KI-Markt bis 2031: Bain sieht eine Umsatzlücke von 4,2 Billionen Dollar
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Um die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz wirtschaftlich zu rechtfertigen, muss die Branche neue Wachstumsfelder erschließen. Wie die Unternehmensberatung Bain & Company in ihrem siebten „Global Technology Report“ darlegt, sei bis zum Jahr 2031 ein jährlicher KI-Gesamtmarkt von annähernd 6 Bio. US-Dollar erforderlich, um die prognostizierten Infrastrukturausgaben zu tragen. Der Infrastrukturausbau schreite derzeit schneller voran als die tatsächliche Nachfrage.
Umsatzlücke von über vier Billionen Dollar
Den Berechnungen der Unternehmensberatung zufolge könnten die jährlichen Ausgaben für KI-Infrastruktur bis 2031 auf 1,5 Bio. US-Dollar ansteigen. Gehe man davon aus, dass solche Investitionen typischerweise rund 25 Prozent des Branchenumsatzes ausmachen, ergebe sich daraus der rechnerische Bedarf für einen jährlichen Markt von annähernd 6 Bio. US-Dollar. Dabei handele es sich um einen notwendigen Umsatzbedarf und nicht um eine reine Ausgabenprognose.
Bestehende Segmente für Verbraucher- und Unternehmens-KI dürften bis 2031 zusammen lediglich 1,2 bis 1,8 Bio. US-Dollar beisteuern. Folglich bestehe eine Umsatzlücke von rund 4,2 Bio. US-Dollar, die durch neue Geschäftsmodelle und Anwendungsbereiche gefüllt werden müsse.
Als potenzielle Treiber dieser Entwicklung nennt Bain unter anderem die Bereiche Suche und Werbung mit 100 bis 200 Mrd. US-Dollar, autonome Systeme mit 400 Mrd. US-Dollar sowie den Sektor Physical AI mit 900 Mrd. US-Dollar.
Weitere Hoffnungen ruhen auf autonomer Technik, Robotik, der Wirkstoffentwicklung, psychischer Gesundheit und Energieanwendungen. Um diesen Ausbau nachhaltig zu finanzieren, sei laut der Analyse ein zusätzliches jährliches globales Wirtschaftswachstum von etwa einem Prozentpunkt beim Bruttoinlandsprodukt erforderlich.
Gleichzeitig verändere KI die Dynamik im Technologiesektor bereits spürbar: Während die Marktkapitalisierung von Hardware- und Halbleiterunternehmen zwischen 2020 und 2026 laut Bain jährlich um 24 Prozent wuchs, legte der Softwarebereich lediglich um 6 Prozent pro Jahr zu.
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Zudem verkürzte der Einsatz von KI die Dauer eines typischen Cyberangriffs von etwa vier Wochen auf 18 Stunden. Führende Labore investieren derweil mehr als 9,75 Mrd. US-Dollar in Modelle für das sogenannte Forward-Deployed-Engineering.
Steigender Strombedarf und Hürden für Rechenzentren
Für den Ausbau von Rechenzentren prognostiziert Bain bis 2030 weltweite Investitionen in Höhe von 5 bis 6,5 Bio. US-Dollar. Damit verbunden sei ein Zubau von mindestens rund 150 Gigawatt an zusätzlicher Rechenkapazität, was einer nahezu Verdreifachung der globalen Kapazität innerhalb von fünf Jahren entspreche. Die jährlichen Investitionen von Hyperscalern könnten bereits 2028 die Marke von 1 Bio. US-Dollar übersteigen.
Dabei verdoppeln sich Größe und Kosten von Rechenzentren laut dem Bericht etwa alle 12 bis 16 Monate. Während führende KI-Rechenzentren heute annähernd 1 Gigawatt erreichen, dürften viele bis 2027 bei annähernd 2 Gigawatt liegen.
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Bis zum Ende des Jahrzehnts seien Campus-Anlagen mit bis zu 9 Gigawatt denkbar. Ein einzelner 5-Gigawatt-Campus könnte demnach 150 bis 200 Mrd. US-Dollar kosten.
Allerdings stößt der Ausbau an infrastrukturelle und gesellschaftliche Grenzen: Stromanschlüsse erfordern laut Bain Vorlaufzeiten von mehr als vier Jahren. Selbst bei bestehender Stromversorgung beansprucht die Errichtung eines 1-Gigawatt-Rechenzentrums typischerweise ein bis vier Jahre.
Zudem wächst der lokale Widerstand: In den USA wurden im ersten Quartal 2026 mindestens 75 Projekte im Wert von 130 Mrd. US-Dollar blockiert oder verzögert, gefolgt von weiteren Verzögerungen bei Projekten im Wert von 68 Mrd. US-Dollar im Juniquartal.
