KI in der Seelsorge: 59 Bischöfe beraten über ethische Leitplanken
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen ihrer Herbstvollversammlung in Fulda setzt sich die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) intensiv mit den Auswirkungen des technologischen Wandels auf die kirchliche Arbeit auseinander.
Unter dem Vorsitz von Heiner Wilmer beraten 59 Bischöfe über den Einzug Künstlicher Intelligenz (KI) in die Seelsorge und die damit verbundenen ethischen Herausforderungen. Die Beratungen, an denen auch der neue Apostolische Nuntius Erzbischof Hubertus van Megen teilnimmt, sind bis zum 1. Oktober 2026 anberaumt.
Ethische Leitplanken durch päpstliche Enzyklika
Ein zentraler Bestandteil der Versammlung ist ein Studientag am Mittwoch, der sich dem Thema „Künstliche Intelligenz, Menschsein und Gemeinwohl“ widmet. Grundlage für die Diskussionen bildet die im Frühjahr 2026 veröffentlichte Sozialenzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV. In diesem Dokument wird die Künstliche Intelligenz als eine der zentralen Zukunftsfragen der Menschheit definiert.
Der Papst fordert darin strenge Richtlinien zum Schutz der Menschenwürde und mahnt eine „Entwaffnung“ der Technologie an. Er warnt vor erheblichen Gefahren für das menschliche Zusammenleben, sofern die technologische Entwicklung nicht an klare ethische Regeln gebunden wird.
Bischof Heiner Wilmer ordnete die Bedeutung des Themas bereits im Vorfeld der Versammlung ein und bezeichnete KI als ein „Jahrhundert-Thema“. Die Auswirkungen dieser Entwicklung seien nach seiner Einschätzung heftiger als jene der Industriellen Revolution.
Praktische Anwendung und strukturelle Herausforderungen
Trotz der tiefgreifenden theoretischen Debatte ist die KI bereits in der kirchlichen Praxis angekommen. Pfarrer Carsten Leinhäuser aus dem Bistum Speyer nutzt entsprechende Werkzeuge beispielsweise zur Strukturierung von Notizen aus Trauergesprächen oder als Unterstützung bei der Vorbereitung von Predigten.
Dennoch herrscht Konsens darüber, dass der Kern der seelsorgerischen Arbeit, wie die Verkündigung in der Predigt, weiterhin eine genuin menschliche Aufgabe bleiben müsse.
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Die Bischofskonferenz plant derzeit keine konkreten Handlungsanweisungen für Pfarrer zur Nutzung von KI. Intern durchläuft die DBK zudem einen Strukturwandel: Die Anzahl der bischöflichen Kommissionen soll von 14 auf acht reduziert werden. Zudem kündigte Bischof Wilmer an, Debatten künftig nicht mehr selbst zu moderieren, um den Fokus stärker auf inhaltliche Aspekte zu legen – ein Verfahren, das sich bereits im Ständigen Rat bewährt habe.
Gesellschaftspolitischer Diskurs und internationale Krisen
Neben den technologischen Fragen befasst sich die Vollversammlung mit einer Vielzahl gesellschaftspolitischer Themen. Dazu gehören Beratungen über Leihmutterschaft, Organspende und die Beihilfe zum Suizid. Im Bereich der Organspende plädieren die Kirchen für eine regelmäßige Abfrage der Spendebereitschaft, lehnen jedoch die Widerspruchsregelung weiterhin ab.
Bischof Wilmer nutzte den Auftakt der Versammlung zudem für deutliche politische Positionierungen. Er warnte vor einem Erstarken des Populismus und betonte die Unvereinbarkeit von völkischem Nationalismus und christlichen Werten.
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Als besorgniserregend wertete er aktuelle Wahlergebnisse, wie die 38,2 Prozent für die AfD in Mecklenburg-Vorpommern oder das Ergebnis von 43,8 Prozent in Sachsen-Anhalt. Gleichzeitig kritisierte er nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin, die dort 25,7 Prozent der Stimmen erreichte, Pläne zur Reduzierung der Polizeikräfte.
Ein weiterer Fokus liegt auf der internationalen Lage, insbesondere der Krise im Sudan. Wilmer wies darauf hin, dass dort 34 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen seien und 4,5 Millionen Menschen über die Landesgrenzen geflohen seien. Er mahnte an, die Region nicht als „vergessenen Kontinent“ zu behandeln.
Für Heiner Wilmer, der im Februar zum Vorsitzenden gewählt wurde und mittlerweile Bischof von Münster ist, stellt die Zusammenkunft in Fulda die erste Herbstvollversammlung in seiner neuen Funktion dar.
