KI-Kompetenzen, Pflicht

KI-Kompetenzen: 54,9 Prozent sehen sie als Pflicht für Jobanfänger

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 23:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine IU-Umfrage zeigt hohe Erwartungen an KI-Kenntnisse, während viele Beschäftigte bislang keine Zeit für entsprechende Fortbildungen nutzen.

KI verändert den Arbeitsmarkt: Welche Fähigkeiten künftig gefragt sind
Ein minimalistischer Schulungsraum mit leeren Schreibtischen und großen Glaswänden in hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine repräsentative Umfrage der IU Internationalen Hochschule Erfurt unter 2.000 Arbeitnehmern in Deutschland verdeutlicht den wachsenden Stellenwert künstlicher Intelligenz (KI) für den Arbeitsmarkt.

Demnach gehen 54,9 Prozent der Befragten im Alter zwischen 16 und 65 Jahren davon aus, dass KI-Kompetenzen künftig eine Grundvoraussetzung für Jobanfänger sein werden. Während rund ein Viertel der Teilnehmer dieser Einschätzung eher nicht oder überhaupt nicht zustimmt, zeigen sich 18,7 Prozent der Befragten unentschieden.

Ambivalente Sicht auf den Berufseinstieg

Die Untersuchung, deren Feldzeit zwischen Ende März und Mitte April 2026 lag, offenbart ein geteiltes Meinungsbild hinsichtlich der Aufgabenverteilung. Jeweils rund 41 Prozent der Teilnehmer äußerten sich dafür beziehungsweise dagegen, dass die Technologie zunehmend Aufgaben von Berufsanfängern übernehmen werde.

Gut jeder sechste Befragte blieb in dieser Frage unschlüssig. Eine Professorin der IU Internationalen Hochschule wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass KI den Berufseinstieg sowohl beschleunigen als auch erschweren könne.

Trotz der hohen Erwartungen an künftige Generationen zeigt sich bei der eigenen Weiterbildung eine Lücke. In den vergangenen zwölf Monaten nutzten 43,9 Prozent der Befragten keine Arbeitszeit für KI-Fortbildungen. Lediglich 14,9 Prozent investierten bis zu zwei Stunden, während jeder Zehnte zwischen drei und fünf Stunden aufwendete.

Als Hauptgrund für die Nichtnutzung gab knapp die Hälfte der Betroffenen an, keine Notwendigkeit für eine solche Weiterbildung zu sehen. Zudem nannten 24,0 Prozent mangelnde Unterstützung durch das Unternehmen, während fehlende Informationen, Angebote oder Zeit für jeweils rund ein Fünftel der Befragten ausschlaggebend waren.

Globaler Fachkräftemangel und neue Anforderungsprofile

International warnen Experten vor einer dreifachen Kompetenzlücke in Handwerks-, Technik- und Serviceberufen. Ein Report von Pearson verdeutlicht, dass die technologische Veränderung schneller voranschreite als Bildung und Training, während gleichzeitig erfahrene Arbeitskräfte in den Ruhestand treten.

In den USA und im Vereinigten Königreich stammen demnach über 98 Prozent der Stellenöffnungen für Fachkräfte aus dem Ersatz von ausscheidenden Mitarbeitern oder Rentnern.

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Diese Entwicklung schlägt sich auch in den Stellenausschreibungen nieder. Laut einer Vorschau des „AI Workforce Impact Report“ von Payscale schreiben 61 Prozent der Arbeitgeber ihre Jobbeschreibungen aufgrund von KI neu.

Dennoch gaben 41 Prozent der Unternehmen an, kein Talent mit den benötigten KI-Fähigkeiten zu finden. Dies führt dazu, dass 74 Prozent der Arbeitgeber planen, in den kommenden zwölf Monaten in das interne Upskilling ihrer Belegschaft zu investieren.

Besonders im Bereich der Cybersicherheit verschärfen sich die Anforderungen. Eine Analyse von Cisco und dem AI Workforce Consortium zeigt, dass sich der Anteil der Stellenanzeigen mit geforderten KI-Skills in den G7-Staaten zwischen Oktober 2025 und März 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf durchschnittlich 28,5 Prozent verdoppelt hat.

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Für Rollen im Bereich der agentenbasierten KI werden spezifische Kenntnisse wie Python-Automatisierung (55 Prozent) und Prompt-Engineering (46 Prozent) gesucht.

Die Bedeutung menschlicher Kernkompetenzen

Trotz des Fokus auf technisches Wissen rücken menschliche Qualitäten wieder stärker in den Mittelpunkt. Das IBM Institute for Business Value ermittelte in einer Studie mit über 10.000 Teilnehmern, dass 71 Prozent der Personalverantwortlichen die Fähigkeit, KI-Ergebnisse zu überwachen, zu validieren und zu übersteuern, als wichtigste Kompetenz ansehen. Demgegenüber halten lediglich 29 Prozent der Beschäftigten dieses Urteilsvermögen für wesentlich.

Zudem warnten 80 Prozent der Personalchefs, dass die Einführung von KI „unsichtbare“ Mehrarbeit erzeuge, etwa durch das Korrigieren von Fehlern oder das Ergänzen von Kontext.

Laut ZipRecruiter suchen Arbeitgeber verstärkt nach fortgeschrittenen sozialen Kompetenzen wie Konfliktlösung, ethischem Urteilsvermögen und inspirierender Führung. Einfache Soft Skills wie Kommunikation allein reichten demnach nicht mehr aus, um sich auf dem veränderten Arbeitsmarkt zu behaupten.

Während einige Organisationen wie die Open University berichten, dass das Recruiting auf Einstiegsniveau teilweise wegen der KI-Nutzung für Junior-Aufgaben reduziert wurde, gibt es auch Gegenbewegungen. So planten Branchenriesen wie IBM Berichten zufolge bereits Anfang des Jahres eine deutliche Ausweitung der Neueinstellungen auf Einstiegsebene in den USA für das laufende Jahr.

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