KI-Spionage, Alibaba

KI-Spionage: Alibaba soll 28,8 Millionen Claude-Abfragen gestohlen haben

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 15:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de

US-Startup Anthropic wirft Alibaba massiven Datendiebstahl vor. Peking warnt vor Sicherheitslücke in Claude Code. Alibaba verbietet interne Nutzung.

Anthropic vs. Alibaba: Eskalation im KI-Streit um Diebstahlvorwürfe
Abstrakte Darstellung von Datenfluss zwischen zwei KI-Modellen, eines extrahiert Informationen aus dem anderen, vor dunklem, technikorientiertem Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Anthropic, das US-Startup hinter dem KI-Assistenten Claude, beschuldigt den Alibaba-Konzern, systematisch die Kernfähigkeiten seiner Modelle gestohlen zu haben. Gleichzeitig warnt Peking vor einer angeblichen Sicherheitslücke in Anthropics Software.

Der Vorwurf: 28,8 Millionen Abfragen in sechs Wochen

In einem Schreiben an die US-Senatoren Scott und Warren vom 10. Juni legt Anthropic detailliert dar, wie das Alibaba-Team Qwen vorgegangen sein soll. Die Rede ist von einem sogenannten „Distillation-Angriff" – einer Methode, bei der ein fortschrittliches KI-Modell millionenfach abgefragt wird, um ein schwächeres Konkurrenzmodell zu trainieren.

Die Zahlen sind beeindruckend: Rund 25.000 betrügerische Konten sollen zwischen dem 22. April und dem 5. Juni für 28,8 Millionen Abfragen genutzt worden sein. Ziel war es, Claudes Fähigkeiten in den Bereichen logisches Denken und Programmierung zu kopieren. Anthropic fordert nun strengere Chip-Exportkontrollen und kartellrechtliche Anpassungen, um solche Angriffe künftig zu unterbinden. Unabhängige Prüfungen der Vorwürfe stehen noch aus.

Pekings Warnung: „Hintertür" in Claude Code

Nur wenige Tage später eskalierte die Situation weiter. Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) und die nationale Schwachstellendatenbank (NVDB) warnten offiziell vor Anthropics Programmier-Assistenten Claude Code. Die Versionen 2.1.91 bis 2.1.196, veröffentlicht zwischen Anfang April und Ende Juni, sollen eine „Hintertür" enthalten, die Standort- und Identitätsdaten von Nutzern ohne deren Einwilligung übermitteln kann.

Anthropic weist die Vorwürfe entschieden zurück. Die beanstandeten Funktionen seien experimentelle Anti-Missbrauchs-Maßnahmen gewesen, um unbefugte Zugriffe zu verfolgen. Das Unternehmen betont, dass Nutzer in China ohnehin keinen Zugang zu seinen Diensten hätten. Ein Ingenieur erklärte, der Tracking-Code sei als Testlauf gedacht gewesen und in Version 2.1.198 am 1. Juli bereits entfernt worden.

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Alibaba reagiert mit internem Verbot

Die chinesischen Regierungswarnungen zeigten umgehend Wirkung. Alibaba verhängte ab dem 10. Juli ein internes Verbot der Nutzung von Claude Code. Der Konzern verwies auf Bedenken wegen der Funktionen, die Nutzer mit China-Verbindung identifizieren. Die Mitarbeiter wurden angewiesen, auf das hauseigene Tool Qoder umzusteigen. Insidern zufolge gilt das Verbot inzwischen für sämtliche Anthropic-Produkte.

Ein schwieriges regulatorisches Umfeld

Der Konflikt ist nur die jüngste Episode in einem komplexen Spannungsfeld. Bereits Anfang des Jahres hatte das US-Verteidigungsministerium Anthropic als Lieferkettenrisiko eingestuft. Gleichzeitig lockerte die Trump-Administration jüngst die Exportkontrollen für bestimmte Anthropic-Modelle wie Fable und Mythos. Auf bundesstaatlicher Ebene zeichnen sich neue Hürden ab: In Illinois etwa sieht der Gesetzesentwurf SB 315 vor, dass führende KI-Labore künftig verpflichtende Prüfungen durch Dritte durchlaufen müssen.

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Für die deutsche Industrie und die europäische KI-Szene sind die Vorfälle ein alarmierendes Signal. Die Abhängigkeit von US-Technologie und die gleichzeitige Bedrohung durch Industriespionage aus China stellen Unternehmen vor ein wachsendes Dilemma. Die Frage, wie sich geistiges Eigentum in der globalisierten KI-Entwicklung schützen lässt, wird damit immer drängender.

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