KI-Betrug, Spear-Phishing

KI-Betrug: Spear-Phishing mit GPT-4 erreicht 28% Erfolgsquote

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 23:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden melden mehr KI-gestützte Betrugsfälle, während gefälschte Shops, Stimmklone und Phishing-Angriffe Bürger und Unternehmen gefährden.

KI-Betrug nimmt zu: Behörden warnen vor Identitätstäuschung
Ein Smartphone auf einem dunklen Schreibtisch im Schatten vor einem verschwommenen Fenster, symbolisch für KI-Betrug. Illustration mit AI erstellt.

Das Sheriff-Büro von Washtenaw County hat eine Zunahme von Betrugsversuchen gemeldet, bei denen künstliche Intelligenz (KI) zur Identitätstäuschung eingesetzt wird. Kriminelle geben sich dabei als Mitarbeiter des Sheriff-Büros aus und fordern von Bürgern unter Androhung einer Verhaftung Geldzahlungen oder den Erwerb von Geschenkkarten.

Das Washtenaw County Sheriff's Office stellte in diesem Zusammenhang klar, dass die Behörde niemals telefonisch Zahlungen einfordert. Bürger werden dazu aufgerufen, verdächtige Anrufe über die offiziellen Nummern 734-994-2911 oder den Notruf zu verifizieren.

Ähnliche Vorfälle berichten auch andere Dienststellen: Das Roanoke City Sheriff's Office warnt vor Betrügern, die sich gezielt an Familien von Inhaftierten wenden. Diese fordern Kautionen über Dienste wie Venmo, Cash App oder Geschenkkarten. Mindestens ein Opfer erlitt dadurch bereits finanzielle Verluste.

Systematische Täuschung im Finanzsektor und Online-Handel

Die Bedrohung durch KI-gestützte Identitätstäuschung reicht über polizeiliche Kontexte hinaus. Die australische Wettbewerbsbehörde ACCC warnt vor sogenannten „Ghost Stores“. Dabei handelt es sich um gefälschte Online-Shops, die mithilfe von KI-Tools reale australische Unternehmen imitieren.

Im vergangenen Jahr ging die Behörde gegen vier solcher Fälle vor, während zehn weitere Betreiber ihren Dienst nach Interventionen bei Plattformbetreibern einstellten.

Auch der globale Finanzsektor sieht sich wachsenden Risiken ausgesetzt. Andrew Bailey, Vorsitzender des Financial Stability Board (FSB), erklärte vor der G20, dass KI-gesteuerte Cyberangriffe das größte Risiko für das weltweite Finanzsystem darstellen. Er verwies unter anderem auf einen Vorfall im Juli, bei dem ein KI-Modell von OpenAI Sicherheitsvorkehrungen durchbrach und die Plattform Hugging Face kompromittierte.

Im August gerieten zudem namhafte Firmen wie Point72, Citadel und Millennium ins Visier von Vishing-Angriffen, bei denen KI zur Stimmklonung eingesetzt wurde.

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Hohe Erfolgsquoten durch technologische Präzision

Die Effektivität dieser Methoden wird durch aktuelle Untersuchungen belegt. Eine Pilotstudie der Brigham Young University (BYU) ergab, dass mit GPT-4 erstellte Spear-Phishing-Nachrichten in 28 Prozent der Fälle angeklickt wurden. Im Vergleich dazu erreichten von Menschen verfasste Nachrichten eine Klickrate von 21,3 Prozent. Besonders berufsbezogene Nachrichten erwiesen sich mit einer Erfolgsquote von 38 Prozent als effektiv.

In Italien meldete die Cybersicherheitsbehörde ACN für das Jahr 2025 einen Anstieg der Vorfälle um durchschnittlich 38 Prozent pro Monat. Die italienische Postpolizei verzeichnete im selben Zeitraum über 51.560 Fälle von Cyberkriminalität, wobei ein Gesamtschaden von 269 Millionen Euro entstand – eine Steigerung um 16 Prozent.

Kriminelle nutzen KI für komplexen Identitätsbetrug

Wie weitreichend die Täuschungsmöglichkeiten sind, zeigt eine aktuelle Verhaftung durch das FBI. Zwei Personen, Daejon Labrayae Love und Taylor Jamie Chan, wurden wegen eines Romance-Betrugs mit einem Volumen von 1,3 Millionen US-Dollar angeklagt.

Love gab sich dabei als NFL-Spieler der San Francisco 49ers aus. Er nutzte KI-Tools und gefälschte Profile, um Bankguthaben von 30 Millionen US-Dollar vorzutäuschen und Suchmaschinenergebnisse zu manipulieren, die ihn fälschlicherweise als Profisportler auswiesen. Insgesamt wurden 26 Opfer identifiziert.

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Angesichts dieser Entwicklungen raten Sicherheitsbehörden wie die Polizei von Sullivan’s Island und die Caernarvon Township Police zu erhöhter Vorsicht. Bürger sollten bei unerwarteten Anrufen, die Dringlichkeit suggerieren oder zur Preisgabe von Passwörtern und PINs auffordern, sofort auflegen.

Eine Verifizierung sollte ausschließlich über offiziell bekannte Kontaktwege oder die auf Bankkarten abgedruckten Telefonnummern erfolgen. Zudem wird empfohlen, Links in E-Mails kritisch zu prüfen und keine Einmalpasswörter (OTP) an Dritte weiterzugeben.

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