KI-Sicherheit, Wadephul

KI-Sicherheit: Wadephul fordert verbindliche Regeln statt freiwilliger Zusagen

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 00:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutschland verlangt gemeinsame Prüf- und Meldepflichten für leistungsfähige KI-Modelle und drängt zugleich auf Reformen der Vereinten Nationen.

Wadephul fordert bei UN verbindliche Regeln für sichere KI-Entwicklung
Die Außenansicht des UN-Hauptquartiers in New York bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Im Rahmen der UN-Vollversammlung in New York hat Bundesaußenminister Johann Wadephul eine stärkere internationale Verantwortung für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) angemahnt. In seiner Rede betonte er, dass der technologische Fortschritt zwingend der Menschenwürde dienen müsse. Er forderte alle Mitgliedstaaten dazu auf, an einem gemeinsamen Rahmenwerk mitzuwirken, um eine sichere KI-Entwicklung zu gewährleisten.

Wadephul, der in Vertretung von Bundeskanzler Friedrich Merz vor der Generalversammlung sprach, sprach sich für verbindliche Sicherheitsregeln statt bloßer freiwilliger Selbstverpflichtungen der Industrie aus. Deutschland rief in diesem Zusammenhang zu gemeinsamen Sicherheitsanforderungen für die leistungsfähigsten KI-Modelle auf.

Demnach sollten Entwickler dazu verpflichtet werden, ihre Modelle bereits vor der Veröffentlichung umfassenden Tests zu unterziehen und schwerwiegende Sicherheitsmängel umgehend zu melden. Eine nationale sowie regionale Aufsicht solle diese Regeln flankieren und deren Einhaltung sicherstellen.

Risiken für Frieden und Infrastruktur

Der Außenminister warnte vor den erheblichen Risiken, die eine unregulierte KI für die Wirtschaft, die Lebensgrundlagen und den weltweiten Frieden bedeuten könne. Die Technologie sei in der Lage, durch die Verbreitung von Falschinformationen das gesellschaftliche Vertrauen zu untergraben und kritische Infrastrukturen zu gefährden.

Zudem könnten KI-Systeme maßgeblichen Einfluss auf sensible Entscheidungen zur globalen Sicherheit nehmen. Gleichzeitig hob Wadephul hervor, dass die Technologie bei entsprechender Regulierung das Potenzial habe, Wissenschaft und Wirtschaft entscheidend voranzubringen.

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In seinen Ausführungen verglich der Außenminister die notwendige Kontrolle von Künstlicher Intelligenz mit der Überwachung von Atomwaffen. Er wies darauf hin, dass die Patente für diese Schlüsseltechnologie derzeit überwiegend in den Händen von lediglich zwei Ländern lägen. Den künftigen Umgang mit der KI-Entwicklung bezeichnete er als einen wesentlichen Gradmesser für die generelle Reformfähigkeit der Vereinten Nationen.

Diplomatische Gespräche und UN-Reformen

Flankierend zu den technologischen Themen forderte Wadephul tiefgreifende Reformen innerhalb der UN-Strukturen und sprach sich für eine Neubesetzung des Amtes des Generalsekretärs aus, da António Guterres Ende 2026 ausscheiden soll. Da der Sicherheitsrat bei aktuellen Konflikten häufig blockiert sei, dränge Deutschland gemeinsam mit Brasilien, Indien und Japan auf eine grundlegende Reform dieses Gremiums.

Am Rande der Versammlung kam es zudem zu einem rund 20-minütigen Treffen mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow. Dies stellte den ersten Kontakt auf Ministerebene seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 dar. In seiner Rede bekräftigte Wadephul die deutsche Unterstützung für die Ukraine und bezeichnete die Bundesrepublik als deren wichtigsten Partner bei der Verteidigung.

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Mit Blick auf den für Mitte Dezember in Miami geplanten G20-Gipfel begrüßte Wadephul die Einladung der USA an Wladimir Putin. Er bezeichnete diesen Schritt als einen test für die tatsächliche Verhandlungsbereitschaft des russischen Präsidenten, der zuletzt im Jahr 2019 an einem G20-Gipfel teilgenommen hatte.

Hintergrund der Reise

Die Reise Wadephuls war von innenpolitischen Entwicklungen in Deutschland geprägt. Bundeskanzler Merz hatte auf die Teilnahme an der Generaldebatte verzichtet, nachdem seine Partei Wahlniederlagen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin hinnehmen musste.

Wadephul war bereits am Montag in die USA gereist und hatte den Besuch am Donnerstag für politische Gespräche in Kanada unterbrochen, bevor er seine Rede am Abend deutscher Zeit in New York hielt. Die diesjährige Generaldebatte wurde neben den Risiken der Künstlichen Intelligenz maßgeblich von den Kriegen in der Ukraine und im Iran dominiert.

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