KI-Governance: 71% der Admins berichten massive Mehrbelastung
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 02:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Implementierung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmensprozesse führt zu einer erheblichen Mehrbelastung in der Verwaltung und Überwachung dieser Systeme.
Wie aus einer Mitte August veröffentlichten Untersuchung von ShareGate hervorgeht, berichten 71 Prozent der Verantwortlichen für KI-Bereiche von einer gestiegenen Arbeitslast im Bereich der Governance, nachdem entsprechende KI-Anwendungen aktiviert wurden.
Diese Entwicklung hat weitreichende Konsequenzen für die strategische Planung, da 78 Prozent der KI-Leiter angeben, dass die Intensität der Governance-Aktivitäten ihr Vertrauen in künftige Investitionen in diesem Sektor maßgeblich beeinflusst.
Sicherheitsrisiken und unerwünschte Datenexposition
Trotz eines grundsätzlich hohen Vertrauens in bestehende Strukturen – 96 Prozent der Befragten vertrauen laut ShareGate auf die Governance-Funktionen von Microsoft 365 – treten in der Praxis deutliche Mängel auf.
Demnach erlebten 29 Prozent der Befragten eine unerwünschte Exposition sensibler Inhalte durch KI-Anwendungen. Dieser Befund deckt sich mit Daten von Kiteworks, wonach 80 Prozent der Organisationen in den vergangenen zwölf Monaten einen Sicherheits- oder KI-Vorfall verzeichneten.
Besonders kritisch wird die unbefugte Nutzung von KI-Tools bewertet. Kiteworks zufolge kam es bei 63 Prozent der Unternehmen zu einer nicht autorisierten Verwendung von KI im Zusammenhang mit sensiblen Daten. Insgesamt haben zwar 64 Prozent der Organisationen KI-Technologien eingeführt, jedoch berichteten fast zwei Drittel dieser Anwender von Vorfällen.
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Die finanziellen Risiken sind dabei beträchtlich: Analysen von IBM zeigen, dass KI-bezogene Angriffe bereits 25 Prozent der bösartigen Sicherheitsverstöße ausmachen. Ein solcher Vorfall verursacht demnach durchschnittlich Kosten in Höhe von 6 Millionen US-Dollar.
Projektverzögerungen durch Compliance-Hürden
Die Komplexität der Regulierung führt dazu, dass viele Unternehmen ihre KI-Ambitionen vorerst bremsen. Cloudera berichtet, dass 95 Prozent der Unternehmen weltweit KI-Projekte aufgrund von Governance- oder Compliance-Bedenken verzögert oder sogar abgesagt haben.
In Großbritannien liegt dieser Wert mit 98 Prozent sogar noch höher. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die Infrastruktur: 72 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihre aktuelle Datenarchitektur signifikant überarbeitet werden muss, um den Anforderungen von KI gerecht zu werden.
Zudem belasten steigende Kosten die Budgets. Laut Cloudera verzeichnen 84 Prozent der Organisationen erhöhte Infrastrukturkosten. Dies führt zu einer Trendumkehr bei der Cloud-Nutzung: 66 Prozent der Unternehmen haben KI-Workloads von der Public Cloud zurück in eigene Rechenzentren oder private Umgebungen verlagert. Rund 25 Prozent planen künftig eine Hybrid-First-Architektur, um die Kontrolle über die Daten-Governance zu behalten.
Mangelnde Datenqualität untergräbt das Vertrauen
Ein zentrales Hindernis für den produktiven Einsatz bleibt die Qualität der zugrunde liegenden Daten. Eine Untersuchung von Workiva verdeutlicht, dass 71 Prozent der Befragten moderate negative Auswirkungen durch Datenmängel erfahren.
Nur 11 Prozent der Führungskräfte sind der Ansicht, dass ihre Datenqualität die aktuellen KI-Anforderungen erfüllt. Dies hat Auswirkungen auf die externe Berichterstattung: 89 Prozent der institutionellen Investoren äußerten sich besorgt über die Genauigkeit von KI-generierten Offenlegungen.
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Zudem zeigt eine Analyse von VB Pulse, dass 68 Prozent der Unternehmen in den letzten sechs Monaten fehlerhafte KI-Antworten auf fehlenden Kontext zurückführten. Um dem entgegenzuwirken, bauen oder betreiben 63 Prozent der Unternehmen derzeit eine spezielle Kontextschicht für ihre Daten, wobei 79 Prozent darauf achten, sich nicht an einen einzelnen Anbieter zu binden.
Die Zukunft autonomer Agenten
Trotz der administrativen Hürden schreitet die Automatisierung voran. Caylent zufolge setzen bereits 59,5 Prozent der Unternehmen autonome KI-Agenten in der Produktion ein. Allerdings ist das Bewusstsein für Risiken gestiegen: 83 Prozent der Verantwortlichen bewerten Schutzmaßnahmen als ebenso wichtig oder sogar wichtiger als die Intelligenz des Modells selbst.
Marktforscher von Gartner prognostizieren jedoch eine Phase der Konsolidierung. Bis 2027 könnten demnach 40 Prozent der Unternehmen den Einsatz autonomer KI-Agenten aufgrund von Lücken in der Governance wieder zurückstufen.
Dennoch bleibt der Markt dynamisch: IDC erwartet bis zum Jahr 2029 mehr als eine Milliarde KI-Agenten weltweit, die täglich rund 217 Milliarden Aktionen ausführen könnten, was jährliche Token-Kosten von über 68 Milliarden US-Dollar verursachen würde.
Als Reaktion auf den steigenden Bedarf an Überwachung positionieren Anbieter wie Rimini Street neue Lösungen. Das Unternehmen kündigte mit "Rimini Govern for AI" einen Managed Service an, der einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb für die Governance von KI-Agenten gewährleisten soll. Auch ShareGate sieht in der kontinuierlichen Governance ein wachsendes Geschäftsmodell für Managed Service Provider.
