KI-Kluft im Handel: 76% testen, aber nur 19% nutzen produktiv
26.05.2026 - 01:12:02 | boerse-global.deEine aktuelle Studie der IT-Beratung Zoi zeigt die große Kluft zwischen Pilotprojekten und echten Kernprozessen. Befragt wurden 500 IT-Verantwortliche aus Unternehmen mit über 2.000 Mitarbeitern.
Die größten Hürden: eine zu komplexe IT-Infrastruktur und fehlendes Fachwissen. Besonders die Integration neuer KI-Lösungen in bestehende Altsysteme bereitet Kopfzerbrechen. Überraschend: 79 Prozent sehen KI nicht als Jobkiller, sondern als Werkzeug zur Prozessoptimierung.
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Salesforce baut sein KI-Ökosystem aus
Parallel treiben die großen Softwareanbieter die Entwicklung voran. Der CRM-Spezialist Salesforce kündigte eine Erweiterung seines Ökosystems an. Die Modul-Sammlung Agentforce umfasst Service-Agenten und spezialisierte Werkzeuge für die App-Erstellung.
Die Integration mit einer Data Cloud und einem Partnernetzwerk für kopierfreien Datenaustausch soll nahtlose Datenverarbeitung ermöglichen. Analysten prognostizieren für diesen Bereich bis 2028 ein Umsatzwachstum auf über 51 Milliarden US-Dollar.
Nischenlösung für den türkischen Supermarkt um die Ecke
Neben den globalen Plattformen etablieren sich spezialisierte Anbieter. Das Bergisch Gladbacher Unternehmen WindSoftTech entwickelte eine KI-gestützte Kassensoftware speziell für kleinere Supermärkte mit Migrationshintergrund.
Das System erkennt Obst, Gemüse und Fleisch per KI direkt an der Waage – und beschleunigt so den Bezahlvorgang. Bereits 1.000 Installationen laufen, täglich werden rund 250.000 Kassenbons verarbeitet. Das 15-köpfige Team erwartet für 2026 einen Umsatz von drei Millionen Euro, nach zwei Millionen im Jahr 2024.
Der Supermarkt der Zukunft wächst auf dem Dach
In Berlin präsentierte REWE ein Modellprojekt für nachhaltiges Bauen und Wirtschaften. Der Green Farming Markt kombiniert 2.150 Quadratmeter Verkaufsfläche mit einer 2.760 Quadratmeter großen Dachfarm.
Dort wachsen Salatmischungen in Hydroponik-Anlagen in nur 23 Tagen – Jahresproduktion: rund 900.000 Einheiten. Der gesamte Markt entstand mittels digitaler Gebäudeplanung (BIM) und besteht aus einer Holzkonstruktion. 72 Stützen binden rund 930 Tonnen CO2. Photovoltaik, LED-Beleuchtung und E-Ladestationen runden das Konzept ab.
Wenn der Erdbeerstand zum Sicherheitsfall wird
Nicht nur Effizienz, auch Schutz treibt die Technisierung voran. Nach einem Einbruch in einen Verkaufsstand in Lübben im Spreewald rüstet Karls Erdbeerhof massiv auf. Die Täter entwendeten mehrere Kisten Erdbeeren – Schaden: mehrere hundert Euro. Bei aktuellen Marktpreisen von rund 13 Euro pro Kilo ein schmerzhafter Verlust.
Die Unternehmensführung kündigte eine Testphase für ein neues Sicherheitssystem an 20 Standorten an. Mittelfristig sollen alle über 400 Verkaufsstände mit Alarmtechnik, Bewegungsmeldern und Internetanbindung ausgestattet werden. Überwachung in Echtzeit aus der Zentrale in Rövershagen. Bereits 2025 gab es einen Einbruch mit schwerer Körperverletzung in Berlin. Erdbeerwein wurde deshalb bereits aus den Außenständen verbannt.
Penny Italien steht vor dem Verkauf
Die technologische Modernisierung findet in einem schwierigen Marktumfeld statt. REWE prüft den Verkauf seiner italienischen Penny-Filialen. Fast 500 Märkte mit einem Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Euro stehen zur Disposition.
Grund: eine sinkende Kapitalrendite in einem herausfordernden Wettbewerbsumfeld. Als potenzielle Käufer gelten Lidl oder Aldi.
Warnstreiks treiben Automatisierung voran
Am 24. Mai legte die Gewerkschaft Verdi bei Ketten wie Edeka die Arbeit nieder. Die Folge: deutlich längere Wartezeiten an den Kassen. Solche Ereignisse verstärken den Trend zu Selbstbedienungskassen und automatisierten Bezahlsystemen. Die Abhängigkeit von manuellem Personal in Stoßzeiten sinkt – ein Nebeneffekt, den viele Händler begrüßen dürften.
Was bringt die Zukunft?
Karls Erlebnisdorf testet derzeit auf einem Pop-Up-Festival in Wernigerode neue Konzepte. Temporäre Manufakturen-Markthallen und digitale Verkaufsideen stehen auf dem Prüfstand. Die Eröffnung des dauerhaften Erlebnisdorfes ist für Frühjahr 2028 geplant – Investitionsvolumen: rund 30 Millionen Euro.
Der Einzelhandel hat verstanden: Technologische Innovationen sind kein optionales Extra mehr. Sie sind die Antwort auf Personalmangel, Sicherheitsrisiken und steigende Nachhaltigkeitsanforderungen. Der Erfolg wird davon abhängen, wie schnell die Branche die Integrationshürden überwindet.
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