KI statt Arztbesuch: 31 Prozent setzen Empfehlungen um und sagen Termine ab
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Integration künstlicher Intelligenz (KI) in die medizinische Erstberatung und Diagnose hat in Österreich einen signifikanten Stellenwert erreicht. Laut der repräsentativen Gesundheitsstudie 2026 der Wiener Städtischen, die in Zusammenarbeit mit Gallup unter 1.000 Personen durchgeführt wurde, nutzen bereits 6 von 10 Österreichern KI-gestützte Systeme für gesundheitliche Fragestellungen.
Während 4 von 10 Befragten die digitalen Auskünfte als hilfreich einstufen, gehen 13 % der Teilnehmer so weit, die Informationen einer KI als vertrauenswürdiger als eine ärztliche Beratung zu bewerten.
Nutzungsmuster und Akzeptanz digitaler Gesundheitsberatung
Die Anwendungsbereiche von KI im Gesundheitswesen sind vielfältig. Die Erhebung der Wiener Städtischen zeigt, dass 66 % der Nutzer die Technologie für Symptom-Checks oder zur Unterstützung bei Diagnosen heranziehen. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 %) nutzt KI-Tools, um ärztliche Befunde verständlich erklären zu lassen, während 39 % Informationen zu Medikation und potenziellen Nebenwirkungen suchen.
Die psychologische Wirkung dieser Technologie ist beachtlich: 40 % der Anwender gaben an, sich nach der Nutzung beruhigt zu fühlen, 27 % empfanden Erleichterung. Diese subjektive Sicherheit führt zu konkreten Verhaltensänderungen im Patientenalltag.
Demnach haben 31 % der Befragten bereits Empfehlungen einer KI umgesetzt und infolgedessen auf einen geplanten Arztbesuch verzichtet. Besonders jüngere Menschen sowie Frauen zeigen sich gegenüber KI-Anwendungen in Gesundheitsfragen aufgeschlossen, wobei Frauen die generierten Antworten laut der Studie kritischer hinterfragen.
Strukturkrise im Gesundheitssystem als Treiber
Die steigende Relevanz digitaler Alternativen korreliert mit einer sinkenden Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem traditionellen Gesundheitssystem. Waren im Jahr 2022 noch 56 % der Befragten überwiegend zufrieden, sank dieser Wert in der aktuellen Erhebung auf 47 %.
Jeder fünfte Österreicher äußert sich mittlerweile unzufrieden. 44 % der Teilnehmer gaben an, in den vergangenen 12 Monaten eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung wahrgenommen zu haben; lediglich jeder Zehnte berichtete von einer Verbesserung.
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Ein wesentlicher Kritikpunkt bleibt die Wartezeit auf Facharzttermine. Rund ein Drittel der Befragten wartet länger als zwei Monate auf einen Termin bei einem Kassen-Facharzt. Die Mehrheit der Studienteilnehmer sieht zudem einen Mangel an Kassenärzten.
Vor diesem Hintergrund zeigt sich eine Mehrheit von 58 % offen für die Einführung einer Ambulanzgebühr für nicht dringende Krankenhausbesuche. Bei den Befürwortern plädiert ein Drittel für eine Gebühr von maximal 10 Euro, während etwa 4 von 10 einen Betrag zwischen 11 und 20 Euro für angemessen halten.
Fachliche Anforderungen und das Problem des digitalen Vertrauens
Parallel zu den Studienergebnissen diskutierten Experten bei einer Fachveranstaltung in Wien im September 2026 die Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI im klinischen Alltag. Fachleute aus den Bereichen Digital Health, Rechtswissenschaft und Technologie betonten, dass KI-Lösungen Ärzte entlasten müssen, anstatt zusätzliche Arbeit zu verursachen.
Ein zentraler Punkt war die Qualität und Vielfalt der Trainingsdaten, um sicherzustellen, dass die Systeme keine blinden Flecken des Gesundheitssystems reproduzieren – insbesondere im Hinblick auf unterrepräsentierte Gruppen wie Frauen und Kinder. Die medizinische Verantwortung müsse zudem weiterhin beim Menschen verbleiben.
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Hinsichtlich des Datenschutzes offenbaren ergänzende Marktanalysen, wie etwa die Studie „State of Digital Trust“ vom März 2026, eine ausgeprägte Skepsis der Verbraucher. Weltweit fühlen sich nur 7 % der Nutzer uneingeschränkt wohl dabei, KI Zugriff auf ihre Daten zu gewähren.
In Deutschland ist die Rate der sogenannten „resignierten Einwilligung“ mit 24 % besonders hoch. Bei Gesundheitsdaten liegt dieser Wert bei 17 %, was bedeutet, dass Nutzer den Datenzugriff trotz erheblicher Bedenken gewähren, da sie keine praktikable Alternative sehen.
Gleichzeitig ist das Interesse an privater Gesundheitsvorsorge gestiegen: Bei 33 % der Befragten der Wiener-Städtischen-Studie hat dieses zugenommen, wobei 6 von 10 der 16- bis 35-Jährigen eine private Vorsorge als notwendig erachten.
