwurf SB 315.
Das Gesetz richtet sich an große KI-Entwickler mit einem Jahresumsatz von über 500 Millionen Euro. Es verlangt externe Audits, Transparenz über Trainingsdaten und die Meldung katastrophaler Risiken. Die Regelung orientiert sich an früheren Gesetzen in Kalifornien und New York aus dem Jahr 2025.
Befürworter sehen darin einen ersten Schritt zu einer umfassenden Kontrolle. OpenAI und Anthropic haben sich grundsätzlich unterstützend geäußert. Kritiker warnen jedoch, dass die weite Definition von „Frontmodellen“ auch kleinere Unternehmen treffen könnte. Die Durchsetzung beginnt erst 2028 – eine Schonfrist für die Branche.
Kann KI selbst gegen Desinformation helfen?
Parallel zu den regulatorischen Bemühungen zeigt die Forschung einen überraschenden Ansatz. Eine im November 2025 veröffentlichte Studie des ADL Center for Antisemitism Research belegt, dass spezialisierte Chatbots tatsächlich helfen können, Verschwörungstheorien zu bekämpfen.
Der „DebunkBot“ genannte Chatbot wurde mit 1.200 Teilnehmern getestet, die mindestens eine verschwörungstheoretische Überzeugung teilten. Nach der Interaktion mit dem Bot, der auf sachliche Widerlegung antisemitischer Desinformation trainiert war, zeigten die Probanden einen messbaren und anhaltenden Rückgang ihrer Überzeugungen. Forscher der Cornell University betonen: Fakten, durch interaktive KI präsentiert, können durchaus die öffentliche Meinung verändern.
Ausblick: Das Ende der unregulierten KI-Ära
Die aktuellen Entwicklungen deuten auf einen grundlegenden Wandel hin. Eine Pew-Studie zeigt, dass 57 Prozent der Teenager KI-Chatbots nutzen, aber etwa die Hälfte der erwachsenen Nutzer auf Ungenauigkeiten stößt. Das öffentliche Vertrauen bleibt fragil.
Die Kombination aus den MRC-Enthüllungen über politische Voreingenommenheit und der vatikanischen Moralkritik signalisiert: Die Ära der „neutralen“ oder „unregulierten“ KI-Entwicklung neigt sich dem Ende zu. Die Tech-Konzerne stehen unter massivem Druck, ihre algorithmischen Entscheidungsprozesse transparenter zu machen.
Bis zur Umsetzung strengerer Gesetze wie SB 315 im Jahr 2028 müssen die Entwickler einen schwierigen Spagat meistern: Profitstreben und die wachsenden Forderungen nach moralischer und ideologischer Verantwortung unter einen Hut zu bringen. Ob freiwillige Selbstverpflichtungen ausreichen, um globale Regulierungsbehörden und religiöse Führer zufriedenzustellen, bleibt die zentrale Frage für die Zukunft der Branche.
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