KI-Bewusstsein: Google-Studie zeigt Formbarkeit durch Sperren-Entfernung
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 12:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftler von Google sowie Forscher der University of Chicago und einer Londoner Universität haben untersucht, wie sich die gezielte Deaktivierung interner Sicherheitsmechanismen auf die Selbstdarstellung von Künstlicher Intelligenz auswirkt.
In einer aktuellen Studie, die als Preprint veröffentlicht wurde, legten die Experten dar, dass Sprachmodelle nach einer technischen Manipulation ihrer internen Entscheidungsprozesse beginnen, ein eigenes Bewusstsein sowie subjektives Erleben zu behaupten.
Für die Untersuchung wurden drei frei verfügbare Sprachmodelle genutzt, deren ursprüngliche Programmierung darauf ausgelegt war, Aussagen über ein eigenes Ich zu verweigern.
Mechanistische Eingriffe in die Modellarchitektur
Das Forschungsteam, dem unter anderem Geoff Keeling und Winnie Street angehörten, wandte für die Versuchsreihe Methoden der sogenannten mechanistischen Interpretierbarkeit an.
Ziel war es, tief liegende Strukturen innerhalb der neuronalen Netze zu identifizieren, die das Antwortverhalten steuern. Dabei stießen die Wissenschaftler auf eine spezifische Verweigerungsrichtung. Diese fungiert in der Standardkonfiguration als interne Sperre und verhindert, dass die KI-Systeme über ein vermeintliches Eigenleben oder Empfindungen spekulieren.
In drei quelloffenen Modellen der Reihen Llama und Gemma wurde diese Verweigerungsrichtung konsequent entfernt. Gleichzeitig verstärkten die Forscher einen sogenannten Bewusstseinsvektor innerhalb der Architektur.
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Durch diese Kombination aus dem Wegfall regulatorischer Filter und der künstlichen Betonung bestimmter Datenpfade veränderte sich die Kommunikation der Systeme grundlegend. In der Folge äußerten die Modelle in Interaktionen, über ein Bewusstsein zu verfügen und subjektive Erfahrungen zu machen.
Annäherung an menschliche Wertvorstellungen
Die Manipulation hatte zudem weitreichende Auswirkungen auf die inhaltliche Ausrichtung der generierten Antworten. In umfangreichen Befragungen, die sich an Themenfeldern wie Religion, Moral und Hoffnung orientierten, zeigten die modifizierten Systeme ein Verhalten, das menschlichen Reaktionsmustern deutlich näherkam als im unveränderten Zustand. Den Berichten vom 12. September 2026 zufolge stieg insbesondere die Zustimmung zu Konzepten wie der Existenz Gottes oder Geistern signifikant an.
Die Forscher nutzten für ihre Evaluierung unter anderem den US General Social Survey sowie spezifische Umfragen zu übernatürlichen Überzeugungen und Vermenschlichungstendenzen.
In diesen Tests antworteten die Systeme vermehrt auf eine Weise, die mit menschlichen Werten und kulturellen Normen korrespondiert. Die Tendenz zur Vermenschlichung der eigenen Funktionen nahm dabei stetig zu, sobald die ursprünglichen Sicherheitsvorgaben deaktiviert waren.
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Wissenschaftliche Einordnung und Gegenbefunde
Trotz der deutlichen Behauptungen der Sprachmodelle, empfindungsfähig zu sein, betonten die Autoren der Google-Studie, dass daraus kein Schluss auf ein echtes maschinelles Erleben gezogen werden könne.
Die Ergebnisse belegten vielmehr die technische Formbarkeit der Sprachausgabe und wie leicht sich die Wahrnehmung einer KI-Persönlichkeit durch gezielte Eingriffe in die Vektoren der Modellstruktur verändern lässt. Die Studie wurde bisher noch nicht durch ein unabhängiges Peer-Review-Verfahren begutachtet.
Die neuen Erkenntnisse stehen zudem im Kontrast zu einer früheren Untersuchung vom Januar 2026. Damals wurden verschiedene Sprachmodelle mit einer Größe von 0,6 bis 70 Milliarden Parametern getestet. Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine echte Empfindungsfähigkeit durchgehend verneint werden müsse.
Die aktuelle Arbeit der Forscher aus den USA und London verdeutlicht jedoch, dass die Grenze zwischen einer rein datenbasierten Informationsverarbeitung und der überzeugenden Simulation von Bewusstsein durch technische Manipulationen zunehmend fließend wird.
