KI-Phishing, Klickrate

KI-Phishing: Klickrate springt auf 54 Prozent – Banken haften

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 20:24 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Belgisches Gericht schränkt pauschale Haftungsablehnung von Banken bei Phishing ein. Urteil könnte europaweit Signalwirkung entfalten.

Belgischer Kassationshof stärkt Bankkunden bei Phishing-Schäden
Nahaufnahme eines Smartphones mit einer Phishing-Nachricht und unscharfen Händen im Hintergrund, die das Telefon halten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Banken dürfen Erstattungsansprüche nicht mehr pauschal mit dem Vorwurf grober Fahrlässigkeit ablehnen. Das Urteil vom 12. Juli 2026 könnte Signalwirkung für ganz Europa entfalten.

Wann Kunden wirklich grob fahrlässig handeln

Eine grobe Fahrlässigkeit liegt nur vor, wenn das Verhalten des Kunden „völlig ungewöhnlich“ ist und massiv von dem eines normal vorsichtigen Bankbesuchers abweicht. Im konkreten Fall war einem Kunden durch SMS-Phishing ein Schaden von 25.000 Euro entstanden.

Die Entscheidung reiht sich in die europäische Rechtsentwicklung ein. Bereits 2024 betonte der Bundesgerichtshof (BGH): Banken sind grundsätzlich zur Erstattung nicht autorisierter Zahlungen verpflichtet. Juristen verweisen auf die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, in Deutschland verankert in den Paragrafen 675u und 675j BGB. Entscheidend ist, ob der Kunde die Zahlung wirksam autorisiert hat.

KI macht Phishing gefährlicher denn je

Die rechtliche Klärung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Generative Künstliche Intelligenz treibt die Erfolgsquote von Phishing-Angriffen massiv in die Höhe. Die Klickrate bei KI-gestützten Versuchen liegt bei 54 Prozent – viermal höher als bei klassischen Methoden mit nur 12 Prozent.

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Aktuell beobachten Experten gezielte Wellen gegen Kunden der DKB, der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken. Betrüger versenden täuschend echte E-Mails unter dem Vorwand einer ablaufenden App-Registrierung oder eines neuen Sicherheitssystems. Ein konkretes Beispiel: DKB-Kunden wird mitgeteilt, ihre App-Registrierung laufe am 15. Juli 2026 ab; bei Raiffeisenbanken wird eine Frist bis zum 17. Juli 2026 gesetzt.

Hinzu kommt „PromptSpy“ – die erste Android-Malware, die generative KI nutzt. Weltweit werden die Schäden durch Social Engineering für 2026 auf rund 500 Milliarden US-Dollar geschätzt, nach 442 Milliarden im Vorjahr.

Schutzmechanismen und Erfolge gegen Betrüger

Die Industrie reagiert: Apple plant für Herbst 2026 Sicherheitsfunktionen unter dem Namen „Trust Insights“, Google arbeitet an einer Echtzeit-Analyse zur Betrugserkennung für Android. Allein im Saarland wurden am 10. Juli 2026 über 30 Schockanrufe registriert.

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Im Rahmen der internationalen „Operation First Light“ gelangen Strafverfolgern Erfolge: 5.800 Festnahmen weltweit, Sicherstellung von Vermögenswerten in Höhe von 293 Millionen US-Dollar. Dennoch bleibt die Gefahr hoch. Laut BSI-Cybersicherheitsmonitor waren in den vergangenen zwölf Monaten über zehn Prozent der Internetnutzer Opfer von Cyberkriminalität, 13 Prozent im Bereich Online-Banking.

Finanzexperten raten: Banken fordern nie per E-Mail oder SMS zur Eingabe von Zugangsdaten oder zur Re-Authentifizierung über externe Links auf. Bei eingetretenen Schäden sofort das Konto sperren und die Bank über die unautorisierte Transaktion informieren – nur so bleiben Erstattungsansprüche gewahrt.

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