KI-Infrastruktur in Gefahr: Japan stoppt Halbleitergas ab Juli
13.06.2026 - 22:16:21 | boerse-global.de
Der Grund: China drosselt die Ausfuhr von strategisch wichtigen Rohstoffen – mit weitreichenden Folgen für die weltweite KI-Infrastruktur.
Engpass bei Wolfram: Preise explodieren
Die japanischen Industriechemie-Hersteller Showa Denko Kanto und Central Glass haben angekündigt, die Produktion von Wolframhexafluorid-Gas ab Juli möglicherweise einstellen zu müssen. Das Gas ist ein unverzichtbarer Bestandteil bei der Fertigung modernster Halbleiter im Bereich von 3 bis 7 Nanometern – genau jener Chips, die für Künstliche Intelligenz benötigt werden.
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Der Produktionsstopp droht, weil die Wolfram-Vorräte dramatisch schrumpfen. Japans Importe aus China brachen im April 2026 um 50 Prozent im Vergleich zum Monatsdurchschnitt des Vorjahres ein. Die Folge: Der Preis für 99,999 Prozent reines Wolframhexafluorid-Gas ist auf umgerechnet rund 1.700 Yuan pro Kilogramm (etwa 250 Euro) gestiegen – eine Verdreifachung binnen eines Jahres.
China dominiert den Weltmarkt: 2025 förderte das Land mehr als 78 Prozent des globalen Wolframs. Zwar einigten sich die USA und China bei einem Gipfeltreffen im Mai 2026 auf erste Schritte bei Seltenen Erden und Investitionsausschüssen. Doch die spezifischen Beschränkungen für Wolfram bleiben ein zentraler Streitpunkt.
Indiumphosphid: 250 Prozent Preisanstieg
Noch dramatischer ist die Lage bei Indiumphosphid (InP) – einem Material, das für Laser und optische Komponenten in KI-Rechenzentren unverzichtbar ist. Seit China im Februar 2025 Exportkontrollen verhängte, ist der Preis für einen Sechs-Zoll-Wafer um 250 Prozent auf rund 5.000 Euro gestiegen.
China produziert 70 Prozent des weltweiten Indiums. Zwei Unternehmen – AXT und Sumitomo – kontrollieren rund 80 Prozent der Substratfertigung für InP. Zwar betreibt AXT Produktionsstätten in China und erhielt bereits Mitte 2024 erste Exportlizenzen, doch das Angebot bleibt weit hinter der globalen Nachfrage zurück.
Die großen Tech-Konzerne reagieren mit defensiven Milliardeninvestitionen. Nvidia steckte im März 2026 jeweils zwei Milliarden Euro in die Zulieferer Coherent und Lumentum, um sich künftige Kapazitäten zu sichern. Doch selbst das reicht nicht: Lumentum ist faktisch bis 2028 ausverkauft. Coherent arbeitet derzeit daran, seine Wafer-Produktion am Standort Texas zu verdoppeln.
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USA forcieren heimische Förderung
Die vulnerability der Lieferketten zwingt die USA zum Umdenken. Bereits im Februar 2026 forderte das Pentagon die Industrie auf, die heimische Produktion kritischer Mineralien hochzufahren.
Die Minenbetreiber American Tungsten und Almonty Industries planen, den Abbau wieder aufzunehmen oder auszuweiten. American Tungsten will bis 2027 in Idaho mit der Förderung beginnen – und damit immerhin acht Prozent des US-Bedarfs decken. Der Druck ist enorm: Allein in den vergangenen vier Wochen verbrauchten die USA mehr als 850 Tomahawk-Marschflugkörper – eine Rate, die die jährlichen Beschaffungsmengen deutlich übersteigt. Diese Präzisionswaffen sind ebenso wie viele moderne Lenkraketen auf Wolfram-Komponenten angewiesen.
Auch die geopolitische Lage um Mineralrechte verändert sich rasant. Mexiko annullierte im Februar 2026 mehr als 1.100 Bergbaukonzessionen auf knapp 890.000 Hektar. China wiederum verschärft ab dem 15. Juni 2026 sein Bergbaurecht und zentralisiert die Kontrolle über die heimische Förderung.
Das japanische Wirtschaftsministerium (METI) veröffentlichte am 12. Juni 2026 seinen Bericht über unfaire Handelspraktiken. Darin werden zwar vor allem neue Stahlzölle der EU und Kanadas kritisiert – doch der Bericht zeigt vor allem eines: Die Ära des ungehinderten Rohstoffhandels ist endgültig vorbei.
