Hälfte, Umfragen

KI in deutschen Unternehmen: Mehr als die Hälfte nutzt sie bereits

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Umfragen zeigen breite KI-Verwendung, doch die systematische Integration bleibt selten; autonome Agenten sind bei vielen Firmen in Planung.
Eine moderne, minimalistische Industriehalle mit weiten Betonböden und einfallendem Tageslicht als Symbol für technologischen Wandel. Illustration mit AI erstellt.

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der deutschen Wirtschaft hat die Schwelle zur Mehrheit überschritten. Nach einer im Mai 2026 durchgeführten Umfrage des ifo Instituts nutzen mittlerweile 54,5 Prozent der Unternehmen in Deutschland KI in ihren Geschäftsprozessen.

Im Jahr 2025 lag dieser Anteil noch bei 40,9 Prozent. Daten weiterer Branchenuntersuchungen bestätigen diese dynamische Entwicklung, verdeutlichen jedoch zugleich eine erhebliche Diskrepanz zwischen der ersten Anwendung und der tiefgreifenden Ausschöpfung technologischer Potenziale.

Hohe Akzeptanz und wachsende Sorge vor Anschlussverlust

Ein vergleichbares Bild zeichnet der Branchenverband Bitkom nach einer Befragung von 603 Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten. Demnach setzen 57 Prozent der Betriebe KI ein. Vor einem Jahr belief sich dieser Wert noch auf 36 Prozent, vor zwei Jahren lediglich auf 20 Prozent.

Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz aktuell, während lediglich 4 Prozent die Technologie als irrelevant einstufen – nach 17 Prozent im Vorjahr und 41 Prozent vor zwei Jahren.

Gleichzeitig verfestigt sich der strategische Stellenwert: 91 Prozent der von Bitkom befragten Unternehmen betrachten KI als die wichtigste Zukunftstechnologie (2025: 81 Prozent, 2024: 73 Prozent), während lediglich 8 Prozent von einem Hype ausgehen. Insgesamt 80 Prozent begreifen die Technologie als Chance, 18 Prozent sehen darin primär ein Risiko.

Der zunehmende Nutzungsgrad wird allerdings auch von strategischem Druck getrieben. Laut Bitkom erklären 61 Prozent der Unternehmen, dass Betriebe ohne KI keine Zukunft hätten, gegenüber 51 Prozent im Vorjahr. 56 Prozent sehen den Anschluss Deutschlands bereits verloren, und 34 Prozent fürchten eine Existenzgefährdung (2025: 23 Prozent).

Zudem erwarten 31 Prozent einen Wandel ihres Geschäftsmodells. Ein Drittel der KI-Nutzer führt entsprechende Werkzeuge primär aus Angst vor einem Anschlussverlust ein.

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Konzentration auf Kontaktfunktionen und zögerliche Skalierung

Die konkreten Anwendungsbereiche verteilen sich laut Bitkom ungleichmäßig über die Betriebsbereiche. Führend sind der Kundenkontakt mit 72 Prozent sowie Marketing und Kommunikation mit 54 Prozent.

Dahinter folgen Controlling und Rechnungswesen mit 25 Prozent (2025: 17 Prozent), internes Wissensmanagement mit 22 Prozent (2025: 11 Prozent), die Produktion mit 22 Prozent und eigene Produkte mit 20 Prozent (2025: 12 Prozent).

Seltener wird KI in Forschung und Entwicklung (16 Prozent), im Vertrieb (14 Prozent), in der IT (9 Prozent), im Bereich Recht und Steuern (8 Prozent) sowie im Management (7 Prozent) genutzt.

Trotz der breiten Nutzung bleibt die Integration oft oberflächlich. Laut Bitkom schöpft kein befragter Anwender das Potenzial vollständig aus: 3 Prozent tun dies eher stark, 28 Prozent wenig und 59 Prozent überhaupt nicht.

Dass sich messbare Effekte oft erst spät einstellen, zeigt auch die europäische Wachstumsstudie von Simon-Kucher aus dem Jahr 2026. Dieser Untersuchung zufolge unterstützt KI bei 73 Prozent der Unternehmen weniger als 30 Prozent der internen Prozesse, während spürbare Produktivitätsgewinne meist erst ab einer Durchdringung von 30 bis 50 Prozent einsetzen.

Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG stufen zwar 97 Prozent der Unternehmen KI als relevant für Geschäftsmodell und Wertschöpfung ein, doch weniger als 1 Prozent hat sie durchgängig und systematisch in sämtliche Bereiche integriert.

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Agentensysteme als kommende Entwicklungsstufe

Als nächster Schritt zeichnet sich der Einsatz autonomer KI-Agenten ab. Laut Bitkom setzen gegenwärtig 11 Prozent der befragten Firmen solche Systeme ein, 29 Prozent planen dies und 31 Prozent diskutieren den Schritt. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betonte in diesem Zusammenhang, dass die eigentliche Arbeit für die Wirtschaft nun erst beginne.

Erste wirtschaftliche Erträge zeigen sich laut Bitkom Research bereits bei fortgeschrittenen Anwendern: Zwei Drittel dieser Nutzer berichten von einer gestärkten Wettbewerbsposition, 48 Prozent von reduzierten Durchlaufzeiten und 45 Prozent von messbar positiven Beiträgen zu Margen und Betriebsergebnis.

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