KI-Kostenkrise, Anthropic

KI-Kostenkrise: Anthropic und OpenAI verschieben Milliarden-IPOs

26.06.2026 - 20:55:40 | boerse-global.de

Großkonzerne wie Uber und Lindy stoppen teure KI-Ausgaben und setzen auf Sparmodelle. Anthropic und OpenAI verschieben ihre Börsenpläne.

KI-Kostenexplosion: Firmen flüchten zu günstigeren Modellen
KI-Kostenkrise - Digitale Buchhaltung mit negativen Finanztrends, überlagert von verschwommenem Serverraum, symbolisiert Kostendruck in KI. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Immer mehr Firmen kehren teuren KI-Diensten den Rücken. Der Hype weicht der Kostenkontrolle.

Die Zeiten unbegrenzter Ausgaben für künstliche Intelligenz sind vorbei. Große Unternehmen reduzieren ihren Verbrauch an teuren KI-Modellen und setzen zunehmend auf günstigere Alternativen. Das spüren auch die Branchenführer Anthropic und OpenAI, die ihre Milliarden-IPO-Pläne vorerst auf Eis legen müssen.

Kunden auf Sparkurs

Besonders drastisch fiel der Wechsel beim Startup Lindy aus. CEO Flo Crivello verlegte den gesamten Traffic von Anthropics Claude-Modellen auf den chinesischen Anbieter DeepSeek. Die Einsparungen: Millionenbeträge. Der Grund: Die KI-Kosten des Unternehmens hatten längst die Personalkosten überstiegen.

Ähnlich klingt es bei Uber. Der Fahrdienst-Vermittler hatte sein Jahresbudget für KI bereits nach vier Monaten aufgebraucht. Neue Ausgabengrenzen ab 1.500 Euro pro Monat sollen nun für Disziplin sorgen.

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Die Analysten von D.A. Davidson beobachten einen grundlegenden Wandel: „Die größten Unternehmenskunden begrenzen ihre Token-Ausgaben. Statt maximaler Leistung zählt jetzt Effizienz."

Das ist bemerkenswert, denn Anthropic steht finanziell eigentlich blendend da. Im Mai 2026 meldete das Unternehmen einen annualisierten Umsatz von umgerechnet rund 44 Milliarden Euro. Für das zweite Quartal wird ein operativer Gewinn von etwa 525 Millionen Euro erwartet. Dennoch reichten beide KI-Schwergewichte – Anthropic und OpenAI – Anfang Juni vertrauliche IPO-Unterlagen ein. Brancheninsider rechnen mit Verzögerungen, bis sich die Unternehmensausgaben stabilisieren.

Abrechnungsfehler und neue Konkurrenz

Die Finanznot der Kunden wird durch technische Pannen verschärft. Eine Prüfung des Dienstleisters Vaudit deckte zwischen März und Juni 2026 Überzahlungen in Höhe von 1,6 Millionen Euro auf – bei einem Gesamtvolumen von 32 Millionen Euro an KI-Rechnungen. Besonders betroffen: Anthropics Claude Code. Kunden wurden für neuere Modelle zur Kasse gebeten, obwohl sie ältere Versionen nutzten. Auch fehlgeschlagene Anfragen und sogenannte „Retry-Stürme" wurden berechnet. Rund 80 Prozent der strittigen Beträge wurden inzwischen gutgeschrieben.

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Gleichzeitig drängen neue Anbieter auf den Markt. Das Startup Engram verließ mit 92 Millionen Euro Finanzierung die Stealth-Phase. Das Versprechen: Die gleiche Leistung wie Spitzenmodelle – bei bis zu 100-mal geringerem Token-Verbrauch. Auch die großen Cloud-Anbieter Microsoft, Amazon und Google haben ihr Angebot an günstigeren Modellen ausgeweitet.

Angriff auf das geistige Eigentum

Anthropic kämpft zudem mit externen Bedrohungen. In einem Brief an US-Senatoren vom 10. Juni 2026 wirft das Unternehmen mit Alibaba verbundenen Akteuren einen massiven Distillation-Angriff vor. Demnach sollen zwischen dem 22. April und dem 5. Juni über 25.000 betrügerische Konten fast 29 Millionen Anfragen generiert haben – mit dem Ziel, Claudes Denk- und Programmierfähigkeiten zu kopieren.

Auch die US-Regierung bereitet dem Unternehmen Steine in den Weg. Die aktuelle Administration hat die Freigabe bestimmter Modelle wie Fable 5 und Mythos 5 blockiert. Ehemalige US-Beamte warnen: Diese staatlichen Hürden könnten amerikanische Firmen unbeabsichtigt in die Arme chinesischer Anbieter treiben – wenn der heimische Veröffentlichungszyklus eingefroren bleibt oder nur ausgewählten Kunden vorbehalten ist.

de | wissenschaft | 69635545 |