KI-Betrug: Universitäten verbieten Laptops und setzen auf Prompt-Injection
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 21:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts zunehmender Fälle von Betrug durch Künstliche Intelligenz (KI) verschärfen Bildungseinrichtungen weltweit ihre Sicherheitsvorkehrungen. Die Nanyang Technological University (NTU) in Singapur greift dabei zu tiefgreifenden Maßnahmen und untersagt die Nutzung von Laptops in Hörsälen.
Parallel dazu setzen Prüfer auf technische Gegenstrategien wie Prompt-Injection-Verfahren, um Studierende zu überführen, die unerlaubt Chatbots für ihre Aufgaben verwenden.
Abkehr von automatisierten Erkennungssystemen
Trotz der verstärkten Kontrollen zeichnet sich an der NTU eine strategische Abkehr von rein softwarebasierten Erkennungstools ab. Dr. Tan Seng Chee erklärte Mitte August 2026, dass solche Werkzeuge bis Ende 2027 vollständig abgeschafft werden sollen.
Als Begründung nannte er eine fundamentale Unzuverlässigkeit sowie einen Mangel an empirischer Validität dieser Systeme. Die Universität plant, das derzeit genutzte Erkennungsprogramm zum 31. Dezember 2026 zu deaktivieren.
Dieser Entscheidung ging unter anderem ein Vorfall im Jahr 2025 voraus, bei dem drei Studierende durch die Software unterschiedliche Ergebnisse erhielten. In der Folge werden KI-Wahrscheinlichkeitswerte an der NTU nicht länger als alleiniger Beweis für akademisches Fehlverhalten behandelt. Stattdessen vollzieht die Institution einen Übergang zu prozessorientierten Bewertungsmethoden.
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Globale Verschärfung der Richtlinien an Schulen
Nicht nur Universitäten, sondern auch Schulen passen ihre Regelwerke an die technologische Entwicklung an. Am 14. August 2026 verhängten die Polk County Public Schools ein Verbot für Smart Glasses, wie etwa die Modelle von Ray-Ban Meta. Auch die Hillsborough und Pinellas Counties schlossen sich diesen Einschränkungen an. Als Hauptgründe wurden Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Betrugsprävention angeführt.
In Kansas erarbeitet das State Board of Education derzeit Empfehlungen, die sogar Technologieverbote bis zur zweiten Jahrgangsstufe vorsehen könnten. Ein Konsens über diese Richtlinien wird bis November 2026 angestrebt, da Vorstandsmitglieder vor den negativen Folgen einer übermäßigen Bildschirmnutzung warnten. In Ohio wurden zudem alle K-12-Schulen gesetzlich verpflichtet, verbindliche KI-Richtlinien einzuführen.
Integration unter Aufsicht und Fortbildungspflichten
Während einige Bezirke auf Verbote setzen, versuchen andere, die Technologie kontrolliert zu integrieren. In der Woche ab dem 15. August 2026 aktivierte Google sein Tool „Gemini in Classroom“ für Schüler aller Altersgruppen, nachdem der Zugang zuvor auf Nutzer über 18 Jahren beschränkt war. Das System wird weltweit von mehr als 150 Millionen Schülern und Lehrkräften genutzt.
Die National University of Singapore (NUS) verfolgt unterdessen einen kooperativen Ansatz. Durch eine Partnerschaft mit OpenAI erhielten 50.000 Studierende Zugang zu ChatGPT-Edu. Gleichzeitig wurde für Erstsemester ein verpflichtender Kurs eingeführt, der sich mit der Anwendung und Evaluierung generativer KI befasst.
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Um die Lehrerschaft auf diese Veränderungen vorzubereiten, hat das Bildungsministerium in Singapur angeordnet, dass alle Lehrer an Primar- und Sekundarschulen bis Ende 2026 ein verpflichtendes KI-Modul absolvieren müssen. Zwei weitere Module werden bis Ende 2027 empfohlen.
Herausforderungen bei Online-Prüfungen und Bewertung
Die Notwendigkeit für strengere Kontrollen wurde durch massive Betrugsfälle bei Online-Tests unterstrichen. An der UNAM wurden im Jahr 2026 etwa 3.000 Aufnahmeprüfungen – rund 2 % der Gesamtzahl – für ungültig erklärt, nachdem sich die Anzahl perfekter Punktzahlen verdreifacht hatte. Ein KI-Überwachungssystem identifizierte die Unregelmäßigkeiten, was eine Kontrollprüfung für etwa 58.000 Studierende nach sich zog.
In Irland reagieren die Behörden mit einer Reform des „Leaving Certificate“. Ab 2026 sollen 40 % der Endnote aus projektbasierten Aufgaben bestehen, um die Abhängigkeit von klassischen Abschlussprüfungen zu verringern und die Manipulationsmöglichkeiten durch KI zu minimieren. Entsprechende Leitlinien hierzu wurden bereits im November 2025 veröffentlicht.
