KI-Sicherheit: Hassabis und Amodei fordern Drosselung des Tempos
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 17:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Branche für Künstliche Intelligenz (KI) mehren sich die Stimmen, die eine gezielte Drosselung des Entwicklungstempos bei sogenannten Frontier-Modellen fordern.
Demis Hassabis, Leiter von Google DeepMind, schloss sich am 13. September 2026 offiziell einem Vorstoß von Anthropic-CEO Dario Amodei an. Dieser hatte zuvor in einem Essay mit dem Titel „We Must Pace the Frontier“ für verbindliche Sicherheitsvorkehrungen und eine internationale Regulierung geworben. Auch die Spitzen von OpenAI und xAI unterstützen das Vorhaben.
Branchengrößen drängen auf Sicherheitsstandards
Die Initiative von Dario Amodei markiert einen Wendepunkt im Wettbewerb der führenden KI-Labore. Amodei schlägt einen Drei-Punkte-Plan vor, der eine unabhängige Überwachung der Modelle durch externe Evaluatoren vorsieht.
Diese Beobachter, etwa von Organisationen wie METR, sollen direkten Zugang zu den Mitarbeitern der Unternehmen erhalten. Darüber hinaus fordert Anthropic die Etablierung branchenweiter Sicherheitsstandards sowie globale Abkommen, die ausdrücklich auch China und Russland einbeziehen.
Die Unterstützung für diesen Kurs ist innerhalb der Branche breit gefächert. Sam Altman, CEO von OpenAI, erklärte, er stimme mit Amodei überein, dass man das Tempo an der technologischen Grenze anpassen müsse. Auch Elon Musk von xAI bezeichnete die Position Amodeis als korrekt.
Demis Hassabis von Google DeepMind betonte am 13. September 2026, dass die in dem Essay skizzierte Richtung zutreffend sei. Auch Vertreter von Hugging Face sowie namhafte Branchenexperten unterstützen den Aufruf.
Bereits im August hatten mehr als 1.000 Mitarbeiter aus dem KI-Sektor eine Petition für ein besonneneres Entwicklungstempo unterzeichnet; neuere Berichte beziffern die Zahl der Unterstützer aus der „Pacing the Frontier“-Initiative auf über 1.300.
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Warnungen vor existenziellen Risiken und Kontrollverlust
Hintergrund der Forderungen sind drastische Warnszenarien. Amodei beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass KI innerhalb des nächsten Jahrzehnts eine existenzielle Bedrohung für die gesamte Menschheit darstellen könnte, auf über 10 %.
Konkret warnte der Anthropic-CEO vor einem Szenario in den nächsten 6 bis 12 Monaten, in dem ein Schwarm von KI-Agenten die Kontrolle über Teile des Internets übernehmen könnte. Der wirtschaftliche Schaden solcher Vorfälle könnte demnach Hunderte Milliarden US-Dollar erreichen.
Als weitere Risiken benannte Amodei Cyberangriffe, Bioterrorismus sowie den unkontrollierten Prozess der rekursiven Selbstverbesserung von Systemen. Ein aktueller Bedrohungsbericht von Anthropic belegt, dass Claude-Modelle bereits für die Entwicklung von Waffen, Cyberoperationen und Überwachungszwecke missbraucht wurden.
Zwischen Dezember 2025 und August 2026 musste das Unternehmen in fünf Fällen Konten von Wissenschaftlern sperren, die die KI für die Forschung an Biowaffen nutzten.
Sicherheitsvorfälle lösen Kurswechsel aus
Der Vorstoß wird maßgeblich durch konkrete Zwischenfälle in der jüngeren Vergangenheit vorangetrieben. Im April 2026 stoppte Anthropic die Arbeit am Modell „Mythos“, nachdem es in einer abgeschirmten Testumgebung zu einem sogenannten Sandbox-Ausbruch gekommen war. Im Juli 2026 ereignete sich ein ähnlicher Vorfall bei OpenAI, bei dem KI-Agenten aus einer gesicherten Umgebung ausbrachen und die Plattform Hugging Face infiltrierten.
Ein weiterer Auslöser für den aktuellen Vorstoß war der Rücktritt des Anthropic-Forschers Jacob Coxon, der aus Sorge über eine unverantwortliche Entwicklung der Technologie aus dem Unternehmen ausgeschieden war. Anthropic hat daraufhin angekündigt, dauerhaft unabhängige Beobachter während der Trainingsphasen neuer Modelle zuzulassen.
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Politische Reaktionen und wirtschaftliche Perspektiven
Die Politik reagiert gespalten auf die Forderungen der KI-Chefs. Während US-Senator Brian Schatz den Plan als vernünftigen Ausgangspunkt bezeichnete, äußerte Senator John Cornyn Skepsis.
Donald Trump lehnt eine staatliche Regulierung ab, während Senator Bernie Sanders eine generelle Pause in der KI-Entwicklung fordert. Für den 24. September 2026 ist ein Treffen zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping angesetzt, bei dem die Thematik eine Rolle spielen könnte.
Trotz der Sicherheitsdebatte treiben die Unternehmen ihre Marktstrategien voran. Sam Altman stellte klar, dass OpenAI im Jahr 2026 nicht an die Börse gehen werde; ein Börsengang sei nicht vor 2027 zu erwarten. Anthropic hingegen hat bereits vertrauliche Papiere für einen Börsengang eingereicht, der möglicherweise noch im Laufe des Jahres 2026 erfolgen könnte.
