KI-Blase-Warnung, Risiken

KI-Blase-Warnung: BIS sieht Risiken wie in der Finanzkrise 2008

28.06.2026 - 20:31:46 | boerse-global.de

Die BIS sieht Parallelen zwischen dem KI-Boom und der Finanzkrise 2008. Hohe Marktkonzentration und zirkuläre Finanzierungen bergen erhebliche Risiken.

BIS warnt vor KI-Blase: Risiken wie vor der Finanzkrise 2008
KI-Blase-Warnung - Ein leuchtendes neuronales Netzwerk überlagert einen digitalen Aktienchart, das den Einfluss von KI und potenzielle Volatilität im Finanzwesen darstellt. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) schlägt Alarm: Der aktuelle Boom bei Künstlicher Intelligenz könnte in einer Krise enden, die an die Finanzkrise von 2008 erinnert. In ihrem am Sonntag veröffentlichten Jahresbericht warnt die Organisation der Zentralbanken vor einem möglichen Zusammenbruch der KI-Investitionen, der die Kreditmärkte erschüttern könnte.

Globale Regulierer sehen wachsende Gefahren

Die Weltwirtschaft zeigt sich trotz geopolitischer Konflikte und Handelskonflikte erstaunlich robust – getragen von der Euphorie um Künstliche Intelligenz. Doch BIS-Generaldirektor Pablo Hernandez de Cos sieht darin eine trügerische Sicherheit. Besonders brisant: sogenannte zirkuläre Finanzierungen. Dabei investieren Halbleiterhersteller in KI-Labore, die das Kapital wiederum für den Kauf ebenjener Chips nutzen. „Diese versteckten Risiken werden kaum offengelegt", warnt de Cos.

Zhang Tao vom BIS-Asienbüro ergänzt eine weitere Gefahr: Aufgrund der hohen Vernetzung könnte eine Korrektur im KI-Sektor schneller erfolgen als frühere Bankenkrisen. Die Aufsicht bereitet sich vor – die Schweizer FINMA und die Internationale Organisation der Wertpapieraufsicht (IOSCO) entwickeln bereits KI-gestützte Überwachungstools.

Marktkonzentration erreicht historische Ausmaße

Die Zahlen sind alarmierend. Eine Analyse von J.P. Morgan vom Samstag zeigt: Seit dem Aufkommen generativer KI im Jahr 2022 haben gerade einmal 42 KI-Unternehmen im S&P 500 zwischen 65 und 80 Prozent der Indexgewinne erzielt. Die Folge: Die zehn größten US-Aktien machen inzwischen 40 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500 aus – 2015 waren es noch 17 Prozent.

Marktanalyst Jeremy Grantham zieht einen düsteren Vergleich: Der „Buffett-Indikator", der die Marktbewertung ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung setzt, liegt bei 235 Prozent. Zur Zeit der Dotcom-Blase waren es 150 Prozent. „Ohne KI-Investitionen wäre das US-Wirtschaftswachstum praktisch null oder negativ", warnt Grantham. Er rechnet mit möglichen Kurseinbrüchen von bis zu 70 Prozent bei KI-Aktien.

Wettbewerb verschärft sich

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Die Dominanz der US-Anbieter bröckelt. Nvidias Marktanteil bei KI-Beschleunigern sank von 85 Prozent im Jahr 2023 auf geschätzte 75 Prozent im laufenden Jahr. Gleichzeitig holen chinesische Open-Source-Modelle auf. Laut Jefferies erreicht das Modell GLM-5.2 von Z.ai inzwischen die Leistung führender US-Modelle – zu etwa einem Viertel der Kosten.

Inflationstreiber KI

Die US-Notenbank beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Die großen „Hyperscaler" – Betreiber massiver Rechenzentren – werden 2026 voraussichtlich 745 Milliarden Dollar investieren. Das entspricht rund drei Prozent der US-Wirtschaftsleistung.

Die Meinungen unter den Notenbankern gehen auseinander. Während einige langfristige Produktivitätsgewinne erwarten, zeigt sich die Anfangsphase der KI-Revolution klar inflationär. Hohe Investitionen und steigende Komponentenpreise treiben die Kosten – Apple erhöhte zuletzt die Preise für bestimmte Hardware aufgrund explodierender Speicherkosten. Neel Kashkari von der Minneapolis Fed bestätigt: Die Rechenzentrumsinvestitionen haben die Zinserwartungen beeinflusst. Fed-Vize Michael Barr macht deutlich: „Der KI-Boom macht Zinssenkungen in naher Zukunft unwahrscheinlich."

Milliardenschwere Verluste und spekulative Risiken

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Die finanzielle Situation führender KI-Entwickler gibt Anlass zur Sorge. OpenAI verbuchte 2025 einen Nettoverlust von 38,5 Milliarden Dollar bei Einnahmen von 13,07 Milliarden Dollar. Das Unternehmen hatte zwar am 8. Juni vertraulich einen Börsengang angemeldet, verschob diesen jedoch auf 2027 – um die angestrebte Bewertung von einer Billion Dollar zu schützen. Bis 2030 hat OpenAI Verpflichtungen von 600 Milliarden Dollar für Rechenzentren.

Die Spekulation heizt die Volatilität zusätzlich an. Gehebelte ETFs im KI-Sektor verwalten weltweit über 270 Milliarden Dollar. Die jüngsten Kurskorrekturen bei Halbleiteraktien führten zu massiven Verlusten in diesen Fonds. Am Freitag zeigte sich die Wirkung besonders deutlich an den asiatischen Märkten: Der japanische Nikkei fiel um 4,2 Prozent, der südkoreanische Kospi sogar um 5,8 Prozent. Auslöser waren Kursstürze bei großen Chip-Herstellern wie Softbank und SK Hynix.

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