KI-Betrug, Phishing-Dienst

KI-Betrug eskaliert: Phishing-Dienst Kratos mit 200 Servern zerschlagen

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 06:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kriminelle nutzen KI für täuschend echte Betrugsanrufe. Behörden gelingen Schläge gegen Phishing-Infrastruktur, doch die Angriffsgeschwindigkeit steigt rasant.

KI-Kriminalität: Neue Betrugswelle durch Deepfakes und Sprachklonen
Eine Hand hält ein Smartphone, aus dem eine KI-generierte Sprachwellenform abstrahlt, vor einem unscharfen Bürohintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Kriminelle setzen zunehmend Künstliche Intelligenz ein, um menschliche Interaktionen täuschend echt zu simulieren. Internationale Ermittler feiern zwar Erfolge gegen die technische Infrastruktur der Täter. Doch Experten warnen vor der extremen Geschwindigkeit KI-gestützter Angriffe.

Deepfakes und Sprachklonen im Berufsalltag

Die indische Börsenaufsicht SEBI warnt vor sogenannten „Boss Scams“. Kriminelle nutzen KI-Sprachklonen und Deepfakes, um die Identität von Führungskräften zu übernehmen.

In Mumbai führten manipulierte Finanzanweisungen in der ersten Junihälfte zu einem Schaden von rund 1,1 Millionen Euro. Die Täter wickelten die Summe über 63 Transaktionen ab. Mitte Juli traf es ein Unternehmen in Pune – hier entstand ein Schaden von 63.000 Euro. Die Taktik beschränkt sich nicht auf Indien. Auch aus Malaysia und Pakistan werden ähnliche Vorfälle gemeldet.

Parallel dazu warnt der Passwort-Manager-Anbieter LastPass vor einer neuen Phishing-Welle. Die Täter setzen auf „Vishing“ – eine Kombination aus Voice-Anrufen und Phishing. Mit KI-generierten Stimmen versuchen sie, Master-Passwörter zu erbeuten oder Nutzer auf gefälschte Anmeldeportale zu locken. Zur Absicherung empfehlen Experten den Umstieg auf physische Sicherheitsschlüssel.

Geschwindigkeit als kritischer Faktor

Die europäische Cybersicherheitsbehörde ENISA sieht die Reaktionszeit von Unternehmen als größtes Sicherheitsrisiko. KI-gesteuerte Angriffe identifizieren und nutzen Schwachstellen innerhalb weniger Minuten aus. Interne Entscheidungsprozesse in Unternehmen brauchen oft Stunden oder Tage. Diese Zeitlücke verschafft Angreifern einen erheblichen Vorteil.

Auch bei der Manipulation von Geschäftskommunikation kommt KI zum Einsatz. Laut Berichten der vietnamesischen Polizei hacken Täter E-Mail-Konten und analysieren den Schreibstil mittels KI. Anschließend verfassen sie täuschend echte Nachrichten, um Partnerunternehmen zur Änderung von Bankverbindungen zu bewegen.

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Schlag gegen globale Phishing-Infrastruktur

Ermittlern des Bundeskriminalamts (BKA) und US-Behörden gelang ein bedeutender Schlag gegen die organisierte Internetkriminalität. Die Infrastruktur des Phishing-Dienstes „Kratos“ wurde zerschlagen. Die in Indonesien ansässige Entwickler der Plattform wurde festgenommen. Über 200 Server wurden weltweit abgeschaltet.

Kratos fungierte als „Phishing as a Service“ und wurde an mehr als 1.800 Kriminelle vermietet. Mit dem Dienst führten Täter monatlich rund 15.000 Kampagnen durch. Ziel war es, Anmeldedaten und Cookies zu stehlen – selbst Zwei-Faktor-Authentifizierungen wurden so umgangen. Seit 2024 soll die Gruppierung einen Umsatz von über 300.000 Euro erzielt haben. Die Zahl der Opfer wird auf mehrere Hunderttausend in über 30 Staaten geschätzt.

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Deutsche Justiz arbeitet Phishing-Serien auf

Auch auf nationaler Ebene gibt es Erfolge. Am 20. Juli begann vor dem Landgericht Münster ein Prozess gegen sechs Männer aus dem Ruhrgebiet. Den Angeklagten im Alter zwischen 19 und 61 Jahren wird gewerbsmäßiger Bandenbetrug vorgeworfen.

Die Gruppe soll eine Kombination aus Phishing-SMS und Anrufen durch vermeintliche Bankmitarbeiter genutzt haben. Mittels Call-ID-Spoofing täuschten sie dabei echte Telefonnummern von Kreditinstituten vor. Der Gesamtschaden der mindestens 15 verhandelten Taten liegt im sechsstelligen Bereich. Im Rahmen der Ermittlungen konnten bereits 90.000 Euro Bargeld sichergestellt werden.

Sicherheitsupdates und Behördenvorgaben

Die Dringlichkeit zur Absicherung technischer Systeme unterstreichen aktuelle Fristen der US-Cybersicherheitsbehörde CISA. Bundesbehörden mussten eine kritische Sicherheitslücke in Microsoft SharePoint (CVE-2026-58644) bis zum 19. Juli schließen. Die Schwachstelle ermöglichte Angreifern, ohne vorherige Authentifizierung Schadcode auszuführen.

Microsoft hatte Mitte Juli im Zuge eines umfangreichen Patchdays insgesamt 722 Sicherheitsupdates veröffentlicht. Darunter waren auch zwei Zero-Day-Lücken. Gleichzeitig endete der Support für ältere Versionen von SharePoint und SQL Server. Unternehmen sind nun zu zeitnahen Migrationen gezwungen.

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