KI-Rechenzentren: Palm Beach County stoppt neue Projekte für ein Jahr
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 23:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kommunale Vertretungen in den US-Bundesstaaten Florida und Ohio haben neue Projekte für KI-Rechenzentren vorläufig gestoppt oder umfassenden Prüfungen unterzogen. Auslöser für diesen Schritt sind zunehmende Bedenken hinsichtlich der Umweltfolgen sowie möglicher Kostensteigerungen bei der lokalen Energie- und Wasserversorgung.
In Palm Beach County im Bundesstaat Florida beschloss das zuständige Gremium am 24. September 2026 mit 6 zu 0 Stimmen ein einjähriges Moratorium. Die Regelung gilt für die Planung und den Bau neuer Rechenzentren, die eine geplante Spitzenlast von mindestens 50 Megawatt aufweisen.
Bestehende kleinere Anlagen sind von dem Beschluss ausgenommen. Die Pause stellt kein dauerhaftes Verbot dar, sondern soll der Verwaltung Zeit geben, Richtlinien für Flächennutzung und Umweltprüfungen auszuarbeiten.
Vorausgegangen war diesem Schritt die Entscheidung der Kommissare im Juli 2026, eine Erweiterung des sogenannten Projekts Tango um rund 1,67 Millionen Quadratfuß mit 6 zu 1 Stimmen abzulehnen. Das Vorhaben mit einer geplanten Leistung von 600 Megawatt hatte Warnungen vor Belastungen für Feuchtgebiete und steigenden Kosten ausgelöst.
Die bereits 2016 erteilte Genehmigung für das Projekt Tango auf einem 202 Acres großen Areal, rund 20 Meilen von Mar-a-Lago entfernt, bleibt für zwei Gebäude mit jeweils 100.000 Quadratfuß Fläche weiterhin bestehen.
Moratorium in Ohio und Streit um Netzkosten
Auch im Bundesstaat Ohio reagierten Kommunalpolitiker auf die Ansiedlungspläne. Die Gemeinde St. Bernard verabschiedete am 24. September 2026 ein zwölfmonatiges Moratorium für Rechenzentren. Der Beschluss stoppt vorerst Pläne für eine entsprechende Anlage in einem Gebäude des früheren Procter-&-Gamble-Komplexes Ivorydale.
Wer in US-Rechenzentren investiert, sieht sich mit einer neuen Welle kommunaler Moratorien konfrontiert: Palm Beach County hat den Bau neuer Anlagen ab 50 Megawatt für ein Jahr gestoppt, Ohio und weitere Bundesstaaten folgen mit eigenen Beschlüssen. Wer sein Standort-Portfolio jetzt prüft, erkennt Genehmigungsrisiken, bevor sie den Projektzeitplan verschieben. Jetzt kostenlosen Standort-Risiko-Report anfordern
Der Eigentümer des Gebäudes ist CAI Investments, nachdem die St. Bernard Soap Company im Jahr 2024 geschlossen wurde. Trustee Christopher Beavor erklärte, man plane keine Kapazität von 900 Megawatt, und zog kurzfristig auch die Ansiedlung eines Chemieunternehmens in Betracht.
Mark Wendling, zuständig für den Gemeindedienst, verwies darauf, dass keine belastbaren Daten zu den Auswirkungen vorgelegt worden seien und die Brandschutzanlage des Gebäudes fehle.
Auf bundesstaatlicher Ebene genehmigte die Regulierungsbehörde PUCO in Ohio einen Tarif, nach dem neue große Rechenzentren für bis zu 12 Jahre für mindestens 85 Prozent ihrer reservierten Stromkapazität zahlen müssen. Laut dem Büro der Verbraucherschutzorganisation des Bundesstaates hatten Technologiekonzerne wie Amazon, Google, Microsoft und Meta diese Regelung bekämpft und für geringere Verpflichtungen plädiert.
Zunehmender Widerstand in weiteren Regionen
Ähnliche Schritte zeichnen sich in weiteren Bundesstaaten ab. So verabschiedete der Stadtrat von Sterling in Illinois bereits Anfang September 2026 ein 180-tägiges Antrags-Moratorium, während die Planungskommission Beratungen zu einer Verordnung über Rechenzentren und Batteriespeicher aufnahm.
Steigende Netzkosten treffen Rechenzentrums-Investoren direkt: In Ohio müssen neue Großanlagen künftig für bis zu zwölf Jahre mindestens 85 Prozent ihrer reservierten Stromkapazität zahlen — ein Tarif, den Technologiekonzerne zuvor bekämpft hatten. Unser Report zeigt, wie Sie Netzentgelt-Risiken in Ihre Projektkalkulation einpreisen. Kostenmodell Netzentgelte jetzt abrufen
In Kentucky stimmte die gemeinsame Planungskommission von Hopkins County am 24. September 2026 für ein zwölfmonatiges Moratorium, das für die Orte Dawson Springs, Earlington und Hanson gilt. In Salem im Bundesstaat Massachusetts stimmte der Stadtrat am selben Tag in erster Lesung für eine Regelung, die Rechenzentren mit einem Gesamtbedarf von mindestens zwei Megawatt untersagt.
Die behördlichen Verzögerungen spiegeln eine breite gesellschaftliche Skepsis wider. Laut einer im August 2026 von Heatmap Pro veröffentlichten Umfrage des Instituts Embold Research lehnen 75 Prozent der befragten US-Bürger den Bau von KI-Rechenzentren in ihrer eigenen Region ab, wobei 61 Prozent eine starke Ablehnung äußerten.
