KI-Haftung, Gerichte

KI-Haftung ungeklärt: Gerichte spalten sich, EU AI Act kommt am 2. August

17.06.2026 - 00:04:04 | boerse-global.de

Meta und Google starten umfassende KI-Integrationen. Deutsche Gerichte fällen widersprüchliche Urteile zur Haftung für KI-Inhalte.

KI-Revolution bei Google und Meta: Neue Funktionen und Rechtsstreit
KI-Haftung - Stylized illustration of intertwined digital brains within a search bar, representing AI integration into search results and social media. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Meta und Google haben am Montag tiefgreifende KI-Integrationen in ihre Plattformen eingeführt – während europäische Gerichte widersprüchliche Urteile zur Haftung für KI-generierte Inhalte fällen.

Meta bringt KI-Modus auf Facebook

Facebook-Nutzer in den USA können ab sofort den neuen „AI Mode“ nutzen. Die Funktion, die auf der Muse Spark AI-Engine basiert, durchsucht öffentliche Beiträge, Gruppen, Reels und Marketplace-Einträge. Statt einzelner Suchergebnisse liefert das System zusammengefasste Antworten auf komplexe Fragen – inklusive der Möglichkeit, per Rückfrage tiefer einzusteigen.

Anzeige: Während Gerichte in München und Berlin uneins sind, ob KI-Übersichten eigene Inhalte oder bloße Zusammenfassungen sind, wächst der Druck auf Rechtsabteilungen. Der EU AI Act und die Produkthaftungsrichtlinie ab August 2026 schaffen klare Regeln – doch die Vorbereitung beginnt jetzt. Dieser Report liefert die entscheidende Checkliste und den Fahrplan für Ihre Compliance. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern

Die Neuerung ist Teil eines größeren KI-Pakets. Nutzer erhalten Zugriff auf KI-gesteuerte Bildbearbeitung, virtuelle Outfits und neue Video-Effekte. Während die Analyse der eigenen Kamerarolle optional bleibt, gibt es keine Möglichkeit, die Nutzung öffentlicher Beiträge für das KI-Training zu unterbinden.

Erst im Mai hatte Meta die Forum-App gestartet, im Februar kamen animierte Profilbilder, im März KI-gestützte Antworten für Marketplace.

Google setzt auf Gemini 3.5 Flash

Parallel dazu kündigte Google die größte Such-Überarbeitung seit 25 Jahren an. Die neue Oberfläche, angetrieben von Gemini 3.5 Flash, verarbeitet deutlich längere Suchanfragen und erlaubt das Hochladen von Dokumenten und Videos direkt in die Suchleiste. Der Suchmaschinenriese positioniert sich damit zunehmend als konversationeller Assistent für komplexe Aufgaben – etwa die Verwaltung der Wohnungssuche.

Die finanziellen Kennzahlen untermauern den Kurs: Mit einem Jahresgewinn von umgerechnet rund 120 Milliarden Euro hat Google seinen Gewinn seit 2022 mehr als verdoppelt. Die Anzeigenklicks stiegen um sechs Prozent, die Kosten pro Klick um sieben Prozent. Die KI-Integration scheint das Kerngeschäft bisher nicht zu beeinträchtigen.

München und Berlin: Zwei Gerichte, zwei Meinungen

Während die Tech-Konzerne vorpreschen, ringen die Gerichte um die rechtliche Einordnung. Das Landgericht München erließ am 28. Mai eine einstweilige Verfügung gegen Google (Az. 26 O 869/26). Zwei Verlage hatten geklagt, nachdem die KI sie fälschlich mit betrügerischen Aktivitäten in Verbindung gebracht hatte. Das Gericht urteilte: KI-Übersichten sind eigene Inhalte des Unternehmens – der übliche Haftungsschutz für Suchmaschinen greift nicht.

Google legte am 12. Juni Berufung ein und argumentiert, die Fehler seien Einzelfälle gewesen.

Ganz anders das Landgericht Berlin: Es entschied im Juni, KI-Übersichten seien lediglich ein neues Format zur Zusammenfassung fremder Inhalte. Eine Markenrechtsklage wurde abgewiesen – Nutzer wüssten, dass die KI nur Informationen bündle und keinen entscheidenden Einfluss auf den Inhalt habe.

Genauigkeit unter der Lupe

Die Verlässlichkeit der neuen Suchformate bleibt fragil. Eine Studie des Analysehauses Oumi ergab: KI-generierte Übersichten sind zwar zu etwa 91 Prozent korrekt – aber rund elf Prozent der konkreten Behauptungen werden von den zitierten Quellen nicht gedeckt. Besonders brisant: Nur ein Prozent der Nutzer klickt überhaupt auf die Quellenlinks.

Für Verlage ist das ein Alarmzeichen. Ihnen droht der Verlust direkter Zugriffe – und damit von Werbeeinnahmen.

Anzeige: Rund 11 Prozent der KI-Behauptungen werden von Quellen nicht gedeckt – und nur ein Prozent der Nutzer klickt auf die Links. Für Unternehmen, die KI-generierte Inhalte einsetzen oder verantworten, wird die Haftungsfrage existenziell. Der Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Risiken minimieren und bis August 2026 compliant werden. KI-Haftungsrisiko jetzt prüfen

EU-Recht rückt näher

Der rechtliche Rahmen zeichnet sich ab. Am 2. August 2026 tritt der EU AI Act vollständig in Kraft, im Dezember folgt die EU-Produkthaftungsrichtlinie mit spezifischen Regelungen für KI-Systeme. Beide Gesetze dürften die Verantwortlichkeiten von Meta, Google & Co. für die Genauigkeit ihrer automatisierten Ausgaben deutlich präzisieren.

Bis dahin bleibt eine Frage offen: Wer haftet, wenn die KI irrt?

de | wissenschaft | 69557365 |