KI-Produktivität Zürich: 1,1% Zuwachs jährlich möglich
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 22:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz könnte die Arbeitsproduktivität im Kanton Zürich in den kommenden zehn Jahren spürbar beschleunigen. Laut einer Modellrechnung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist in einem mittleren Szenario ein zusätzlicher Zuwachs von jährlich 1,1 Prozent möglich, wie Medien und kantonale Stellen am 22. September 2026 berichteten.
Da das reale Produktivitätswachstum in den vergangenen 25 Jahren bei durchschnittlich 0,5 Prozent pro Jahr lag, käme diese Entwicklung einer Verdoppelung der bisherigen Rate gleich.
Die Berechnungen sind Teil des Zürcher Wirtschaftsmonitorings vom September 2026, das vom kantonalen Amt für Wirtschaft und der Fachstelle Wirtschaftspolitik vorgelegt wurde.
Die Analyse umfasst dabei eine Bandbreite unterschiedlicher Szenarien: Während das vorsichtige Szenario von einem jährlichen Produktivitätsplus von 0,1 Prozent ausgeht, veranschlagt die optimistische Modellrechnung im hohen Szenario einen Zuwachs von bis zu 3,6 Prozent pro Jahr.
Finanzsektor und Dienstleistungen mit grösstem Potenzial
Die potenziellen Produktivitätsgewinne verteilen sich je nach Branche sehr unterschiedlich. Nach Angaben des Kantons versprechen insbesondere wissensintensive Sektoren erhebliche Zuwächse. Für Versicherungen wird ein jährliches Potenzial von 1,7 bis 1,8 Prozent berechnet.
Die gleiche Steigerung von 1,7 bis 1,8 Prozent pro Jahr wird für Banken, Finanzdienstleistungen und den Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie erwartet. In Sektoren wie dem Baugewerbe, dem Gross- und Fahrzeughandel sowie dem Gastgewerbe und der Hotellerie fällt der erwartete KI-Effekt mit 0,3 Prozent pro Jahr dagegen deutlich geringer aus.
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Unter Einbezug von Fortschritten in der Robotik könnte die Zürcher Gesamtwirtschaft laut der Modellannahme sogar um jährlich 1,4 Prozent wachsen. Zum Vergleich: Zwischen 1990 und 2024 stieg das Zürcher Bruttoinlandsprodukt um rund 1,7 Prozent pro Jahr. Zusätzliche Effekte durch Robotik werden vor allem für Verkehr und Logistik mit einem Plus von 2,3 Prozent sowie für die Industrie mit 2,2 Prozent projiziert.
Die prognostizierten Zuwächse bewegen sich in einer Größenordnung früherer technologischer Umbrüche: So brachte die historische Einführung von Computern in den USA Berechnungen zufolge einen Zuwachs von 0,8 bis 1,5 Prozentpunkten pro Jahr. Die OECD schätzt die künftigen Effekte durch künstliche Intelligenz für die nächsten zehn Jahre im Schnitt auf 0,4 bis 0,9 Prozent jährlich.
Veränderte Arbeitsmarktdynamik bei steigender Beschäftigung
Die zunehmende Digitalisierung spiegelt sich auch in der betrieblichen Praxis wider. Eine Umfrage unter mehr als 500 Zürcher Unternehmen ergab, dass inzwischen 47 Prozent generative KI systematisch nutzen, während der Anteil vor zwei Jahren noch bei 27 Prozent gelegen hatte.
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Bei Grossunternehmen setzen 83 Prozent die Technologie systematisch ein (vor zwei Jahren: 55 Prozent), bei kleineren und mittleren Unternehmen liegt die Quote zwischen 45 und 64 Prozent. Nach Daten des Bundesamtes für Statistik nutzten im Jahr 2025 bereits 38 Prozent der Zürcher Bevölkerung KI für berufliche Zwecke.
Trotz der Automatisierung stieg die Gesamtbeschäftigung im Kanton Zürich weiter an. Überdurchschnittliches Wachstum verzeichneten seit 2022 vor allem Führungsfunktionen und Fachspezialisten wie Architekten oder Bauingenieure.
Gleichzeitig verzeichneten stark von KI betroffene Berufsgruppen einen merklichen Anstieg bei den Stellensuchenden, darunter Softwareentwickler, allgemeine Bürokräfte sowie Beschäftigte in Werbung und Marketing.
Die genauen Ursachen für diese Entwicklung sind laut dem Kanton allerdings noch offen; neben der Technologie könnten auch die allgemeine Konjunktur, die jeweilige Branchenzugehörigkeit und das Bildungsniveau eine wesentliche Rolle spielen.
