KI in der Schule: Noten steigen, Prüfungen fallen um 20%
05.07.2026 - 19:14:47 | boerse-global.de
Forscher beobachten einen Wandel, der weit über technische Neuerungen hinausgeht.
Sprachwandel: Wörter wie „delve“ boomen
Menschen erkennen KI-generierte Texte nur noch mit rund 60-prozentiger Genauigkeit. Das zeigt eine Studie der Lancaster University unter Leitung von Claire Hardaker. Große Sprachmodelle (LLMs) haben demnach neue sprachliche Muster in den Alltag gebracht. Wörter wie „delve“ (ergründen), „showcase“ (präsentieren) und „boast“ (sich rühmen) tauchen seit dem Start großer KI-Plattformen deutlich häufiger auf.
Die Entwicklung betrifft auch die professionelle Literatur. Autorin Heather Parry kritisiert, dass KI-Schreibhilfen dem kreativen Prozess die menschliche Urteilskraft entziehen. Das widerspricht früheren Hoffnungen aus dem Jahr 2025, wonach KI als wertfreier Mentor dienen könnte.
Bildung: KI als zweischneidiges Schwert
Die Abhängigkeit von KI bei Schulaufgaben kann langfristig schaden. Eine chinesische Studie von Strömberg und Kollegen zeigt: KI hob die Hausaufgabennoten zunächst um 18 Prozent und verkürzte die Bearbeitungszeit von 64 auf 45 Minuten. Doch nach sechs Monaten fielen die Prüfungsergebnisse um 20 Prozent. Über zwei Jahre hinweg sank die Leistung bei Aufnahmeprüfungen um 18 bis 24 Prozent – am stärksten in den Sozialwissenschaften und bei leistungsstarken Schülern.
In Jamaika berichten Lehrer der Jonathan Grant High School von verschlechterten Noten durch KI-Nutzung. Eine Umfrage der University of Technology Jamaica zeigt: Fast alle Schüler und Studenten nutzen inzwischen KI-Tools. Norwegen hat bereits reagiert und generative KI in den Klassenstufen eins bis sieben verboten.
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Forscher der Iowa State University betonen: KI ist kein Abkürzungsweg. Sie erfordert sogar mehr kritisches Denken und menschliches Fachwissen, um sinnvoll eingesetzt zu werden.
Fachwissen unter Druck
Auch in spezialisierten Bereichen zeigt KI Nebenwirkungen. Eine Studie im Fachjournal The Lancet Gastroenterology & Hepatology vom Herbst 2025 belegt: Ärzte mit KI-Unterstützung entdeckten weniger Adenome (28,4 Prozent) als Kollegen ohne KI (22,4 Prozent). Eine Anthropic-Studie ergab: Softwareentwickler mit KI-Unterstützung schnitten in technischen Tests schlechter ab – die Punktzahl fiel von 67 auf 50 Prozent. Branchenumfragen zufolge fürchten über 70 Prozent der Mediziner den Verlust ihrer Kernkompetenzen durch Automatisierung.
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Verlage in der Zwickmühle
Der Verlag Hachette zog kürzlich den Horrorroman „Shy Girl“ von Mia Ballard zurück – wegen angeblicher KI-Nutzung. Die Autorin bestreitet die Vorwürfe. Das Buch hatte in Großbritannien bereits 1.800 gedruckte Exemplare verkauft. Business-Insider-Gründer Henry Blodget veröffentlichte dagegen seinen Roman „The Upgrade“ als Eigenarbeit – nutzte KI aber für Feedback und Faktenchecks.
Neue Konflikte und Datenpannen
Zwischen KI-Entwicklern und Inhalteerstellern zeichnen sich neue Spannungen ab. Anthropic soll im Rahmen des Projekts „Panama“ europäische Buchbestände aufkaufen, scannen und anschließend vernichten – um damit seine Modelle zu trainieren. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sieht darin mögliche Urheberrechtsverletzungen. In einem separaten Rechtsstreit hat Penguin Random House Klage gegen OpenAI eingereicht.
Die Verlässlichkeit von KI-Informationen bleibt fragil. Der DuckDuckGo-KI-Assistent behauptete kürzlich fälschlich, eine prominente politische Persönlichkeit sei Anfang Juni 2026 an Tollwut gestorben. Ursache war eine „Datenvergiftung“ durch eine Social-Media-Gruppe mit über 45.000 Mitgliedern. Zudem haben Sicherheitsforscher bereits neue gestenbasierte Bot-Schutzsysteme umgangen – mit einfachen virtuellen Kameras.
