KI-Rechenleistung, Europa

KI-Rechenleistung in Europa: 5 Prozent stehen 75 Prozent in den USA gegenüber

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 23:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Arthur Mensch warnt vor Abhängigkeit von US- und China-Anbietern; Mistral will seine Rechenkapazität 2027 versechsfachen.
Moderne, minimalistische Laborumgebung mit Server-Racks in kühlem blauen Licht. Illustration mit AI erstellt.

Der Mitgründer und Chef des französischen KI-Entwicklers Mistral, Arthur Mensch, warnt eindringlich davor, die Entwicklung von Spitzenmodellen künstlicher Intelligenz außereuropäischen Akteuren zu überlassen.

In einem Gastbeitrag betonte Mensch laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Europa dürfe dieses Feld nicht den Vereinigten Staaten und China überlassen. Schon heute zahlten europäische Unternehmen jährlich über 260 Mrd. Euro an US-amerikanische Cloud- und Softwareanbieter.

Mensch hob hervor, dass geschlossene Modelle im Gegensatz zu offenen Internetprotokollen klaren Eigentümern unterlägen, welche Preise, Nutzungsbedingungen und Softwareversionen diktieren könnten.

Die Fähigkeit zur Entwicklung eigener Spitzenmodelle stufte er als elementare Sicherheits- und Existenzfrage für Europa ein, die gleichermaßen die Cyberabwehr, kritische Infrastrukturen sowie die Grundlagenforschung betreffe.

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Ohne eine eigenständige Industrie im Bereich der künstlichen Intelligenz drohe Europa die Rolle eines reinen Mieters, der für Gebühren in Billionenhöhe lediglich zweitklassige Exportversionen erhalte. Daher sei es hochgradig gefährlich, sich wie einst beim Internet auf lukrative Anwendungen zu beschränken, anstatt die grundlegende technologische Entwicklung selbst mitzugestalten.

Mistral selbst trainiert eigene, führende offene Modelle für logisches Schließen mit nach eigenen Angaben deutlich geringeren Ressourcen als die US-Konkurrenz. Für das Jahr 2027 plant das Unternehmen, seine Rechenkapazität zu versechsfachen.

Infrastruktur und Regulierung im europäischen Fokus

Die Warnung vor einer technologischen Abhängigkeit trifft in der europäischen Industrie auf eine breite Debatte über Wettbewerbsfähigkeit und regulatorische Rahmenbedingungen.

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Wirtschaftsvertreter und Analysten in Deutschland mahnen verstärkt Investitionen in heimische Kapazitäten sowie das Hochleistungsrechnen an, da hiesige Unternehmen in wachsendem Umfang im Ausland entwickelte Sprachmodelle kommerziell nutzen.

Die globale Verteilung verdeutlicht den Rückstand: Laut Medienberichten hält Europa derzeit rund 5 Prozent der weltweiten Rechenkapazität für künstliche Intelligenz, während auf die Vereinigten Staaten etwa 75 Prozent entfallen.

Zugleich drängen Branchenverbände auf regulatorische Erleichterungen. Der Verband der Internetwirtschaft eco verwies auf eine im eigenen Auftrag vom Institut der deutschen Wirtschaft erstellte Untersuchung, wonach KI-Innovationen allein in Deutschland bereits über 120 Milliarden Euro Umsatz generieren.

Der Verband fordert verhältnismäßigere Pflichten in der Datenschutz-Grundverordnung sowie klare Erlaubnistatbestände für das Training von Algorithmen. Nur durch verlässliche Rechtssicherheit und gezielten Infrastrukturausbau lasse sich verhindern, dass europäische Akteure dauerhaft ins Hintertreffen geraten.

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