KI in Rathäusern: LLMoin und Theo starten im Juli
03.07.2026 - 03:00:40 | boerse-global.de
Die Digitalisierung der deutschen Verwaltung kommt voran – mit neuen Vergleichsportalen, künstlicher Intelligenz in Rathäusern und umfassenden Gesetzesreformen. Im Juli 2026 haben Bund und Länder mehrere Projekte gestartet, die Bürger und Unternehmen schneller und unkomplizierter bedienen sollen.
Düsseldorf führt Ranking der digitalen Bürgerbüros an
Die Gisma University of Applied Sciences hat die Digitalisierung der Bürgerämter in deutschen Großstädten untersucht. Spitzenreiter ist demnach Düsseldorf mit 86,4 von 100 möglichen Punkten – ein Sprung vom sechsten Platz nach oben. Die Studie bewertete elf verschiedene Dienstleistungen auf einer Skala von null bis vier. Ergebnis: Die Anmeldung von Wohnsitzen funktioniert weitgehend digital, während Beglaubigungen das Schlusslicht bilden.
München und Frankfurt teilen sich mit jeweils 84,8 Punkten den zweiten Platz. Schlusslicht ist Duisburg mit 68,2 Punkten. Das Bundesministerium für Digitales hat zudem ein neues „Digitalisierungs-Dashboard" veröffentlicht. Es zeigt den Status von über 8.000 Verwaltungsleistungen aus dem Onlinezugangsgesetz (OZG) und erlaubt direkte Vergleiche zwischen Bund, Ländern und Kreisen.
Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Rathäuser
Seit dem 1. Juli 2026 können Kommunen in Schleswig-Holstein auf einen speziellen KI-Assistenten namens „LLMoin" zugreifen. Die Rahmenvereinbarung zwischen dem Dienstleister Dataport und ITV.SH ermöglicht den Einsatz für Textzusammenfassungen, Inhaltserstellung und Recherche – und das in einer datengeschützten Umgebung im Twin Data Center.
Im Landkreis Havelland ist zeitgleich der digitale Bürgerassistent „Theo" gestartet. Landrat Roger Lewandowski stellte das System in Ribbeck vor. „Theo" kann in über 100 Sprachen kommunizieren und ist über die Webseite des Kreises sowie eine eigene App erreichbar. Bürger können rund um die Uhr Fragen zur Verwaltung stellen.
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Bürokratieabbau per Gesetz
Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat ein umfangreiches Paket verabschiedet, das 93 Gesetze und Verordnungen ändert. Kern der Reform: Handschriftliche Unterschriften werden durch elektronische Formen wie E-Mail ersetzt, digitale Kopien ersetzen Originaldokumente. Grundlage ist eine Modernisierungsagenda des Bundes aus dem Jahr 2025.
Auf Bundesebene soll eine Novelle der Gewerbeordnung mehr als 5.000 Vor-Ort-Kontrollen pro Jahr überflüssig machen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Innovationsminister Peter Hanke unterstützen das Vorhaben. Es sieht unter anderem vor, Betriebsübergaben zu erleichtern und Genehmigungen für Photovoltaikanlagen sowie Ladestationen für E-Autos pauschal zu erteilen.
Breitband, digitale Zwillinge und Bürger-Apps
Auch vor Ort investieren Städte und Gemeinden in die digitale Infrastruktur:
- Glasfaserausbau: In Nördlingen wurde Ende Juni ein Vertrag für schnelles Internet im Stadtteil Schmähingen unterzeichnet. Die Finanzierung teilen sich Bund (50 Prozent), Land (40 Prozent) und Kommune (zehn Prozent). In Heitersheim und Umgebung sollen ab Juli 2026 Anschlüsse mit bis zu 10 Gbit/s verfügbar sein.
- Digitale Stadtmodelle: Wiesbaden zieht ein Jahr nach dem Start seines „Digitalen Zwillings" eine positive Bilanz. Das virtuelle Modell wird nun um Fahrradsensoren und 3D-Visualisierungen erweitert. In Ramstein-Miesenbach hat der Stadtrat 3D-Laserscans für knapp 20.000 Euro beauftragt.
- Mobile Dienste: Bad Salzuflen hat seine App „MeinS" für alle Bürger geöffnet. Bisher war sie nur Gästen der Kurstadt vorbehalten. Die Plattform bietet Zugang zu Rathausdiensten, Abfallkalendern und Stellenanzeigen – ohne Download aus einem App-Store.
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IT-Sicherheit bleibt zentral
Neben neuen Angeboten steht der Schutz der Daten im Fokus. Die Stadt Traunreut erhielt Anfang Juli erneut das kommunale IT-Sicherheitssiegel des Bayerischen Landesamts für Informationssicherheit (LSI). Die Auszeichnung bestätigt, dass die Gemeinde strenge Standards bei Datenschutz und Notfallplanung erfüllt.
