Kliniken, TREWS

KI in Kliniken: TREWS erkennt Blutvergiftungen zu 82% zuverlässig

Veröffentlicht: 19.07.2026 um 05:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Technologiekonzerne und Postdienste drängen in den Pharmamarkt. KI-Systeme und Automaten verändern die Arzneimittelversorgung grundlegend.

Pharma-Umbruch: KI, Logistik und Automaten revolutionieren Apotheken
Nahaufnahme von Händen, die mit einem futuristischen digitalen Apotheken-Terminal interagieren, das Echtzeit-Medikamentenbestand und Logistik anzeigt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Pharmabranche erlebt einen tiefgreifenden Umbruch: Echtzeit-Logistik, KI-gestützte Systeme und automatisierte Apothekenmodelle verändern die Patientenversorgung grundlegend.

Amazon und die Post: Neue Wege der Arzneimittelversorgung

Große Technologiekonzerne und staatliche Postdienste drängen in den Pharmamarkt. Amazon Pharmacy hat im Frühsommer eine Partnerschaft mit eNavvi geschlossen, um Ärzten Echtzeit-Daten zu Medikamentenpreisen und Verfügbarkeit direkt in der Praxissoftware anzuzeigen. Das System zeigt Lieferzeiten an – in rund 3.000 US-Städten ist sogar eine Lieferung am selben Tag möglich.

In Osteuropa geht die Integration noch weiter. Seit dem Frühjahr 2026 ist der Dienst Ukrposhta.Pharmacy vollständig in das Gesundheitssystem Health24 eingebunden. Patienten können dort rezeptpflichtige Medikamente per elektronischem Rezept direkt über eine App bestellen.

Digitale Transparenz per Gesetz

Immer mehr Kommunen und Staaten setzen auf verpflichtende digitale Inventarsysteme. In Cebu City auf den Philippinen plant die Stadtverwaltung eine Verordnung, die Apotheken zur Installation von Computerterminals mit Echtzeit-Zugriff auf den Medikamentenbestand verpflichtet. Besonders ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen sollen so vor unnötigen Wegen bewahrt werden. Kleinere Apotheken wären von der Regelung ausgenommen.

Indien geht noch einen Schritt weiter: Im Rahmen der Ayushman Bharat Digital Mission entsteht ein nationales Arzneimittelregister. Die Datenbank umfasst bereits über 123.000 Markenmedikamente, 10.000 Generika und 29.000 Wirkstoffe – standardisiert nach dem internationalen SNOMED-CT-System.

Die Apotheke der Zukunft: Automaten und Telemedizin

In Lissabon zeigt ein Pilotprojekt, wie der Apothekenbesuch von morgen aussehen könnte. Der Pharma&Go-Markt arbeitet vollständig autonom: Künstliche Intelligenz, Sensoren und Kameras des Technologiepartners Sensei machen das Scannen von Barcodes überflüssig. Das „Grab-and-Go"-System ist rund um die Uhr geöffnet – allerdings bislang nur für rezeptfreie Produkte.

In Deutschland bereitet sich die Branche auf Telemedizin-Kabinen vor. Die Anbieter Doctor Box und Tessan haben Einheiten entwickelt, die für eine Pauschale von rund 30 Euro pro Sitzung Fernkonsultationen ermöglichen. Sieben Diagnosegeräte unterstützen die Ärzte bei der Untersuchung. Für Apotheker bedeutet das eine Investition von etwa 17.000 Euro plus monatlicher Servicegebühren.

Anzeige

Die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von KI-Systemen in der Gesundheitsbranche bringen neue rechtliche Verpflichtungen mit sich. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

KI erobert den Praxisalltag

Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend komplexe Aufgaben in Kliniken und Apotheken. Das TREWS-System zur Erkennung von Blutvergiftungen identifiziert in klinischen Tests 82 Prozent der Fälle zuverlässig. Im milliardenschweren US-Infusionsmarkt automatisieren KI-Plattformen die Überweisungsannahme, die Prüfung von Versicherungsansprüchen und die Kostenzusage.

Weitere Einsatzgebiete:
- Analyse von Krankenakten zur Vorhersage von Wiederaufnahmerisiken
- Durchsuchung klinischer Notizen nach Medikamentenänderungen
- Prognose des Arzneimittelbedarfs für optimierte Lagerbestände

Hürden auf dem Weg zur digitalen Apotheke

Trotz aller technologischen Fortschritte: Die Basis in den Apotheken hinkt hinterher. Eine Studie der National Pharmacy Association (NPA) und Thiscovery zeigt: 84 Prozent der befragten Apotheker befürworten eine Ausweitung des eigenständigen Verschreibungsrechts, um Patienten besser versorgen zu können. Doch nur 30 Prozent halten die vorhandene Infrastruktur für ausreichend.

Anzeige

Wer im Zuge der digitalen Transformation KI-Systeme entwickelt oder nutzt, muss die strengen Regeln der neuen EU-Verordnung kennen, um empfindliche Strafen zu vermeiden. Compliance-Experten bieten hierzu einen kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act mit allen relevanten Übergangsfristen an. Jetzt kostenlosen KI-Leitfaden herunterladen

Die größten Hindernisse sind fehlende Finanzierung und unzureichende IT-Systeme. 32 Prozent der Apotheker mit Verschreibungsbefugnis nutzen diese derzeit nicht – ausgerechnet wegen bürokratischer Hürden. Unabhängige Apotheken kämpfen zudem mit sinkenden Erstattungssätzen. Tausende haben sich bereits aus bestimmten Versicherungsprogrammen zurückgezogen, weil die Rezepte für sie Verlustgeschäfte waren.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69800045 |