KI-Mathematik, Heavy-Thinking-Modelle

KI-Mathematik: Heavy-Thinking-Modelle lösen 98 von 100 Promotionsaufgaben

Veröffentlicht am: 11.06.2026 um 11:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
KI-Systeme von OpenAI, DeepMind und Math Inc. lösen jahrzehntealte mathematische Probleme und verbessern die Qualitätssicherung von Beweisen.
Ein futuristisches Bild, das ein leuchtendes neuronales Netzwerk zeigt, das mit komplexen mathematischen Formeln und Symbolen verschmilzt. Illustration mit AI erstellt.

Spezialisierte KI-Systeme knacken Probleme, an denen Forscher jahrzehntelang knabberten. OpenAI, Google DeepMind und Co. zeigen, was in den neuen Modellen steckt.

OpenAI löst 80 Jahre altes Erdös-Problem

Ende Mai gelang OpenAI ein Coup: Ein KI-System fand ein Gegenbeispiel zur Erdös-Vermutung. Das sogenannte Einheitsabstandsproblem des legendären Mathematikers Paul Erdös hielt rund 80 Jahre. Der Zahlentheoretiker Arul Shankar spricht von „originellen mathematischen Ideen“, die das System entwickelte. Fields-Medaillen-Träger Terence Tao ordnet die Entwicklung als „Hochskalierung mathematischer Arbeit auf industrielles Niveau“ ein.

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DeepMind verbessert Ramsey-Zahlen

Google DeepMind lieferte parallel beeindruckende Ergebnisse. Das System AlphaEvolve nutzt Large Language Models, um Suchalgorithmen zu optimieren. Ergebnis: Verbesserte Untergrenzen für fünf klassische Ramsey-Zahlen. Insgesamt optimierten die Forscher 28 Werte der Kategorie R(r,s) – darunter Steigerungen bei R(3,13) von 60 auf 61 und bei R(4,15) von 158 auf 159.

KI-Agent prüft Fields-Medaillen-Beweis

Das Unternehmen Math Inc. setzte den KI-Agenten „Gauss“ auf einen der prestigeträchtigsten Beweise der Mathematik an. Maryna Viazovska erhielt für ihre Arbeit zur Kugelpackung in den Dimensionen 8 und 24 die Fields-Medaille. Gauss übersetzte den Beweis in die formale Logiksprache Lean – und fand dabei kleinere Fehler im Original.

Der 8D-Fall dauerte fünf Tage, der 24D-Fall eine Woche. Die finale Codebasis umfasst rund 200.000 Zeilen. Math-Inc-Gründer Christian Szegedy sieht darin enormes Potenzial für die Qualitätssicherung komplexer Publikationen.

Auch Google DeepMind arbeitet an einem ähnlichen Projekt: Das Multi-Agent-System „Co-Mathematician“ half bereits beim Kourovka-Problem Nr. 21.10 und bei Fragestellungen zu Hamilton-Systemen.

98 von 100 Promotionsaufgaben gelöst

Die Ruhr-Universität Bochum und das Max-Planck-Institut Leipzig testeten die allgemeine Problemlösungskompetenz von KI-Modellen. Fünf Large Language Models bekamen 100 hochkomplexe Aufgaben auf Promotionsniveau. Standardmodelle haderten zunächst. Heavy-Thinking-Modelle hingegen reduzierten die ungelösten Aufgaben auf zwei – sie lösten 98 von 100 Problemen.

Im FrontierMath Tier 4 Benchmark erreichte Gemini 3.1 Pro zunächst 19 Prozent Genauigkeit bei nicht-öffentlichen Aufgaben. Als Multi-Agent-System gesteigert, kletterte die Quote auf 48 Prozent. Die Systemarchitektur ist offenbar entscheidender als das reine Basismodell.

Sicherheit und Transparenz als neue Herausforderung

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Mit der wachsenden Leistungsfähigkeit steigen die Anforderungen. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) stellten am 10. Juni die Methode „Shapformer“ vor. Sie macht Entscheidungen von KI-Modellen nachvollziehbar – etwa bei Vorhersagen in Stromnetzen. Ziel: den Anforderungen des EU AI Acts entsprechen.

Die Politik reagiert ebenfalls. Die Bundesregierung beschloss am 9. Juni die Einrichtung eines nationalen KI-Sicherheitsinstituts. Die virtuelle Institution soll gemeinsam mit der Bundesnetzagentur und dem BSI die Sicherheit und Robustheit von KI-Systemen untersuchen.

Am selben Tag veröffentlichte Anthropic das Modell Claude Fable 5. Trotz hoher Leistungsfähigkeit in Benchmarks weist es bewusste Einschränkungen in sensiblen Bereichen auf – Cybersicherheit und Biotechnologie bleiben tabu.

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