KI-Kosten, Budget

KI-Kosten: 83 Prozent der Unternehmen überschreiten ihr geplantes Budget

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 23:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Befragungen zeigen hohe KI-Kosten und begrenzte Geschäftserfolge; Analysten erwarten, dass viele IT-Chefs ihre Renditeziele 2027 verfehlen.
Ein minimalistischer, leerer Konferenztisch in einem modernen Bürogebäude bei Dämmerung, das eine Atmosphäre von Kostendisziplin vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Unternehmen weltweit fahren ihren Einsatz von Künstlicher Intelligenz derzeit zurück. Auslöser für die wachsende Zurückhaltung sind unerwartet hohe Betriebskosten und eine bislang oft ausbleibende betriebliche Effizienz. Während KI-Themen an den Finanzmärkten weiterhin die Kurse antreiben, weicht die anfängliche Euphorie in den Chefetagen zunehmend einer harten Kostenkontrolle.

Budgetüberschreitungen zwingen zu strikteren Ausgabenlimits

In vielen Betrieben klaffen Planung und Wirklichkeit bei den Ausgaben für generative Technologien weit auseinander. Laut dem Q3-CFO-Index des Softwareunternehmens Pigment, für den im August und September 2026 insgesamt 2.000 Finanzchefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA befragt wurden, verzeichneten 83 Prozent der Unternehmen KI-Kosten oberhalb des geplanten Budgets.

Lediglich 13 Prozent blieben im vorgesehenen Rahmen. Bei den Überschreitungen bewegte sich die Spanne am häufigsten zwischen 11 und 25 Prozent, mehr als ein Drittel der Befragten meldete sogar Mehrausgaben von über 25 Prozent.

Die Konsequenz sind drastische Budgetbegrenzungen selbst bei Branchengrößen: Der Beratungskonzern Accenture, der nach eigenen Angaben 3 Milliarden US-Dollar in den Daten- und KI-Sektor investierte und jährlich über eine Milliarde US-Dollar für Mitarbeiterfortbildung aufwendet, kürzt das KI-Budget inzwischen auf 29 US-Dollar pro Kopf und Monat. Alle darüber hinausgehenden Beträge müssen gesondert genehmigt werden.

Anzeige

Während Unternehmen mit den Kosten kämpfen, rücken auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für neue Technologien in den Fokus. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Ernüchterung bei Produktivität und Rendite

Gleichzeitig bleiben die erhofften wirtschaftlichen Erträge hinter den Prognosen zurück. Eine Erhebung des Marktforschungsunternehmens Gartner unter 2.002 IT-Führungskräften ergab, dass lediglich 11 Prozent der Organisationen mit KI bessere Geschäftsergebnisse erzielen.

Fast 60 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen spüren wachsenden Druck, durch den Technologieeinsatz Kosten zu senken, während mehr als die Hälfte stattdessen mit steigenden Gesamtbetriebskosten rechnet.

Auch eine Untersuchung von Forrester unterstreicht diese Entwicklung: Zwar verlangen 45 Prozent der Entscheidungsträger einen positiven Ertrag auf das investierte Kapital innerhalb eines Jahres, doch nur 22 Prozent konnten in den vergangenen zwölf Monaten einen positiven Effekt auf den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen feststellen. Die Analysten prognostizieren daher, dass mehr als die Hälfte der IT-Chefs ihre Renditeziele für 2027 verfehlen dürfte.

Anzeige

Wer sich mit der Einführung neuer Technologien befasst, muss neben der Rendite auch die regulatorischen Anforderungen im Blick behalten. Welche Systeme konkret als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt tun müssen, klärt dieser kostenlose Report auf. Gratis-Leitfaden zur KI-Verordnung herunterladen

Analysten und Investoren sehen wirtschaftliche Schieflage

Ökonomen warnen vor den strukturellen Problemen der bisherigen Einführungsstrategien. Die Investmentgesellschaft Apollo Global Management konstatierte in einem Bericht, dass die Annahme einer unbegrenzten Nachfrage nach Rechenleistung bröckele, da sich das Wachstum der Ausgaben verlangsame.

Produktivitätsgewinne stellten sich wesentlich später ein als erhofft oder seien nur schwer realisierbar. Nach Einschätzung von Apollo übersteigen die Grenzkosten für die Bereitstellung von Rechenkapazitäten inzwischen häufig den tatsächlichen Grenznutzen für die Anwender, wodurch KI von einem erhofften Wachstumstreiber zu einem reinen Kostenfaktor werde.

Auch an den Finanzmärkten wachsen die Zweifel an der operativen Umsetzung. Ken Griffin, Chef des Hedgefonds Citadel, erklärte auf einer Konferenz in New York, die US-Wirtschaft habe bislang sehr ungleichmäßig Wert aus KI-Modellen gezogen, und sprach mit Blick auf die Bewertungen von einer wahrscheinlichen Blasenbildung.

Dennoch zeigt sich die Marktrealität gespalten: Trotz der Ernüchterung in den Betrieben blieben die Börsenreaktionen bei großen Technologieanbietern verhalten, da Infrastrukturanbieter und Halbleiterhersteller weiterhin von hohen Vorbestellungen und Lieferverpflichtungen profitieren.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70389165 |