KI-Falschinformationen: Brasilien verzeichnet 308-Prozent-Anstieg
25.05.2026 - 23:00:22 | boerse-global.deDie Partnerschaft mit Grupo Folha und Grupo UOL beendet zudem einen laufenden Rechtsstreit.
Neue Inhalte für ChatGPT
Nutzer des KI-Chatbots ChatGPT können ab sofort auf zusammengefasste Inhalte von Folha de S.Paulo und UOL zugreifen. Die Beiträge werden mit klaren Quellenangaben und direkten Links zu den Originalartikeln versehen. Weltweit nutzen rund 900 Millionen Menschen wöchentlich den Chatbot – allein in Brasilien sind es über 50 Millionen aktive Nutzer pro Monat, die täglich rund 140 Millionen Nachrichten austauschen.
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Für OpenAI ist dies der erste kommerzielle Content-Deal mit brasilianischen Medien. Das Unternehmen hatte bereits ähnliche Vereinbarungen mit internationalen Partnern wie der Financial Times, Le Monde, Time, Condé Nast und Axel Springer geschlossen.
Technologie für die Redaktionen
Im Gegenzug erhalten die beiden Medienkonzerne Zugang zu OpenAIs professionellen Werkzeugen. Dazu gehören ChatGPT Enterprise mit erweiterten Sicherheitsfunktionen, das Codex-System sowie verschiedene Programmierschnittstellen (APIs). Diese sollen den Häusern bei der digitalen Transformation helfen und die Entwicklung KI-gestützter redaktioneller Produkte ermöglichen.
Die Führungskräfte beider Unternehmen zeigten sich optimistisch. Sérgio Dávila und Carlos Ponce de Leon von Folha sowie Paulo Samia und Murilo Garavello von UOL betonten die Bedeutung verifizierter Nachrichten in KI-Interaktionen. Varun Shetty, Vizepräsident für Medienpartnerschaften bei OpenAI, erklärte, die Zusammenarbeit solle das Journalismus-Ökosystem stärken, indem Urheber bei KI-generierten Zusammenfassungen genannt werden.
Kampf gegen KI-Desinformation
Die Vereinbarung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Brasilien mit einer Flut synthetischer Medien kämpft. Das Observatório Lupa verzeichnete einen Anstieg KI-generierter Falschinformationen um 308 Prozent zwischen 2024 und 2025.
Während KI-bezogene Desinformation 2024 nur 4,6 Prozent der Faktenchecks ausmachte (39 Fälle), stieg der Anteil 2025 auf 25 Prozent (159 Fälle). Die Verbreitung verlagerte sich zudem: War WhatsApp 2024 noch für 90 Prozent der Diffusion verantwortlich, sank sein Anteil 2025 auf 46 Prozent. Stattdessen gewannen videobasierte Plattformen wie TikTok und Kwai an Bedeutung.
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Fast 45 Prozent der KI-Inhalte trugen 2025 eine spezifische ideologische Färbung – ein Anstieg von 33 Prozent im Vorjahr. Politische Persönlichkeiten waren die Hauptziele: Präsident Lula tauchte in 36 Fällen auf, Ex-Präsident Bolsonaro in 33 und Verfassungsrichter Alexandre de Moraes in 30 Fällen. Über 75 Prozent der KI-Desinformation nutzt Stimmen und Bilder bekannter Persönlichkeiten.
OpenAI auf Kurs zum Börsengang
Die Brasilien-Partnerschaft ist Teil einer größeren Strategie. Erst vor einer Woche wies ein Bundesgericht in Oakland, Kalifornien, eine Klage von Elon Musk gegen OpenAI ab – die Verjährungsfrist war abgelaufen.
Bereits im Oktober 2025 hatte OpenAI seine interne Struktur neu geordnet. Die frühere Non-Profit-Organisation wurde zur OpenAI Foundation, die 26 Prozent der Anteile hält. Der gewinnorientierte Bereich firmiert nun als OpenAI Group PBC, eine öffentliche Wohlfahrtsgesellschaft. Microsoft bleibt mit 27 Prozent Hauptaktionär, die restlichen 47 Prozent halten Mitarbeiter und andere Investoren.
Diese Veränderungen und die Beilegung regionaler Rechtsstreitigkeiten ebnen den Weg für einen geplanten Börsengang Ende 2026. Branchenbeobachter erwarten eine Bewertung von bis zu einer Billion Euro.
Ausblick
Der Deal mit Grupo Folha und Grupo UOL könnte als Blaupause für weitere lateinamerikanische Medienhäuser dienen. In den kommenden Monaten wird die Integration genau beobachtet werden – insbesondere ihre Auswirkungen auf die Verbreitung von Desinformation.
Für die brasilianische Medienlandschaft markiert 2026 einen Wendepunkt: KI-Tools sind nicht länger nur Gegenstand der Berichterstattung, sondern werden zum fundamentalen Bestandteil der Nachrichteninfrastruktur. Ob das Modell der Quellenangaben tatsächlich den Wertverlust für Originaljournalismus ausgleicht, wird sich zeigen – entscheidend ist, ob Nutzer von der KI-Zusammenfassung zum vollständigen Artikel auf den Verlagsseiten wechseln.
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