KI-Stellenabbau: 99% der CEOs planen Jobstreichungen in zwei Jahren
29.05.2026 - 12:48:35 | boerse-global.deDie Einführung von Künstlicher Intelligenz verspricht massive Produktivitätssprünge – doch die Belegschaften blicken zunehmend besorgt auf ihre Jobs. Aktuelle Studien und Aussagen von Spitzenmanagern zeichnen ein ambivalentes Bild.
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Produktivitätsschübe in Milliardenhöhe
KI könnte die italienische Arbeitsproduktivität deutlich ankurbeln, erklärte Fabio Panetta, Gouverneur der Banca d’Italia, am heutigen Freitag. Bei langsamer Einführung sei ein Plus von 0,2 Prozentpunkten jährlich drin – bei schneller Implementierung sogar mehr als ein Prozentpunkt. Derzeit nutzen rund 30 Prozent der italienischen Unternehmen KI, aber nur fünf Prozent setzen sie intensiv ein.
Noch ambitionierter sind die Prognosen für Deutschland. Eine Analyse der Boston Consulting Group vom Mittwoch zeigt: KI und Robotik könnten die Fertigungskosten um bis zu 43 Prozent senken. Heute seien 50 Prozent mehr Anwendungen automatisierbar als noch vor drei Jahren. Das könnte Wertschöpfungsanteile von über 700 Milliarden Euro in Deutschland sichern. Massenarbeitslosigkeit erwartet die Studie nicht – wohl aber strukturelle Umbrüche.
Fast alle CEOs planen Stellenabbau
Trotz der optimistischen Zahlen blicken Führungskräfte kritisch auf die personellen Folgen. Eine Mercer-Umfrage unter 1.000 CEOs vom Mittwoch ergab: 99 Prozent rechnen innerhalb der nächsten zwei Jahre mit KI-bedingten Stellenstreichungen. 67 Prozent planen einen Abbau um bis zu zehn Prozent, 32 Prozent sogar um elf bis 20 Prozent.
OpenAI-CEO Sam Altman korrigierte am Donnerstag auf einer Fachkonferenz seine früheren Warnungen. Den Wegfall von Einstiegsjobs im Bürobereich habe er überschätzt. Die Unsicherheit in der Belegschaft bleibt dennoch hoch: Laut Mercer stieg der Anteil der Angestellten mit Angst vor Jobverlust durch KI von 28 Prozent (2024) auf nun 40 Prozent. Die Mitarbeiterzufriedenheit fiel im gleichen Zeitraum von 66 auf 44 Prozent.
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Wellness als strategisches Instrument
In Zeiten der Automatisierung wird die Bindung von Top-Talenten zum entscheidenden Faktor. Der „Return on Wellbeing Report 2026“ von Wellhub vom Donnerstag zeigt: 90 Prozent der deutschen Unternehmen sehen den Kampf um qualifizierte Mitarbeiter als Priorität. 80 Prozent betrachten Wellness-Programme als zentral für die Mitarbeiterbindung.
Die wirtschaftliche Relevanz ist messbar: 75 Prozent der Unternehmen erzielen einen Return on Investment von über 50 Prozent bei ihren Wellbeing-Programmen. HR-Verantwortliche warnen zudem: Eine sinkende mentale Gesundheit der Belegschaft treibe die Betriebskosten nach oben.
Technologie-Partnerschaften und branchenspezifische Lösungen
Workday und Google Cloud gaben am Donnerstag eine erweiterte Kooperation bekannt. Ziel ist die Integration von KI-Agenten in Personal- und Finanzprozesse – Gemini wird zum Standard-KI-Modell für Workday.
Auch in spezialisierten Sektoren zieht KI ein:
- Richardson stellte am Mittwoch ein System vor, das Echtzeit-Leistungsdaten mit Coaching verknüpft – für Umsatzsteigerungen durch Verhaltensänderungen.
- Das Berliner Unternehmen Phase0 bietet seit Ende Mai eine Software an, die Leistungsverzeichnisse automatisiert aus Bauplanungsdaten erstellt.
- Siemens-Italia-CEO Floriano Masoero betonte auf der Fachmesse SPS Italia am Mittwoch: KMU sollten repetitive Aufgaben an KI delegieren, um Raum für Innovationen zu schaffen.
Regulierer warnen vor neuen Risiken
Der technologische Fortschritt ruft verstärkt Aufseher auf den Plan. Die Europäische Zentralbank warnte am Mittwoch die Banken im Euroraum vor neuen Cyberrisiken: KI-Modelle könnten Schwachstellen in Software schneller identifizieren. Institute müssten daher in Governance und Kontrollsysteme investieren.
UniCredit-Chefökonom Marco Valli mahnte am gleichen Tag: Europa liege bei KI-Investitionen weiterhin hinter den USA zurück. Nötig seien besserer Zugang zu Risikokapital und eine engere Union der europäischen Finanzmärkte.
Auch ethische Fragen rücken in den Fokus. In seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ vom Montag forderte Papst Leo XIV. eine gerechte Verteilung der KI-Infrastruktur. Er kritisierte die Machtkonzentration bei wenigen Technologiekonzernen und sprach sich für einen verstärkten Schutz der Arbeitnehmer vor den Folgen der Automatisierung aus.
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