Medizin, ChatGPT

KI in der Medizin: ChatGPT verarbeitet 230 Millionen Anfragen pro Woche

23.06.2026 - 17:58:32 | boerse-global.de

Australiens Gesundheitsbehörde startet Pilotprojekt mit ChatGPT zur sicheren Ersteinschätzung von Patienten. KI im Gesundheitswesen wächst rasant.

Healthdirect Australia testet ChatGPT für medizinische Beratung
Medizin - A stylized human brain glowing with neural pathways, intertwined with digital data streams and medical symbols, in a hospital setting. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Healthdirect Australia erprobt den Einsatz von ChatGPT in seinem Gesundheitsassistenten – ein Meilenstein für generative KI im öffentlichen Gesundheitssektor.

Die staatliche australische Gesundheitsorganisation startet einen Proof-of-Concept-Test mit einer ausgewählten Nutzergruppe. Ziel ist es, die Technologie auf ihre Sicherheit und Zuverlässigkeit bei medizinischen Anfragen zu prüfen.

Technologie-Partnerschaft für sichere Diagnosen

Das Pilotprojekt vereint mehrere medizinische und technische Partner. Healthdirect nutzt die Triage-Engine von Infermedica, die Hautkrebs-Screening-Technologie von Skin Analytics sowie die Cloud-Infrastruktur von Amazon Web Services und DEPT. Die Idee: Nutzer erhalten zunächst eine automatisierte Ersteinschätzung und Hautanalyse, bevor sie an das klinische Personal von Healthdirect weitergeleitet werden.

Anzeige

Warum so viele Deutsche ChatGPT nutzen – aber kaum einer weiß, wie man es richtig anwendet: Ein kostenloser Ratgeber zeigt, wie Sie die KI sofort für Ihren Alltag nutzen können – ganz ohne Vorkenntnisse. Kostenlosen PDF-Report jetzt herunterladen

CEO Bettina McMahon betont, dass die Organisation größten Wert darauf legt, dass der Einsatz großer Sprachmodelle bei gesundheitsbezogenen Anfragen sicher und verlässlich bleibt. Das ist kein einfaches Unterfangen – schließlich geht es um nichts weniger als die Gesundheit der Patienten.

OpenAI treibt medizinische Datenintegration voran

Der australische Pilot folgt der Einführung von ChatGPT Health, einem speziellen Feature, das OpenAI bereits im Januar 2026 auf den Markt brachte. Die Plattform ermöglicht es Nutzern, ihre elektronischen Patientenakten und Daten von Wellness-Apps wie Apple Health und MyFitnessPal in eine separate, isolierte Chat-Umgebung zu übertragen. OpenAI versichert, dass diese Gesundheitsgespräche nicht für das Training der Kernmodelle verwendet werden.

Für die Anbindung der Patientenportale arbeitete OpenAI mit dem Unternehmen b.well zusammen und konsultierte mehr als 260 Mediziner während der Entwicklung. Mittlerweile werden auf der Plattform über 230 Millionen gesundheitsbezogene Anfragen pro Woche bearbeitet. Eine Studie, die am 22. Juni 2026 im Journal of Medical Internet Research (JMIR) veröffentlicht wurde, weist jedoch auf anhaltende Bedenken hinsichtlich möglicher Lücken beim Datenschutz und der Zugänglichkeit hin.

Wachsende Nutzung – und wachsende Warnungen

Die Integration von KI in die Gesundheitsversorgung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Verbraucher die Technologie in großem Stil annehmen. Laut einer aktuellen Umfrage der KFF haben 32 Prozent der Erwachsenen in den USA im vergangenen Jahr KI-Chatbots für gesundheitsbezogene Fragen genutzt. Besonders hoch ist die Akzeptanz bei jüngeren Menschen: Personen unter 30 Jahren nutzen KI für psychische Gesundheit dreimal häufiger als Menschen über 50.

Anzeige

Urlaub planen, Sprachen lernen oder Zeit sparen – so erledigt ChatGPT Ihre Alltagsaufgaben in Sekunden. Dieser kostenlose PDF-Report bietet fertige Anleitungen und Beispiel-Prompts für alle, die KI praktisch nutzen möchten. Gratis ChatGPT-Guide sichern

Die medizinische Fachwelt zeigt sich besorgt. Ärzte warnen, dass KI-Tools oft den notwendigen klinischen Kontext vermissen lassen, was zu Behandlungsfehlern oder erhöhter Gesundheitsangst führen kann. Ein im August 2025 in den Annals of Internal Medicine veröffentlichter Fallbericht schildert, wie ein Patient ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, nachdem er der Empfehlung eines Chatbots gefolgt war, Natriumbromid anstelle eines Salzersatzes zu verwenden.

Um solche Risiken zu minimieren, müssen Gesundheitsdienstleister laut Rechtsexperten sogenannte Business Associate Agreements (BAAs) abschließen, bevor sie geschützte Gesundheitsinformationen mit KI-Tools teilen – eine Voraussetzung für die Einhaltung von Vorschriften wie HIPAA.

Fortschritte bei der Diagnosegenauigkeit

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass spezialisierte KI-Agenten bei bestimmten Aufgaben bald mit menschlichen Ärzten gleichziehen oder sie sogar übertreffen könnten. Eine am 22. Juni 2026 in Nature veröffentlichte Studie ergab, dass Googles Articulate Medical Intelligence (AMIE) eine mit Hausärzten vergleichbare Diagnosegenauigkeit erreichte – besonders bei komplexen Krankheitsverläufen.

Ein weiterer KI-Agent namens MIRA (Medical Intelligence for Reasoning and Action) zeigte in simulierten Umgebungen sogar eine überlegene Diagnosegenauigkeit im Vergleich zu Ärzten. MIRA ist darauf ausgelegt, direkt mit elektronischen Gesundheitsakten zu interagieren, Patientengeschichten abzurufen, Tests anzuordnen und strukturierte Behandlungspläne zu erstellen.

Milliardenmarkt und Infrastruktur-Boom

Der Markt für generative KI im Gesundheitswesen wird für 2026 auf 4,7 Milliarden Euro geschätzt – angetrieben durch massive Kapitalspritzen und Infrastrukturentwicklungen. Am 22. Juni 2026 sicherte sich Prosper AI 28 Millionen Euro Finanzierung für sein weiteres Wachstum. Einen Tag später sammelte das australische Medizintechnik-Unternehmen Ovum 3,7 Millionen Euro ein, um KI-Infrastruktur speziell für Frauengesundheit aufzubauen – nachdem auf seiner Plattform bereits mehr als 113.000 KI-gestützte Gespräche geführt wurden.

Auch auf der Infrastrukturseite tut sich etwas: Redox hat am 23. Juni 2026 neue KI-Funktionen in seine Integrationsplattform eingebaut. Das Paket enthält einen KI-Assistenten, der Integrationsabläufe für Gesundheitssysteme automatisieren soll – ohne sensible Patientendaten für das Modelltraining zu verwenden.

Die australische Regierung hat zudem 20 Millionen Australische Dollar (rund 12 Millionen Euro) aus dem Medical Research Future Fund (MRFF) bereitgestellt, um Innovationen in der Primärversorgung zu fördern. Gefördert werden Projekte, die durch gemeinsam entwickelte Technologien die Servicebereitstellung verbessern.

de | wissenschaft | 69612006 |