KI-Kartellklage, Nutzer

KI-Kartellklage: Nutzer werfen OpenAI und Google illegale Absprachen vor

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 21:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Vier Nutzer werfen Anthropic, OpenAI, SpaceXAI und Google vor, die KI-Entwicklung koordiniert gebremst und Abos entwertet zu haben.

KI-Branche in den USA wegen möglicher Kartellabsprachen verklagt
Ein imposantes, neoklassizistisches Gerichtsgebäude mit massiven Steinsäulen unter einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

In den Vereinigten Staaten sieht sich die Spitze der Branche für Künstliche Intelligenz (KI) mit schwerwiegenden kartellrechtlichen Vorwürfen konfrontiert. Am 18. September 2026 reichten vier zahlende Nutzer der Dienste ChatGPT, Claude, Grok und Gemini eine Sammelklage beim US District Court for the Northern District of California ein.

Die Klage richtet sich gegen die Unternehmen Anthropic, OpenAI, SpaceXAI und Google. Den Branchengrößen wird vorgeworfen, unter dem Deckmantel der Sicherheit illegale Absprachen getroffen zu haben, um die Entwicklung der KI-Technologie künstlich zu verlangsamen.

Vorwurf der Wettbewerbsbeschränkung und Wertminderung

Die Kläger werfen den Unternehmen einen Verstoß gegen das Bundes-Kartellrecht vor. In der Klageschrift wird argumentiert, dass die koordinierte Verlangsamung der technologischen Fortschritte zu einer Wertminderung der kostenpflichtigen Abonnements geführt habe. Die Kläger streben die Vertretung einer landesweiten Sammelklasse an, die alle zahlenden Abonnenten der genannten KI-Plattformen umfasst.

Ein zentraler Punkt der juristischen Auseinandersetzung ist die Abwägung zwischen Sicherheitsbedenken und wettbewerblichem Fortschritt. Während die Kläger eine individuelle Verlangsamung der Entwicklung aus Sicherheitsgründen akzeptieren würden, kritisieren sie eine kollektive Zurückhaltung.

Der Anwalt Nick Rowley warnte in diesem Zusammenhang, dass die KI schnell der menschlichen Kontrolle entgleiten und eine existenzielle Bedrohung darstellen könne. Dennoch dürfe dies nicht als Vorwand für wettbewerbswidrige Absprachen dienen.

Chronologie der mutmaßlichen Koordination

Die Klage stützt sich auf Ereignisse, die bis in den Juli 2026 zurückreichen. Damals soll eine Erklärung hochrangiger Labormitarbeiter von einem intensiven Wettbewerbsdruck berichtet haben, der eine einseitige Verlangsamung der Entwicklung erschwere.

Anzeige

Während die rechtlichen Rahmenbedingungen für KI weltweit neu verhandelt werden, schafft die EU bereits verbindliche Fakten für alle Marktteilnehmer. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über die Pflichten und Fristen des EU AI Act. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Eine entscheidende Zuspitzung der Ereignisse verorten die Kläger am 12. September 2026. An diesem Tag veröffentlichte Dario Amodei, CEO von Anthropic, einen Essay mit dem Titel „We Must Pace the Frontier“, in dem er für eine branchenweite Kooperation zur Drosselung des Entwicklungstempos plädierte.

Noch am selben Tag erklärten OpenAI-CEO Sam Altman, SpaceXAI-CEO Elon Musk und der Leiter von Google DeepMind, Demis Hassabis, öffentlich ihre Zustimmung zu diesem Vorhaben.

Dario Amodei habe zudem die US-Regierung um eine eng gefasste Ausnahmegenehmigung für bestimmte Arten von Sicherheitsgesprächen gebeten. Sam Altman begrüßte laut Berichten einen föderalen Sicherheitsrahmen und betonte, nicht auf eine kartellrechtliche Ausnahme oder neue Gesetzgebungen warten zu wollen.

Politische Reaktionen und weiteres Vorgehen

Die politische Reaktion auf die Entwicklungen in der KI-Branche fällt gespalten aus. US-Präsident Trump bezeichnete die Forderungen nach einer verstärkten Regulierung als Verschwörung. Er kündigte die Einrichtung einer AI-Task-Force sowie die Ernennung eines sogenannten „AI-Czars“ an, um die nationale Strategie zu steuern.

Anzeige

Wer sich mit der regulatorischen Entwicklung befasst, erkennt schnell, dass Compliance-Anforderungen für KI-Systeme zunehmend an Bedeutung gewinnen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act herunterladen

Auf parlamentarischer Ebene zeichnet sich jedoch Widerstand gegen Sonderregelungen für die Technologiekonzerne ab. Senator Josh Hawley lehnte eine kartellrechtliche Ausnahme für die betroffenen Unternehmen explizit ab.

Am Wochenende nach der Einreichung der Klage reagierten Vertreter von Anthropic, OpenAI, Google und SpaceXAI zunächst nicht auf Presseanfragen zu den Vorwürfen. Das Verfahren am US District Court in Kalifornien wird nun darüber entscheiden müssen, ob die öffentlichen Bekundungen der Branchenführer und die daraus resultierenden Handlungen als illegale Marktansprachen im Sinne des Kartellrechts zu werten sind.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70146898 |