KI-Rechenzentren: 75 Projekte im Wert von 130 Mrd. Euro blockiert
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 23:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Generalstaatsanwaltschaft von New Mexico untersucht mutmaßlich gefälschte Unterstützerkommentare für ein milliardenschweres KI-Rechenzentrum. Im Zentrum der Ermittlungen zu „Project Jupiter" in Doña Ana County steht der Verdacht, dass Befürworter einer Luftqualitätsgenehmigung die Namen und offiziellen E-Mail-Adressen von Abgeordneten ohne deren Einwilligung genutzt haben.
Der Fall reiht sich ein in eine Welle wachsenden Widerstands gegen die massive Infrastruktur, die Künstliche Intelligenz benötigt. Allein im ersten Quartal 2026 konnten Gegner von KI-Rechenzentren in den USA rund 75 Projekte im Wert von schätzungsweise 130 Milliarden Euro blockieren oder verzögern. Die Zahl der Protestgruppen hat sich in 49 Bundesstaaten mehr als verdoppelt.
Texas: Streit um Steuergeschenke und Landschaftsschutz
In Texas hat der rasante Ausbau von Rechenzentren tiefe Gräben zwischen den politischen Lagern aufgerissen. Gouverneur Greg Abbott fordert ein Verbot von Datenzentren in ländlichen Gebieten – mit Verweis auf Eigentumsrechte und Umweltbelastungen. Mehrere Abgeordnete unterstützen diesen Kurs und wollen Steuervergünstigungen streichen, die den Staat Milliarden gekostet haben.
Die Zahlen sind beeindruckend: Zwischen 2014 und 2026 gewährte Texas Umsatzsteuererleichterungen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro für Rechenzentren. In den kommenden zwei Jahren soll diese Summe auf drei Milliarden Euro steigen. Doch nicht alle teilen die Kritik. Railroad Commissioner Wayne Christian argumentiert, die Anlagen seien eine wirtschaftliche Lebensader für sterbende Landgemeinden.
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Auch in den texanischen Städten wächst der Widerstand. Die Zonenkommission von Fort Worth stimmte im Juli 2026 mit 7:4 Stimmen gegen neue Regeln für Rechenzentren. Mehrere Stadtratsmitglieder unterstützen nun einen Baustopp für neue Projekte.
Stromfresser KI: Neue Umweltauflagen gefordert
Die Expansion der KI-Infrastruktur setzt Stromnetze und Wasserressourcen unter beispiellosen Druck. In Australien verbrauchen die Rechenzentren Sydneys bereits rund 3,5 Milliarden Liter Trinkwasser jährlich. Der Strombedarf des Sektors soll dort bis 2040 von zwei auf 15 Prozent des Gesamtverbrauchs steigen.
In den USA hat der Bauboom eine Welle neuer Gaskraftwerke ausgelöst. Alte Kohlemeiler bleiben länger am Netz, um die Nachfrage zu deckeln. Mehrere Bundesstaaten reagieren mit neuen Regeln:
- Michigan: Hyperscale-Rechenzentren müssen innerhalb von sechs Jahren 90 Prozent sauberen Strom nutzen, sonst verlieren sie ihre Steuerbefreiung.
- New York: Ein Gesetzesentwurf fordert 90 Prozent erneuerbare Energien für große Rechenzentren bis 2040.
- Colorado: Die Aufsichtsbehörde verpflichtet Versorger, Großverbrauchern den Bau eigener Ökostromanlagen zu erlauben.
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In Schottland steht ein geplantes 9,5 Milliarden Euro schweres Hyperscale-Rechenzentrum in Lanarkshire unter Druck. Lokale Behörden und Umweltgruppen bezweifeln, dass das Gelände genug erneuerbare Energie vor Ort erzeugen kann.
Datenkolonialismus: Widerstand auf indigenem Land
Die Suche nach verfügbaren Flächen und schnellen Genehmigungen treibt Entwickler zunehmend auf Territorien indigener Völker. Während einige Stämme von den Bundesplänen zur KI-Förderung profitieren wollen, sprechen andere von „Datenkolonialismus".
Die Seminole Nation verhängte als erster Stamm einen Baustopp für Rechenzentren. Die Muscogee Nation lehnte kürzlich die Umwidmung von über 5.500 Hektar für einen Technologiepark ab. Im pazifischen Nordwesten zog der Yakama-Stamm im Mai vor ein Bundesgericht, um ein Ökostromprojekt zu stoppen, das einen nahegelegenen Rechenzentrums-Campus versorgen sollte.
Auf Bundesebene haben Senator Bernie Sanders und die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez einen Gesetzesentwurf eingebracht, der einen Baustopp für neue KI-Rechenzentren vorsieht. Ziel ist es, die langfristigen Auswirkungen auf das nationale Stromnetz und die Verbraucherpreise zu prüfen.
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