KI in Schulen: 67% der Lehrkräfte fürchten Schäden beim Denken
29.06.2026 - 11:03:55 | boerse-global.de
Eine aktuelle Erhebung zeigt: Während mehr als die Hälfte der Lehrkräfte KI regelmäßig einsetzt, fürchten zwei Drittel negative Folgen für die Schüler.
Risiken für kritisches Denken und soziale Kompetenzen
Das Deutsche Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung liefert klare Zahlen: 52 Prozent der Lehrkräfte nutzen KI-Anwendungen regelmäßig für berufliche Zwecke. Das ist ein deutlicher Anstieg – im Vorjahr lag der Wert noch bei knapp 33 Prozent.
Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) fühlt sich im Umgang mit der Technologie sicher. Doch die Skepsis überwiegt: 67 Prozent der Lehrkräfte befürchten negative Auswirkungen auf das kritische Denken und die sozialen Fähigkeiten ihrer Schüler.
Immerhin 59 Prozent der Pädagogen sehen Potenzial für individualisierte Lernunterstützung. Die tatsächliche Einbindung der Schüler bleibt jedoch begrenzt: Nur 29 Prozent der Lehrkräfte lassen ihre Schüler KI-Tools direkt im Unterricht einsetzen. Die Hauptanwendungen liegen stattdessen in der Unterrichtsvorbereitung (64 Prozent) und der allgemeinen Planung (58 Prozent).
Wenn ChatGPT die Hausaufgaben macht
Pädagogen schlagen Alarm: KI-Modelle wie ChatGPT werden zunehmend als Ersatz für eigene Denkarbeit genutzt. Berichte aus der Praxis zeigen, dass Schüler die Werkzeuge für Hausaufgaben verwenden – und dabei essenzielle Lernschritte überspringen.
Die Beobachtungen deuten auf ein Paradox hin: Kinder gelangen schneller zu Ergebnissen, durchdringen die Inhalte aber in geringerer Tiefe. Experten empfehlen daher, KI erst nach einem eigenen Denkprozess einzusetzen. Das Ziel: Denken neu erlernen, statt es an die Maschine auszulagern.
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Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und der Philologenverband fordern deshalb klare Leitlinien und verstärkte Unterstützung für den Bildungssektor.
Schlechte Noten für Lern-Apps
Die Probleme beginnen schon vor der Schule. Ein Forschungsprojekt der Universität Oxford namens „Lift“ untersuchte die Qualität von Lern-Apps für Kleinkinder. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die überwältigende Mehrheit der Anwendungen sei von sehr geringer Qualität.
Professorin Victoria Murphy warnt: Hohe Downloadzahlen oder positive Bewertungen in App-Stores sind keine verlässlichen Indikatoren für den tatsächlichen Lernwert. Stattdessen droht eine Verdrängung: Die schiere Quantität des digitalen Konsums untergräbt die Qualität der kognitiven Stimulation. Besonders die Sprachentwicklung junger Kinder sei gefährdet.
Digitale Abhängigkeit: Grenzen von Verboten
Parallel zu den kognitiven Risiken rücken die psychischen Folgen der Mediennutzung in den Fokus. Professor Dr. Julia Brailovskaia von der Ruhr-Universität Bochum fand einen Zusammenhang zwischen suchtartiger Social-Media-Nutzung und Symptomen wie Schlafstörungen, Depressionen und Angstzuständen.
Viele Lern-Apps sind von geringer Qualität und schaden der Sprachentwicklung. Unser Leitfaden zeigt, woran Sie gute Apps erkennen und wie Sie Ihr Kind vor suchtartiger Mediennutzung schützen. Ratgeber jetzt kostenlos sichern
Die Regulierung digitaler Plattformen erweist sich als schwierig. Ein Beispiel aus Australien: Dort wurde Ende 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. Die Wirkung? Begrenzt. 85 Prozent der 12- bis 17-Jährigen nutzten die Plattformen weiterhin – Altersverifikationen lassen sich leicht umgehen.
Experten plädieren daher für einen risikobasierten Ansatz. Statt reiner Altersgrenzen sei die Förderung von Medienkompetenz der Schlüssel. Nur so lasse sich die Resilienz junger Nutzer gegenüber den negativen Einflüssen digitaler Angebote stärken.
