KI-Gigafactories, SAP

KI-Gigafactories: SAP und Telekom bauen europäische Cloud-Alternative

04.06.2026 - 06:31:43 | boerse-global.de

OECD korrigiert Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,7 Prozent. Steigende Energiepreise und geopolitische Risiken belasten die Konjunktur.

KI-Gigafactories: SAP und Telekom bauen europäische Cloud-Alternative - Bild: über boerse-global.de
KI-Gigafactories: SAP und Telekom bauen europäische Cloud-Alternative - Bild: über boerse-global.de

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognosen für Deutschland am 3. Juni 2026 nach unten korrigiert. Steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen belasten die Konjunktur nachhaltig.

Nur 0,7 Prozent Wachstum erwartet

Der aktuelle Ausblick der OECD sieht für 2026 ein Wirtschaftswachstum von lediglich 0,7 Prozent vor – ein deutlicher Rückschritt gegenüber den März-Prognosen. Für 2027 rechnen die Experten mit einem leichten Anziehen auf 1,1 Prozent. Hauptverantwortlich für die gedämpften Erwartungen ist der anhaltende Konflikt im Iran, der die Öl- und Gaspreise in die Höhe treibt.

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Die privaten Haushalte profitieren zwar von steigenden Löhnen, doch die allgemeine Teuerung und hohe Transportkosten bremsen die Erholung spürbar aus. Auch der Dienstleistungssektor gibt kein gutes Bild ab: Der HCOB Germany Services PMI lag im Mai bei 48,1 Punkten – der zweite Rückgang in Folge unter der kritischen Marke von 50 Punkten, die Wachstum von Schrumpfung trennt.

Deutsche Bank noch pessimistischer

Noch verhaltener zeigt sich die Deutsche Bank. Sie prognostiziert für das laufende Jahr lediglich 0,5 Prozent Wachstum, rechnet aber für 2027 mit einer kräftigeren Erholung auf 1,3 Prozent – getragen von einer expansiven Fiskalpolitik.

Die schwache Nachfrage und die hohen Energiekosten setzen auch dem Arbeitsmarkt zu. Bereits zum fünften Mal in Folge sank die Beschäftigung im Dienstleistungssektor. Ein Alarmzeichen für die gesamte Wirtschaft.

Digitale Wende: Europa will aufholen

Während die Industrie unter Druck steht, drängen deutsche Unternehmen auf mehr Tempo bei der Digitalisierung. Ein Konsortium aus SAP, Deutscher Telekom und der Schwarz-Gruppe kündigte am 2. Juni an, gemeinsam europäische KI-„Gigafactories“ aufbauen zu wollen. Geplant sind Großrechenzentren unter anderem in Berlin, Düsseldorf und Heilbronn. Ziel ist es, die Abhängigkeit von US-amerikanischen Cloud-Anbietern zu verringern.

Digitalminister Karsten Wildberger sprach sich auf der Konferenz TECH by Handelsblatt für ein europäisches KI-Spitzenmodell aus. „Solche Strukturen müssen sich irgendwann selbst tragen und von der Privatwirtschaft geführt werden“, so der Minister. Auch die Telekom-Spitze betonte die Notwendigkeit nationaler KI-Infrastruktur, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Mittelstand nutzt KI – aber investiert zu wenig

Eine Studie aus dem ersten Quartal 2026 zeigt: 44 Prozent der deutschen kleinen und mittleren Unternehmen setzen inzwischen künstliche Intelligenz ein – ein Anstieg um zwölf Prozentpunkte. Doch die Investitionsbereitschaft hinkt hinterher. 2025 flossen lediglich 0,35 Prozent des Umsatzes im Mittelstand in KI-Projekte.

Das größte Hindernis? Bürokratie. 55 Prozent der befragten Unternehmen nannten Verwaltungsaufwand als die größte Hürde für die Digitalisierung. Ein ernüchternder Befund für den Wirtschaftsstandort.

Kanzler Merz setzt auf Reformen

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Bundeskanzler Friedrich Merz rief beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum am 2. Juni zu mehr Optimismus und Reformbereitschaft auf. Geplant ist ein umfassendes Paket zur Renten- und Steuerreform, das noch vor der Sommerpause verabschiedet werden soll.

Merz verwies auf Ostdeutschland als aufstrebenden Hightech-Standort – insbesondere die Halbleitercluster in Sachsen mit Firmen wie Infineon und TSMC seien Belege für industrielles Potenzial.

Die OECD empfiehlt Deutschland, zusätzlich die Verwaltung zu entlasten und Planungsprozesse zu beschleunigen. Zwar steigen die öffentlichen Investitionen dank flexiblerer Schuldenregeln, doch die private Investitionstätigkeit leide weiter unter globaler Unsicherheit und dem Wettbewerb mit China.

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