KI-Markt: Anthropic überflügelt OpenAI erstmals bei Unternehmenskunden
10.06.2026 - 07:25:26 | boerse-global.de
Der KI-Markt erlebt einen historischen Wendepunkt: Anthropic hat OpenAI bei der Nutzung durch Unternehmen erstmals überflügelt. Laut dem aktuellen Ramp AI Index stieg der Marktanteil von Anthropic im professionellen Segment im April auf 34,4 Prozent, während OpenAI auf 32,3 Prozent zurückfiel. Der Erfolg kommt nicht überraschend – die Geschäftskundenzahl von Anthropic hat sich vervierfacht, OpenAIs Wachstum stagniert dagegen.
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Warum Unternehmen auf Claude setzen
Der Umschwung wird vor allem von Erstkäufern getrieben. Satte 73 Prozent aller neuen KI-Einkäufe im Unternehmenssektor gingen im Frühjahr an Anthropic. Während ChatGPT zwar die schnellste App ist, die je eine Milliarde Nutzer erreichte, punktet Anthropic mit seiner sicherheitsorientierten Positionierung. Über 300.000 Organisationen – darunter Großbanken, Krankenhäuser und das US-Verteidigungssystem – setzen inzwischen auf den Claude-Assistenten.
OpenAI reagiert auf den Druck und verlagert offenbar Ressourcen auf die Codex-Plattform, die rund fünf Millionen wöchentliche Nutzer zählt. Auch Microsoft mischt mit: Der Konzern präsentierte kürzlich sieben eigene MAI-Modelle, die die Preise der Spitzenmodelle von Anthropic und OpenAI um bis zu 40 Prozent unterbieten sollen.
Technische Überlegenheit bei Benchmarks
Mit dem Launch von Claude Fable 5, basierend auf dem Mythos-Modell, hat Anthropic seine Position weiter gefestigt. Im Artificial Analysis Intelligence Index erreichte Fable 5 mit 64,9 Punkten die Spitzenposition – rund fünf Punkte vor GPT-5.5. Das neue Modell bietet ein Kontextfenster von einer Million Token und erzielte beim Benchmark "Humanity's Last Exam" 53 Prozent – eine Verbesserung um sieben Punkte.
Besonders im Bereich Softwareentwicklung glänzt Claude Code. Unabhängige Tests auf produktiven SaaS-Plattformen zeigten: Claude Fable 5 identifizierte 23 kritische Bugs, darunter Race Conditions und Sicherheitslücken. GPT 5.5 Codex fand nur einen. Zwar schnitt Codex bei Abhängigkeitshygiene und NPM-Advisories besser ab, doch Anthropics Modell überzeugte durch überlegene Schreibqualität und agentische Fähigkeiten.
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Boris Cherny, Anthropics Leiter von Claude Code, beschreibt die internen Arbeitsabläufe als revolutionär: „Wir setzen mehrere Claude-Agenten mit unterschiedlichen Persönlichkeiten ein, die gemeinsam Code-Reviews durchführen. Das fängt so gut wie jeden Fehler." Cherny selbst habe seit acht Monaten keinen Code mehr per Hand geschrieben.
Milliarden-Rennen um den Börsengang
Auch an der Finanzfront liefern sich die beiden KI-Schwergewichte ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide Unternehmen haben vertrauliche S-1-Anträge für Börsengänge in den USA eingereicht. Anthropic stellte seinen Antrag nach einer Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Euro, die die Bewertung auf rund 965 Milliarden Euro trieb. OpenAI folgte kurz darauf mit einer aktuellen Bewertung von über 850 Milliarden Euro.
Die Infrastruktur für diese Modelle wächst rasant. Google mietet Berichten zufolge 110.000 Nvidia-GPUs von SpaceX – zu Kosten von 920 Millionen Euro pro Monat. In Europa expandiert die Entwicklungsumgebung Cursor: Das Unternehmen, das 67 Prozent der Fortune-500-Firmen bedient und täglich über 150 Millionen Zeilen Unternehmenscode generiert, plant für diesen Sommer einen Hauptsitz in London. Zu den Kunden zählen Nokia und British Airways.
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