KI-Betrug, Klickraten

KI-Betrug: Klickraten von 54 Prozent – vier Mal höher als normal

23.06.2026 - 06:07:38 | boerse-global.de

Politik fordert nationalen Aktionsplan gegen KI-Betrug. Schäden durch Cybercrime erreichen Rekordhöhe von 202,4 Milliarden Euro.

Cyberkriminalität in Deutschland: Schäden über 200 Milliarden Euro
KI-Betrug - Eine Person in einem Kapuzenpullover tippt auf einem Laptop, umgeben von digitalen Datenströmen, die Cyberkriminalität symbolisieren. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Verbraucherschutzminister fordern jetzt einen nationalen Aktionsplan gegen die Flut von Fake-Shops und KI-gestützten Betrugsmaschen.

Politik schlägt Alarm

Auf einer Konferenz in Potsdam haben die Verbraucherschutzminister der Länder einen nationalen Aktionsplan gegen betrügerische Online-Angebote gefordert. Der Hintergrund: Laut einer Schufa-Erhebung aus dem Frühjahr 2025 sind bereits 24 Prozent der Deutschen Opfer von Online-Betrug geworden. In 61 Prozent dieser Fälle entstand ein direkter finanzieller Schaden.

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Allein bei den Verbraucherzentralen gingen im vergangenen Jahr rund 10.000 Beschwerden über Fake-Shops ein. Das Bundeskriminalamt warnt vor dem Einsatz künstlicher Intelligenz, die das Erstellen täuschend echter Shop-Seiten massiv vereinfacht. Der Branchenverband Bitkom beziffert die Gesamtschäden durch Cybercrime mittlerweile auf 202,4 Milliarden Euro – ein Anstieg von 13 Prozent.

KI macht Phishing effektiver

Die Bedrohungslage hat sich durch generative KI grundlegend verändert. Eine aktuelle Anhörung im US-Kongress offenbarte das Ausmaß: Innerhalb eines Jahres stiegen KI-gestützte Betrugsfälle um 500 Prozent. Laut Analysen von KnowBe4 nutzen inzwischen 86 Prozent aller Phishing-Angriffe künstliche Intelligenz.

Die Erfolgsquoten sind alarmierend. Während herkömmliche Phishing-Kampagnen Klickraten von etwa 12 Prozent erzielen, erreichen KI-generierte Nachrichten 54 Prozent. Sicherheitsforscher identifizierten zudem neue Angriffsvektoren wie „Agentjacking“ – die gezielte Manipulation von KI-Assistenten mit Erfolgsquoten von bis zu 85 Prozent.

Auch automatisierte Angriffe boomen: KI-gesteuerte Bot-Angriffe stiegen im Vergleich zum Vorjahr um das 12,5-Fache. In Deutschland wird mittlerweile über die Hälfte des Webverkehrs von Bots verursacht – ein Großteil davon ist bösartig.

Wenn Kunden zu Betrügern werden

Neben externen Angreifern stellt der sogenannte „First-Party-Betrug“ den Online-Handel vor wachsende Probleme. Daten von LexisNexis Risk Solutions belegen: 2025 wurden fast 39 Prozent aller Betrugsfälle im Online-Handel durch eigentliche Kunden verursacht. In Europa liegt diese Quote sogar bei knapp 52 Prozent.

Oft stecken organisierte Banden dahinter. Sie werben gezielt Privatpersonen wie Studenten oder Rentner an, um Waren auf Rechnung zu bestellen und diese dann als nicht erhalten zu reklamieren. Global belaufen sich die Verluste durch Betrug laut der Global Anti-Scam Alliance auf rund 850 Milliarden Euro.

Sicherheitslücken bleiben zu lange offen

Der aktuelle Verizon Data Breach Investigations Report 2026 zeigt eine Verschiebung der Angriffsmuster. Die Ausnutzung technischer Schwachstellen (31 Prozent) hat den Diebstahl von Passwörtern (13 Prozent) als häufigsten Einstiegsweg abgelöst. Besonders kritisch: Die mittlere Zeit bis zum Schließen solcher Lücken ist auf 43 Tage gestiegen.

Auch die öffentliche Infrastruktur bleibt im Visier. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Münchner Staatsanwaltschaft wegen eines Datendiebstahls bei einem IT-Dienstleister ermittelt. Rund 120.000 Personen aus dem Schulwesen sind betroffen.

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Internationale Jagd auf Cyberkriminelle

Um der organisierten Kriminalität zu begegnen, setzen Ermittler verstärkt auf internationale Kooperation. Europol gelang gemeinsam mit Microsoft die Zerschlagung der Phishing-Plattform „Tycoon 2FA“, die zeitweise für über 60 Prozent bestimmter Phishing-Angriffe verantwortlich war.

Mit dem „Cybercrime Atlas Cosmos“ startete zudem eine neue Plattform, die in Zusammenarbeit mit dem Weltwirtschaftsforum Akteure, Geldflüsse und Werkzeuge der Kriminellen kartiert. Erste Länder wie Belgien führen spezialisierte Sperrdienste wie „Fraudstop“ ein. Google rollt derweil neue Funktionen zur Erkennung von Betrugsanrufen für mobile Betriebssysteme aus.

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