KI-Kontrolle: 22 Staaten fordern globale Überwachungsbehörde
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 17:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am Rande der UN-Generalversammlung in New York haben 22 Staats- und Regierungschefs die Einrichtung einer globalen Kontrollbehörde für besonders leistungsfähige Systeme der künstlichen Intelligenz (KI) gefordert. Die Initiative zielt darauf ab, verbindliche Sicherheitsstandards auf internationaler Ebene zu etablieren und die Aufsicht über technologische Entwicklungen zu verstärken.
Finnland und Norwegen als Initiatoren des Vorstoßes
Der Vorstoß wurde maßgeblich vom finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støre initiiert. Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs gehören neben Bundeskanzler Friedrich Merz auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Unterstützt wird die Erklärung zudem von einer geografisch breit gefächerten Gruppe von Staaten, darunter Australien, Kanada, Singapur, Südafrika und Kenia.
Auch europäische Länder wie Spanien, die Niederlande und Dänemark sowie Österreich haben sich der Forderung nach verbindlichen Sicherheitsregeln für KI-Modelle angeschlossen. Auf ministerieller Ebene unterzeichneten zudem Vertreter aus Bahrain, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Ein Drei-Punkte-Plan für mehr Sicherheit
Das vorgeschlagene Konzept sieht einen Drei-Punkte-Plan vor, um die Kontrolle über die technologische Entwicklung zu sichern. Kernbestandteil sind verbindliche Sicherheitsvorkehrungen sowie unabhängige Prüfungen, die zwingend vor der Freigabe neuer Programme erfolgen sollen. Zudem fordern die Unterzeichner einheitliche Regierungsvorgaben und ein System zur gegenseitigen Meldung schwerer Störfälle.
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Die UN-Mitgliedstaaten sollen demnach die Gründung einer weltweiten Einrichtung prüfen. Diese Institution hätte die Aufgabe, verbindliche Maßstäbe zu setzen, regelmäßige Kontrollen durchzuführen und die Staatengemeinschaft einzuberufen, sobald definierte Leistungsgrenzen von KI-Systemen überschritten werden.
Ziel sei es, dass die Technologie stets unter menschlicher Leitung, Aufsicht und Kontrolle bleibe. Unternehmen sollen künftig stärker in die Pflicht genommen werden, indem sie zu transparenten Sicherheitsprotokollen und externen Audits verpflichtet werden.
Abwesenheit führender KI-Nationen und Kritik
Trotz der breiten Unterstützung fehlen prominente Akteure auf der Liste der Unterzeichner. Weder die USA noch China haben sich dem Vorstoß bislang angeschlossen. Auch andere bedeutende Industrienationen wie Großbritannien, Frankreich, Japan und Indien sind nicht an der aktuellen Initiative beteiligt.
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Kritik an dem Vorhaben kommt von der Organisation AlgorithmWatch. Geschäftsführer Matthias Spielkamp bezeichnete die Pläne als unzureichend und sprach von Scheinlösungen. Er forderte stattdessen eine direkte Kontrolle der Herstellerfirmen anstelle einer rein technischen Überwachung.
Spielkamp plädierte für drastische Sanktionen wie Haftstrafen für Konzernchefs oder Strafzahlungen in Milliardenhöhe bei Verstößen. Er wies darauf hin, dass die EU und die USA bereits heute auf Basis bestehender Gesetze Möglichkeiten hätten, Anbieter haftbar zu machen.
Warnung vor autonomen Waffensystemen
Parallel zu der Initiative der Staatengruppe äußerte sich auch UNO-Generalsekretär António Guterres besorgt über die militärische Nutzung der Technologie. Er warnte vor der Entwicklung autonomer Waffensystemen und forderte neue Regeln zur Einschränkung letaler autonomer Waffen, wie etwa bewaffneter Drohnen.
Bei diesem Anliegen werden Bemühungen um internationale Abkommen unter anderem von Österreich, Belgien, Brasilien, Mexiko und Nigeria unterstützt. Bereits im Vorfeld der UN-Generaldebatte hatten mehr als 20 Staaten in einer gemeinsamen Erklärung die Notwendigkeit verbindlicher Sicherheitsregeln für die leistungsfähigsten KI-Modelle unterstrichen.
Mehr zum Thema bei t3n: „22 Staaten fordern globale KI-Behörde – ausgerechnet USA und China nicht dabei“
