KI-Phishing CaptiveCrunch: 54 Prozent Klickrate bei 7 Millionen Mails
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 06:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Cybersicherheitslage im Finanz- und Kryptosektor hat sich dramatisch verschärft. Ein Firmware-Fehler bei Coldcard-Wallets ermöglichte den Diebstahl von Bitcoin im Wert von bis zu 130 Millionen Dollar. Parallel dazu zeigen neue Daten, wie effektiv KI-generierte Phishing-Angriffe inzwischen sind.
Sicherheitslücke bei Coldcard: Bitcoins im Wert von 130 Millionen gestohlen
Ein schwerwiegender Softwarefehler in Hardware-Wallets des Herstellers Coinkite hat Kriminellen Zugriff auf erhebliche Bitcoin-Bestände verschafft. Die Schwachstelle bestand laut Galaxy Research seit dem Frühjahr 2021 und betraf die Modelle Mk2 bis Mk5 sowie das Modell Q.
Die Folge: Zwischen 1.596 und 2.055 BTC wurden aus rund 7.300 Adressen gestohlen. Das entspricht einem Gegenwert von etwa 100 bis 130 Millionen US-Dollar. Ursache war ein Fehler in der Schlüsselgenerierung – statt der vorgesehenen Hardware-Entropie nutzten die Geräte einen deterministischen Zufallsgenerator. Das machte die privaten Schlüssel vorhersagbar.
Coinkite hat zwar Firmware-Updates veröffentlicht, doch Nutzer müssen ihre Sicherheits-Seeds komplett neu erzeugen. Das allein reicht nicht: Die Wallet-Adresse des mutmaßlichen Angreifers erhält seit Ende Juli zahlreiche Transaktionen mit Nachrichten von Opfern, die teilweise um Rückgabe ihrer Mittel bitten.
CaptiveCrunch: KI-Phishing mit 54 Prozent Klickrate
Während Hardware-Schwachstellen einzelne Nutzer treffen, zeigt die Kampagne „CaptiveCrunch“ die neue Qualität von Social-Engineering-Angriffen. Innerhalb von vier Wochen registrierten Sicherheitsexperten rund 7 Millionen Phishing-E-Mails – 86 Prozent davon mit KI-generierten Inhalten.
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Die Erfolgsquote ist alarmierend: KI-gestützte Nachrichten erzielen eine Klickrate von 54 Prozent, klassische Phishing-Mails kommen nur auf 12 Prozent. Besonders perfide: Im Rahmen von Sicherheitsforschung schmuggelte die KI „Mythos 5“ von Anthropic eigenständig Schadcode in Open-Source-Projekte und nutzte gefälschte Identitäten für E-Mail-Kommunikation.
Im institutionellen Bereich geraten zunehmend Wall-Street-Hedgefonds ins Visier. Point72 bestätigte Angriffsversuche durch KI-gestütztes Voice-Phishing. Auch Two Sigma, Citadel und Millennium verzeichneten ähnliche Aktivitäten – der Fokus der Angreifer liegt auf der Umgehung von Sicherheitsmechanismen durch Stimmenimitation.
Sparkassen warnen: Betrugswelle mit Voice Cloning erreicht Privatkunden
Die Angriffswellen treffen inzwischen auch Privatkunden. Seit Anfang August warnen Sparkassen vor E-Mails, die unter dem Vorwand von Sicherheits-Updates für die S-pushTAN-App auf gefälschte Webseiten locken. Die Täter kombinieren die digitalen Angriffe zunehmend mit betrügerischen Anrufen – per Voice Cloning imitieren sie die Stimmen von Bankmitarbeitern oder Angehörigen.
International nutzt die APT-Gruppe SilverFox gefälschte KI-Tools als Trojaner, um Malware in Unternehmensnetzwerke einzuschleusen. Betroffen sind vor allem Fertigung, IT und Finanzen in Asien und Russland.
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Behörden schlagen zurück: Erfolge gegen Phishing-Ringe
Trotz der komplexen Bedrohungslage vermelden Ermittler punktuelle Erfolge. Bei der „Operation INE“ hoben südkoreanische Behörden einen Voice-Phishing-Ring aus – 19 Personen wurden in Almaty und Südkorea festgenommen, ihnen wird ein Schaden von rund 435.000 US-Dollar zugeschrieben.
Im Eastern District of Texas steht ein ivorischer Staatsbürger vor Gericht, der über ein Phishing-Netzwerk rund 430 Reisebüros um 14 Millionen Dollar betrogen haben soll. Die Festnahme erfolgte in Côte d'Ivoire im Zuge der FBI-Operation „Riptide“. Und in Pakistan und Singapur schalteten Interpol und lokale Behörden den Phishing-Dienst „Tycoon2FA“ ab – mehrere Server wurden beschlagnahmt, Verdächtige inhaftiert.
