KI-Code-Boom: 97 Prozent der Unternehmen nutzen KI-Coding-Tools
18.06.2026 - 09:21:38 | boerse-global.de
Produktivität steigt, Sicherheitsrisiken wachsen: Generative KI und agentische Systeme verändern die Softwareentwicklung rasant. Eine aktuelle Studie des IT-Dienstleisters adesso beziffert die durchschnittliche Produktivitätssteigerung durch GenAI auf 21 Prozent. 500 Führungskräfte in Deutschland wurden dafür befragt.
Bereits 59 Prozent der Unternehmen setzen agentische Systeme ein. Diese erledigen Aufgaben eigenständig – weit über einfache Textvorschläge hinaus.
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Die Kluft zwischen KI-Pionieren und Nachzüglern
Die Erhebung zeigt ein deutliches Gefälle: Rund ein Drittel der Unternehmen mit geringem KI-Reifegrad verzeichnet bisher keine messbaren Erträge. Ganz anders sieht es bei strukturiert aufgestellten Organisationen aus: 93 Prozent von ihnen erzielen positive Ergebnisse.
Die größten Hindernisse? Compliance- und Sicherheitsbedenken (38 Prozent), fehlende Fachkenntnisse (34 Prozent) und mangelnde Akzeptanz in der Belegschaft (25 Prozent). Besonders brisant: Knapp die Hälfte der Unternehmen (49 Prozent) hat noch keine verbindlichen KI-Richtlinien festgelegt.
Sicherheitsrisiken durch KI-generierten Code
Die steigende Nutzung hat eine KEhrseite. Laut einer Studie von Cycode nutzen bereits 97 Prozent der Unternehmen KI-gestützte Coding-Tools. Die Folge: 65 Prozent der Organisationen berichten von einem Anstieg des Gesamtrisikos seit der Einführung.
Klassische Sicherheitsaudits stoßen an ihre Grenzen. Die Kombination aus Microservices, automatisierten Pipelines und KI-Abhängigkeiten wird für herkömmliche Verfahren kaum noch abbildbar.
Die Zahlen von Checkmarx untermauern das: 49 Prozent des weltweit produzierten Codes ist bereits KI-generiert – und gilt als weniger sicher. Der Sicherheitsanbieter stellte Mitte Juni eine neue hybride Analyse-Engine vor. Ihr F1-Score von 0,64 liegt deutlich über dem Branchendurchschnitt von 0,20. Ziel ist es, die Fehlerquote um 60 Prozent zu senken.
Von Assistenz zu echter Autonomie
Der Markt für KI-Werkzeuge differenziert sich rasant aus. OpenAI hat Mitte Juni die Übernahme des Cloud-Startups Ona (ehemals Gitpod) abgeschlossen. Ziel: die Kapazitäten der Codex-Agenten erweitern. Diese können komplexe Entwicklungsaufträge über Stunden unbeaufsichtigt in Cloud-Umgebungen ausführen. Die Nutzerzahlen des Codex-Systems stiegen zuletzt auf über 5 Millionen wöchentlich aktive Anwender.
Auch Microsoft zog nach: Der Konzern gab das System Copilot Cowork für Unternehmenskunden frei. Der autonome Agent arbeitet mehrstufige Aufgaben in der Microsoft-365-Umgebung selbstständig ab. Die Abrechnung erfolgt verbrauchsorientiert via Credits. Microsoft verspricht Kosten pro Anfrage deutlich unter denen der Konkurrenz. Nutzer können zwischen verschiedenen Modellen wählen – darunter GPT-5.5 sowie Versionen der Anthropic-Modelle Opus 4.8 und Sonnet 4.6.
Im Open-Source-Bereich setzen GLM-5.2 und GLM-5V-Turbo neue Benchmarks. GLM-5.2 erreicht in Coding-Tests eine Erfolgsquote von 74,4 Prozent – knapp hinter führenden proprietären Modellen. Eine neue Architektur namens IndexShare soll die Rechenkosten bei großen Kontextfenstern um fast das Dreifache senken.
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Neue Anforderungen an Entwickler
Die Automatisierung verändert Personalstrategien und Anforderungsprofile grundlegend. Laut der adesso-Studie stellt fast jedes dritte Unternehmen derzeit weniger Junioren ein. Die Rolle des Software-Entwicklers verschiebt sich weg von der reinen Code-Erstellung hin zu übergeordneten Aufgaben.
48 Prozent der Führungskräfte erwarten, dass Architektur-Design und Code-Reviews künftig im Zentrum stehen. Prompt Engineering etabliert sich bei 38 Prozent der Unternehmen als neue Kernkompetenz. Branchenprognosen gehen davon aus, dass bis Ende 2026 rund 40 Prozent aller Unternehmensanwendungen integrierte KI-Agenten enthalten werden. Der Druck auf die Belegschaft zur kontinuierlichen Weiterbildung steigt damit weiter.
