KI-Grenzen, Arbeitsmarkt

KI-Grenzen am Arbeitsmarkt: IAB warnt vor Fachkräftemangel-Illusion

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 08:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Enzo Weber sieht in KI ein Produktivitätswerkzeug, fordert gegen den Fachkräftemangel aber zusätzlich bessere Erwerbschancen und längere Beschäftigung.

IAB-Ökonom Weber: KI löst Deutschlands Fachkräftemangel nicht
Eine leere, moderne Industriehalle in Deutschland mit komplexen Maschinen bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Der Nürnberger Arbeitsmarktökonom Enzo Weber warnt vor der Annahme, dass der technologische Fortschritt die personellen Engpässe in der deutschen Wirtschaft ohne weiteres beheben kann.

In aktuellen Stellungnahmen Mitte September 2026 verdeutlichte der Experte des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass Künstliche Intelligenz (KI) zwar ein wichtiges Werkzeug zur Effizienzsteigerung darstelle, jedoch kein Allheilmittel gegen den fortschreitenden Fachkräftemangel sei.

Grenzen der Digitalisierung am Arbeitsmarkt

In einer Stellungnahme gegenüber der „Rheinischen Post“ sowie in weiteren Medienberichten erläuterte Weber, dass sich der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern nicht einfach wegdigitalisieren lasse. Zwar erkenne er das Potenzial der KI an, die Produktivität innerhalb von Unternehmen merklich zu erhöhen und dabei zu helfen, betriebliche Prozesse zu optimieren.

Dennoch betonte der Ökonom, dass diese technologische Unterstützung keinesfalls eine fundierte und vorausschauende Fachkräftepolitik ersetze. Die technologische Entwicklung müsse vielmehr als Ergänzung zu menschlicher Arbeit verstanden werden.

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Ein zentraler Punkt in Webers Analyse betrifft die Auswirkungen auf das Arbeitszeitvolumen. Der Experte widersprach der Theorie, wonach der Einzug von KI in die Arbeitswelt automatisch zu einer Verkürzung der individuellen Arbeitszeit oder zu einem Rückgang des insgesamt benötigten Arbeitsaufwands führe.

Den vorliegenden Berichten zufolge resultiere der Einsatz von KI nicht zwangsläufig in weniger Arbeit für den Einzelnen. Die Annahme, dass die Technologie die menschliche Arbeitskraft in einem Maße substituiere, das den Fachkräftemangel hinfällig mache, entspreche nicht der Realität.

Notwendigkeit struktureller Maßnahmen

Um den Herausforderungen des Arbeitsmarktes nachhaltig zu begegnen, sieht Weber die Politik und die Wirtschaft in der Pflicht, über rein technische Lösungen hinauszublicken. Er nannte mehrere konkrete Handlungsfelder, die für die Sicherung der personellen Basis in Deutschland entscheidend seien.

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Dazu zählen insbesondere verbesserte Erwerbschancen für Frauen sowie für zugewanderte Menschen. Hier gelte es, bestehende Hürden abzubauen und die Integration in den Arbeitsmarkt konsequent zu fördern.

Ein weiterer wichtiger Baustein in der Strategie gegen den Arbeitskräftemangel sei die längere Bindung älterer Beschäftigter an das Erwerbsleben. Es sei notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, um erfahrene Arbeitskräfte länger im Berufsleben zu halten.

Laut Weber kann nur eine Kombination aus technologischem Fortschritt und diesen klassischen arbeitsmarktpolitischen Instrumenten die Lücken füllen, die in vielen Branchen bereits spürbar sind. Die Digitalisierung allein werde nicht ausreichen, um die demografischen und strukturellen Defizite des deutschen Arbeitsmarktes auszugleichen.

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