KI-Diagnostik: MIRA und AMIE überflügeln Ärzte um 10 Prozent
19.06.2026 - 16:37:47 | boerse-global.de
Gleich mehrere bahnbrechende Entwicklungen zeigen, dass spezialisierte KI-Modelle mittlerweile menschliche Ärzte in klinischen Tests übertreffen.
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Midjourney Medical: Ganzkörperscan in 60 Sekunden
Das KI-Unternehmen Midjourney wagt den Sprung in die Medizinbranche. Die neue Tochtergesellschaft Midjourney Medical will einen Hochgeschwindigkeits-Ultraschallscanner auf den Markt bringen, der den gesamten Körper in einer Minute mit einer Auflösung von 0,5 Millimetern erfassen kann.
Für die Umsetzung hat Midjourney einen Fünfjahresvertrag mit Butterfly Network über rund 68 Millionen Euro abgeschlossen. Pro Scanner kommen 40 Ultraschallmodule des Partners zum Einsatz. Die Premiere ist für Ende 2027 in einer „Spa-ähnlichen" Einrichtung in San Francisco geplant. Das ambitionierte Ziel: Bis 2031 sollen 50.000 solcher Geräte weltweit im Einsatz sein.
Allerdings wird die Technologie zunächst nur Körperkarten erstellen – keine medizinischen Diagnosen. Eine FDA-Zulassung für den klinischen Einsatz ist zwar geplant, aber noch Zukunftsmusik. Mediziner warnen bereits vor möglichen Risiken: Falsch-positive Befunde und die fehlende Vergleichbarkeit mit MRT-Scans seien kritische Punkte.
KI überflügelt Ärzte in Studien
Am 18. Juni veröffentlichte das Fachjournal Nature beeindruckende Daten: Das KI-System MIRA erreichte eine Diagnosegenauigkeit von 87,8 Prozent – deutlich mehr als die 78,1 Prozent menschlicher Ärzte. Auch Googles AMIE (Articulate Medical Intelligence Explorer) schnitt in Mehrfachuntersuchungen besser ab als Mediziner, sowohl bei der Präzision als auch bei der Einhaltung klinischer Leitlinien.
Das Niederländische Krebsinstitut entwickelte mit ARTIMES ein Modell zur Messung von Mesotheliom-Tumoren. In einer Studie mit 2.080 Patienten aus 121 Krankenhäusern erkannte die KI Krankheitsfortschritte fünf Wochen früher als herkömmliche Methoden. Die Übereinstimmung mit den Überlebensraten lag bei beeindruckenden 88 Prozent.
Auch in der Genetik gibt es Erfolge: Das Boston Children's Hospital nutzte OpenAIs o3-Modell, um die Genome von 376 undiagnostizierten Patienten zu analysieren. Das Ergebnis: 18 Kinder mit seltenen Erkrankungen – darunter neurologische Entwicklungsstörungen und neuromuskuläre Leiden – erhielten endlich eine Diagnose. Das entspricht einer Trefferquote von fast fünf Prozent.
Großprojekte für die Fläche
Die öffentlichen Gesundheitssysteme ziehen nach. Am 19. Juni startete der britische NHS West Midlands die „Converged Digital Imaging Platform" – das größte derartige Projekt in Europa. Es versorgt 6,6 Millionen Patienten aus 15 Krankenhausträgern mit einer einheitlichen Bilddatenbank. Ziel: Früherkennung von Krebs und Herzkrankheiten durch nahtlose KI-Integration.
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In der Chirurgie überzeugte das AURA 10 PET-CT-System aus der XEOS BrIMA-Studie, veröffentlicht im JAMA Surgery am 18. Juni. Bei brusterhaltenden Operationen erkannte das System positive Resektionsränder in 95,2 Prozent der Fälle – ohne KI lag die Rate bei 83,3 Prozent.
Grenzen der Technologie: Der Mensch bleibt unverzichtbar
Trotz aller Fortschritte: Die Forschung betont weiterhin die Notwendigkeit menschlicher Kontrolle. Eine Studie des Moskauer Zentrums für Diagnostik und Telemedizin mit 3.400 CT-Scans aus 67 Krankenhäusern zeigte: Radiologen sind bei der Vermeidung von Falsch-Positiven der KI noch immer überlegen. Das Fazit der Forscher: KI entfaltet ihr volles Potenzial als „zweiter Leser" – nicht als vollautonomes Diagnosewerkzeug.
Einen völlig neuen Ansatz verfolgen Forscher am Paul Scherrer Institut (PSI). Mit VISTACT haben sie eine Methode zur 3D-Virtualfärbung von Gewebeproben entwickelt. Sie nutzt Phasenkontrast-Mikro-CT und generative neuronale Netze. Das Verfahren ermöglicht zerstörungsfreie 3D-Gewebeaufnahmen – ist aber laut den Forschern noch nicht für den klinischen Alltag geeignet. Der Grund: Die enormen Datenmengen und die Abhängigkeit von einer Synchrotron-Lichtquelle.
