KI im Finanzsektor: Sprachmodelle springen auf 45 Prozent
10.06.2026 - 01:51:50 | boerse-global.de
Gleich mehrere große Finanzinstitute und Fintechs haben diese Woche Plattformen vorgestellt, die Banking, Investitionen und Vermögensverwaltung unter einem Dach vereinen. Der Trend: Künstliche Intelligenz und offene Bankschnittstellen verändern die Branche grundlegend.
Asiatische Großbanken bauen Plattformen aus
Die malaysische Maybank hat am 8. Juni ihre neue Maybank2E (M2E) -Plattform in Kuala Lumpur gestartet. Das System richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Großkonzerne und bündelt Liquiditätsmanagement, Handelsfinanzierung und Devisendienstleistungen in über 20 Währungen. Der Schritt ist Teil der ROAR30-Strategie der Bank, die Technologieinvestitionen in Höhe von umgerechnet rund zwei Milliarden Euro vorsieht.
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Die Zahlen der Maybank sind beeindruckend: Allein in Malaysia wickelte die Plattform 2025 Transaktionen im Wert von umgerechnet rund 600 Milliarden Euro ab – 122 Millionen Transaktionen insgesamt. Die neue M2E-Plattform ermöglicht KMU eine Online-Registrierung in Minuten. Noch in diesem Jahr soll der Rollout in Singapur und Indonesien folgen.
In Südkorea startete die Shinhan Bank ebenfalls am 8. Juni eine Teaser-Kampagne für ihre kommende Plattform Shinhan Super SOL. Die App soll künftig verschiedene Finanzdienstleistungen der gesamten Shinhan Financial Group in einer einzigen Oberfläche vereinen.
Multibanking wird zum Standard
Der Trend, Konten verschiedener Institute zentral zu verwalten, gewinnt weiter an Fahrt. Die türkische Vak?f Kat?l?m hat ein neues Open-Banking-Framework eingeführt. Kunden können nun Konten und Kreditkarten verschiedener Banken über die mobilen und Online-Portale der Bank verwalten. „Unser Fokus liegt auf der Verbesserung der Nutzererfahrung durch integrierte Lösungen", sagt Mehmet Fatih Yorulmaz, stellvertretender Generaldirektor für Marketing bei Vak?f Kat?l?m.
In der Schweiz bietet die Berner Kantonalbank (BEKB) seit dem 9. Juni kostenlose Multibanking-Dienste an. Über die bLink-Schnittstelle können Kunden Konten mehrerer Schweizer Banken in das BEKB-Ökosystem einbinden – für eine zentrale Vermögensübersicht.
Auch Indien treibt die Vernetzung voran: Die Reserve Bank of India (RBI) hat Sahamati als Selbstregulierungsorganisation für das indische Account-Aggregator-Ökosystem anerkannt. Das soll den Datenaustausch über Kredite hinaus auf Versicherungen, Vermögensverwaltung und Steuerdaten ausweiten.
KI revolutioniert die Vermögensverwaltung
Die Integration künstlicher Intelligenz in das Privat- und Geschäftskundengeschäft beschleunigt sich rasant. Vault22 hat seine KI-gesteuerte Digital-Wealth-Plattform in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgebaut. Der KI-Assistent Tara analysiert Einkommen, Ausgaben und Verbindlichkeiten und erstellt Budget- und Portfolio-Vorschläge. Weltweit verzeichnet das Unternehmen über eine Million registrierte Nutzer – die monatlich aktiven Nutzer stiegen im Februar um knapp sieben Prozent.
Für den europäischen Unternehmenssektor hat die Geschäftskonto-Plattform Qonto gemeinsam mit Upvest eine neue Investmentfunktion für Firmengelder gestartet. Seit dem 8. Juni können KMU in Deutschland bereits ab einem Euro in Geldmarktfonds investieren – direkt über die Banking-App.
Schwellenländer treiben grenzüberschreitende Zahlungen voran
Digitale Banken in Schwellenländern senken die Hürden für internationale Zahlungen. GoTyme Bank hat einen „Send Money Abroad"-Service gestartet, der Überweisungen in über 200 Länder in acht Währungen ermöglicht – über eine Partnerschaft mit der Wise Platform. Die Bank berichtet, dass die Nutzung internationaler Zahlungen seit der Zusammenarbeit mit Wise um 85 Prozent gestiegen ist.
In Ägypten haben Telda und Mastercard eine integrierte Zahlungs- und Investment-Wallet vorgestellt. Nutzer können mit ihrer nationalen ID ein Investmentkonto eröffnen und Erträge direkt auf ihrer Telda-Karte erhalten. Verum Messenger wiederum hat Verum Finance gelauncht – eine iOS-App, die verschlüsselte Kommunikation mit Finanzdienstleistungen wie Kartenausstellung und Vermögensaustausch kombiniert.
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Konsolidierung im Fintech-Sektor
Auch strategische Übernahmen prägen die digitale Bankenlandschaft. Die Genfer Banking-Software-Schmiede Temenos hat eine bindende Vereinbarung zur Übernahme von Additiv unterzeichnet. Das Zürcher Fintech ist auf die Orchestrierung von Finanzdienstleistungen spezialisiert. Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet. Bezahlt wird mit einer Mischung aus Barmitteln und Temenos-Aktien.
Die Geschwindigkeit des KI-Wandels belegt eine aktuelle Studie: Laut einem Bericht von hypt aus Juni 2026 stieg der Einsatz großer Sprachmodelle im Schweizer Retailbanking von sechs Prozent im Jahr 2025 auf 45 Prozent Mitte 2026. Institute wie die Zürcher Kantonalbank und Raiffeisen Schweiz führen demnach die Sichtbarkeitswerte bei der KI-Integration an.
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