KI-Belastung: Beschäftigte verlieren 6,4 Stunden wöchentlich mit Botsitting
12.06.2026 - 19:02:15 | boerse-global.de
Eine aktuelle Studie zeigt das Dilemma: Während KI-Tools Zeit sparen, verlieren Beschäftigte Stunden mit der Überwachung der Systeme.
Effizienzgewinne und „Botsitting“ – die zwei Seiten der KI
Der Einsatz von KI im Berufsalltag ist weit verbreitet – und bringt ambivalente Ergebnisse. Das Glean Work AI Institute befragte 6.000 Beschäftigte. Ergebnis: 87 Prozent nutzen KI-Tools. Diese automatisieren rund 25 Prozent der Arbeit und sparen durchschnittlich elf Stunden pro Woche.
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Doch die Kehrseite: Ein neues Phänomen namens „Botsitting“ frisst Zeit. Beschäftigte verlieren rund 6,4 Stunden pro Woche mit Management und Korrektur von KI-Anwendungen. Zudem geben 69 Prozent KI-Ergebnisse teilweise ungeprüft weiter.
Ein weiteres Risiko: „Shadow AI“. Laut der Erhebung greifen 54 Prozent der intensivsten KI-Nutzer auf nicht genehmigte Werkzeuge zurück.
In Deutschland nutzen bereits 54,5 Prozent der Unternehmen KI, so eine Ifo-Umfrage vom heutigen Freitag. Knapp 20 Prozent dieser Betriebe halten es für möglich, Fachkräfte durch KI-unterstützte Mitarbeiter zu ersetzen. Besonders stark ist dieser Trend im Handel mit 28,6 Prozent.
Der Körper als Stress-Barometer
Ein Softwareentwickler zeigt, wie biometrische Daten Belastungen sichtbar machen. Pankaj Tanwar kombinierte minütliche Herzfrequenzdaten eines Whoop-Fitnessbandes mit seinem digitalen Kalender. Mit dem KI-Modell Claude Fable 5 führte er ein Reverse Engineering durch – und ordnete Herzfrequenzspitzen konkreten Meetings und Teilnehmern zu.
Das Ergebnis: ein persönliches „Stress-Leaderboard“. Es zeigte, welche Kollegen die höchste körperliche Belastungsreaktion auslösten. In Tanwars Fall war ein Growth Product Manager der Hauptstressfaktor. Das Experiment auf der Plattform X erzielte mehrere Millionen Aufrufe.
Was Top-Manager gegen Dauerstress tun
Neben technologischen Lösungen setzen Führungskräfte auf klassische Methoden. Eon-Chef Leonhard Birnbaum schwört auf extremen Fokus und Aktivitäten wie Klettern. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp vertraut auf ihre langjährige Erfahrung.
Solche Strategien werden immer wichtiger. Laut Gallup-Index verspüren nur 11 Prozent der deutschen Führungskräfte eine starke Bindung zu ihrem Unternehmen.
Für die breite Belegschaft empfehlen Experten spezifische Atemtechniken als „biologischen Not-Aus-Knopf“. Dazu zählen die 4-7-8-Methode zur Beruhigung des Nervensystems und die Ujjayi-Atmung zur Stimulation des Vagusnervs. Ergänzend bleiben Zeitmanagement und die Fähigkeit, Aufgaben abzulehnen, essenziell.
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KI-Strategie ja – Umsetzung nein
Das Potenzial von KI ist bekannt, doch die Umsetzung stockt. Die Studie „Generative KI in Großunternehmen 2026“ von Zoi und Civey zeigt: 74 Prozent der deutschen Unternehmen haben eine KI-Strategie – aber nur 34 Prozent können sie aktiv zur Steuerung nutzen. Haupthindernisse sind komplexe IT-Infrastrukturen und fehlendes Fachwissen.
Institutionen wie die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) versuchen, diese Lücke zu schließen. In einer Mitteilung vom heutigen Freitag wies die BG ETEM darauf hin, dass KI besonders bei Gefährdungsbeurteilungen und dem Abbau von Bürokratie im Arbeitsschutz helfen kann. Das Portal „Meine BG ETEM“ soll als KI-gestützter Assistent dienen – mit einer entscheidenden Einschränkung: Die menschliche Endprüfung bleibt unverzichtbar.
