KI-Infrastruktur: Hyperscaler geben 2026 745 Milliarden aus
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 13:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die durch künstliche Intelligenz (KI) getriebene Dynamik an den Aktienmärkten weitet sich gegenwärtig auf neue Wirtschaftssektoren aus. Während die jüngsten Quartalsergebnisse die technologische Dominanz bestätigen, wächst unter Analysten die Beständigkeit dieser Entwicklung, insbesondere mit Blick auf Unternehmen wie den Baukonzern Hochtief und die zugrunde liegenden Finanzierungsstrukturen.
Gewinnwachstum im S&P 500 durch KI-Bewertungen verzerrt
Aktuelle Marktanalysen zum zweiten Quartal verdeutlichen die massive Ertragskraft des S&P 500, zeigen jedoch eine signifikante Abhängigkeit von Bewertungseffekten. Die Gewinne im Index stiegen im Jahresvergleich um 52 Prozent, wobei der Technologiesektor ein Plus von 74 Prozent verzeichnete.
Bereinigt um unrealisierte Bewertungsgewinne von Schwergewichten wie Alphabet und Amazon läge das Gewinnwachstum laut Marktbeobachtern jedoch lediglich bei rund 33 Prozent.
Allein Alphabet wies 77,1 Milliarden US-Dollar an unrealisierten Gewinnen aus, während Amazon 53,4 Milliarden US-Dollar verbuchte, was unter anderem auf die Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic zurückzuführen sei.
Anthropic selbst habe derweil erstmals die Gewinnzone erreicht und einen Umsatz von 11,5 Milliarden US-Dollar erzielt. Abseits des Technologiesektors zeigte insbesondere der Energiesektor mit einem Zuwachs von 143 Prozent eine starke Performance.
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Massive Investitionen in die Infrastruktur
Die Investitionsausgaben (Capex) der sogenannten Hyperscaler – Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta – erreichen neue Rekordmarken. Seit 2023 investierten diese Unternehmen rund 1,1 Billionen US-Dollar in die KI-Infrastruktur.
Für das laufende Jahr 2026 werden weitere Ausgaben in Höhe von 745 Milliarden US-Dollar prognostiziert, während Schätzungen für die Jahre 2027 und 2028 von einem Anstieg auf bis zu 1 Billion US-dollar ausgehen.
Diese Investitionen spiegeln sich deutlich in den Cloud-Sparten wider: Google Cloud steigerte den Umsatz um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar. AWS verzeichnete ein Plus von 37 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar, und die Microsoft Cloud wuchs um 32 Prozent auf 39,3 Milliarden US-Dollar. Parallel dazu mobilisiere Nvidia gemeinsam mit Partnern an der Wall Street über 500 Milliarden US-Dollar für die weitere Expansion.
Makroökonomische Risiken und zinspolitische Spannungen
Trotz der robusten Fundamentaldaten mehren sich die Warnsignale aus dem makroökonomischen Umfeld. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte mit 5,33 Prozent zeitweise den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten, bevor sie nach der Ankündigung erweiterter Rückkäufe durch das US-Finanzministerium auf 5,19 Prozent sank. Das Rückkauf-Limit wurde hierfür auf 4 Milliarden US-Dollar verdoppelt.
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Vertreter der US-Notenbank Fed wiesen darauf hin, dass die Inflation bereits seit 63 Monaten über der Zielmarke von zwei Prozent liege. Die Chefökonomin des IWF, Tenreyro, gab zu bedenken, dass die KI-bedingte Investitionsnachfrage die Inflation sogar weiter antreiben könnte, anstatt sie durch Produktivitätsgewinne zu senken. In diesem Zusammenhang seien bereits steigende Preise für Speicherchips und Grafikprozessoren zu beobachten.
Sektorspezifische Entwicklungen und Marktwarnungen
Während Unternehmen wie AMD durch ein Umsatzplus von 107 Prozent im Datencenter-Bereich überzeugten und das Shanghai-Debüt von Unitree Robotics mit einem Kursplus von 460 Prozent über dem IPO-Preis schloss, zeigen sich bei anderen Akteuren Schwächen. So sank das Nettoeinkommen von Alibaba im Juni-Quartal um 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr, trotz eines Cloud-Wachstums von 45 Prozent.
Experten der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) äußerten unterdessen Besorgnis über mögliche Korrekturen. Kritisch hinterfragt werde vor allem die „zirkuläre Finanzierung“ innerhalb des Sektors, etwa durch die Milliarden-Garantien von Nvidia für Rechenzentren von OpenAI.
Goldman Sachs konstatierte zudem eine beginnende Umstrukturierung der KI-Investitionslogik, da die Wettbewerbsvorteile reiner Rechenkraftanbieter zunehmend schwinden könnten.
