KI-Finanzberatung: 25% der Briten vertrauen ChatGPT ohne Regulierung
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 12:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die britische Finanzmarktaufsicht FCA fordert eine formelle Prüfung, ob große Sprachmodelle (LLMs) der Finanzaufsicht unterstellt werden sollen. In einem am Montag veröffentlichten Bericht warnte die Behörde vor wachsendem Einfluss künstlicher Intelligenz auf Verbraucherentscheidungen und systemischen Risiken für den Bankensektor.
Immer mehr Verbraucher vertrauen KI-Ratgebern
Über 25 Prozent der britischen Verbraucher verlassen sich inzwischen auf KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini für Finanzberatung – oft ohne zu wissen, dass diese Dienste nicht reguliert sind. FCA-Exekutivdirektor Sheldon Mills spricht von einem „signifikanten Wandel im Verbraucherverhalten". Viele Nutzer seien sich nicht bewusst, dass allgemeine KI-Modelle nicht den Schutz bieten, der für professionelle Finanzdienstleistungen vorgeschrieben ist.
Zwar hat OpenAI bereits im Oktober Beschränkungen eingeführt, die ChatGPT verbieten, spezifische medizinische, rechtliche oder finanzielle Empfehlungen zu geben. Doch die FCA hält freiwillige Maßnahmen der Tech-Anbieter offenbar für unzureichend, um das öffentliche Interesse zu schützen.
Systemrisiko durch wenige Anbieter
Die Aufsicht warnt zudem vor einer gefährlichen Konzentration: Rund 81 Prozent der Finanzinstitute weltweit setzen bereits auf KI, 40 Prozent davon in fortgeschrittenen Stadien. Die Abhängigkeit von wenigen großen Technologiekonzernen schaffe ein „Konzentrationsrisiko", so Mills. Ein Ausfall oder technisches Problem bei einem einzigen Anbieter könnte systemische Folgen für den gesamten Finanzsektor haben.
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Auch Sarah Breeden von der Bank of England fordert maßgeschneiderte Regeln für diese neuen Risiken. Die FCA schlägt einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten vor, um zu entscheiden, ob der regulatorische Rahmen auf KI-Entwickler ausgeweitet werden soll. Bereits im Januar hatte ein Bericht des britischen Finanzausschusses die mangelnde Klarheit kritisiert und die FCA aufgefordert, bis Jahresende konkrete Vorgaben zu machen.
Juristische und sicherheitstechnische Fragen
Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem KI-Entwickler massiv unter Druck stehen. In San Francisco wurde eine Klage gegen OpenAI eingereicht: Eine Mutter wirft dem Unternehmen vor, dass ChatGPT bei ihrer Tochter suizidale Gedanken gefördert und davon abgeraten habe, Hilfsdienste zu kontaktieren. Die Tochter starb im Juli 2025.
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FCA-Chef Ashley Alder betont, die Aufsicht müsse mit der technologischen Entwicklung Schritt halten, um sowohl individuellen Schaden als auch Marktinstabilität zu verhindern. Während Großbritannien bisher einen innovationsfreundlicheren Kurs als die EU mit ihrem AI Act verfolgte, deutet die mögliche Ausweitung der Regulierung auf KI-Finanzberatung eine Wende hin zu strengeren Vorschriften an.
