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KI im Unterricht: Forscher warnen vor schwächerer Selbstregulation

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 16:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

UZH-Forscher empfehlen KI-freie Lernphasen und mehr Prozessfokus, während Umfragen die intensive Nutzung durch Schüler 2026 zeigen.

KI an Schulen: UZH warnt vor Folgen für selbstständiges Lernen
Ein leerer, sonnendurchfluteter Klassenraum mit Büchern und einem Notizbuch auf einem Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt.

Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Bildungsalltag schreitet voran, bringt jedoch erhebliche Herausforderungen für die kognitive Entwicklung von Lernenden mit sich.

Erziehungswissenschaftler der Universität Zürich (UZH) weisen in einem aktuellen Fachbeitrag für den „OECD Digital Education Outlook 2026“ auf die Risiken einer zu intensiven Nutzung dieser Technologien hin. Im Zentrum der Analyse steht dabei die Befürchtung, dass ein Übermaß an KI-Unterstützung das metakognitive Engagement sowie die Fähigkeit zur Selbstregulation schwächen könnte.

Risiken des kognitiven Offloadings und didaktische Gegenentwürfe

Die Forscher Sascha Schneider und Joshua Weidlich von der UZH thematisieren in ihrer Untersuchung das Phänomen des sogenannten „kognitiven Offloadings“. Damit ist die Tendenz gemeint, Denkprozesse an digitale Werkzeuge auszulagern, was langfristig die Tiefe der Auseinandersetzung mit Lerninhalten verringern kann.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, empfehlen die Experten die Einführung bewusster KI-freier Phasen im Unterricht. Zudem müsse sich die Prüfungskultur wandeln: Der Fokus sollte sich weg vom fertigen Endprodukt und hin zum eigentlichen Entstehungsprozess verlagern.

Ein zentrales Konzept in den Empfehlungen der UZH-Forscher sind die „wünschenswerten Schwierigkeiten“. Demnach sei es für den Lernerfolg essenziell, dass Schüler und Studierende Hürden eigenständig überwinden, statt sich sofort Lösungen durch KI-Systeme generieren zu lassen.

Parallel dazu arbeitet die Universität Zürich bereits an technologischen Assistenzsystemen wie einem KI-Tutorensystem und einem „KI-Buddy“, die diese pädagogischen Prinzipien unterstützen sollen.

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Hohe Nutzungsfrequenzen unter Schülern im Jahr 2026

Dass der Handlungsbedarf dringlich ist, unterstreichen statistische Erhebungen zur Verbreitung von KI-Werkzeugen. Eine im August 2026 durchgeführte Civey-Umfrage im Auftrag von Vodafone unter 1.000 Schülern im Alter von 16 bis 19 Jahren verdeutlicht die Allgegenwart der Technologie: Demnach nutzen 98 Prozent der Befragten KI für Recherchearbeiten, wobei 69 Prozent dies häufig tun. Konkret gaben 25 Prozent an, KI täglich zu nutzen, während 44 Prozent sie mehrmals pro Woche einsetzen.

Auch bei der Erledigung von Hausaufgaben ist die Technologie fest verankert. Laut der Umfrage greifen 26 Prozent der Schüler täglich und 40 Prozent mehrmals wöchentlich auf KI-Unterstützung zurück. Insgesamt 75 Prozent nutzen die Systeme zur Nachbereitung des Unterrichtsstoffes. Lediglich 4 Prozent der befragten Jugendlichen verzichten vollständig auf den Einsatz von KI.

Der Chef von Vodafone, Marcel de Groot, mahnte in diesem Zusammenhang an, dass KI das Denken unterstützen, aber keinesfalls ersetzen dürfe. Diese Beobachtungen decken sich mit der JIM-Studie 2025, nach der bereits im Vorjahr fast drei Viertel der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland KI für ihre Hausaufgaben nutzten.

Strategien für den Unterricht und politische Weichenstellungen

Fachleute plädieren für einen bewussteren Umgang mit den digitalen Helfern. Die KI-Expertin Céleste Spahi? rät beispielsweise dazu, KI-Systeme als „Sparringspartner“ einzusetzen. Anstatt fertige Lösungen abzufragen, sollten Lernende die KI bitten, Hinweise zu geben oder als Tutor zu fungieren, der eigene Erklärungen einfordert.

Auf politischer Ebene reagieren die Bundesländer mit strukturellen Maßnahmen. In Hessen wurde ein Bildungschancenpaket im Umfang von 50 Millionen Euro aufgelegt, das unter anderem 680 zusätzliche Lehrerstellen umfasst.

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Ab dem Schuljahr 2027/28 soll dort das Pflichtfach „KI und digitale Welt“ sukzessive eingeführt werden – beginnend in der 5. Klasse, gefolgt von der 6. Klasse und ab dem Schuljahr 2029/30 für die Jahrgangsstufen 7 bis 10. Hessens Kultusminister Armin Schwarz bezeichnete die Einführung eines eigenen KI-Schulfachs als eine Besonderheit im bundesweiten Vergleich. Ergänzt wird dies durch einen Medienführerschein in der 4. Klasse sowie verstärkte Leseförderung in der Grundschule.

An der Universität Siegen wird unterdessen im Projekt „KIMADU“ an praktischen Hilfsmitteln gearbeitet. Dort wurde der „KRAFT+-Agent“ für Deutschlehrkräfte entwickelt, der 25 weiterführende Schulen in Nordrhein-Westfalen unterstützt und vom dortigen Schulministerium gefördert wird.

Soziale Kluft bei der digitalen Teilhabe

Trotz der technologischen Fortschritte bleibt die digitale Kluft ein ungelöstes Problem. Eine Auswertung der ICILS-Studie 2023 durch die Universität Paderborn mit über 5.000 Teilnehmenden zeigt erhebliche Kompetenzunterschiede auf: Zwischen Schülern aus dem höchsten und dem niedrigsten sozioökonomischen Quartil liegt eine Differenz von 95 Kompetenzpunkten.

Zudem verfügen 9,3 Prozent der Achtklässler aus sozial benachteiligten Haushalten über keinen eigenen Gerätezugang zu Hause, und mehr als ein Drittel erlebt wöchentliche Internetausfälle. Die GEW Berlin forderte angesichts dieser Daten eine verbindliche Medienbildung, da rund 40 Prozent der Achtklässler lediglich über grundlegende digitale Fähigkeiten verfügen.

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