Studierenden, ChatGPT

KI beim Schreiben: 89% der Studierenden nutzen ChatGPT

27.05.2026 - 03:22:22 | boerse-global.de

Eine Studie belegt den massiven KI-Einsatz beim wissenschaftlichen Schreiben. Hochschulen reagieren mit neuen Regeln und Prüfungsformen.

KI beim Schreiben: 89% der Studierenden nutzen ChatGPT - Foto: über boerse-global.de
KI beim Schreiben: 89% der Studierenden nutzen ChatGPT - Foto: über boerse-global.de

Während Studierende massiv auf KI setzen, reagieren Hochschulen mit neuen Regeln. Eine aktuelle Studie zeigt: Der Einsatz von ChatGPT ist längst Standard.

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Die Ghost-Rolle: Wenn die KI schreibt

Eine bundesweite Untersuchung des Schreibzentrums der Goethe-Universität Frankfurt mit über 4.000 Teilnehmern belegt den Trend. Laut Studienautorin Nora Hoffmann greifen 89 Prozent der Befragten beim wissenschaftlichen Schreiben auf KI-Anwendungen zurück.

Besonders auffällig: 72 Prozent nutzen die KI in einer sogenannten Ghost-Rolle. Das Tool übernimmt dann wesentliche Teile der Texterstellung. Die Hälfte der Befragten gibt an, durch den KI-Einsatz weniger Eigenleistung zu erbringen. Ebenso viele befürchten eine Schwächung des kritischen Denkvermögens.

Hoffmann empfiehlt fachspezifische Regeln für den Umgang mit den Werkzeugen. Internationale Daten stützen den Trend. Eine im Fachmagazin Science veröffentlichte Studie der Cornell University zeigt: 37 Prozent der US-Studierenden nutzen monatlich KI für Aufgaben. In der Informatik liegt die Quote bei 62 Prozent, in künstlerischen Fächern nur bei 24 Prozent.

Sprachlich glatter, aber weniger originell

Dozierende der Universität Basel beobachten eine qualitative Veränderung. Die eingereichten Texte seien sprachlich glatter geworden, es gebe deutlich weniger sehr schlechte Leistungen. Gleichzeitig fehle es vielen Arbeiten an Originalität. Die Folge: eine Häufung von Ergebnissen im Mittelfeld.

Mündliche Prüfungsformate und die Pflicht zur Deklaration von KI-Hilfsmitteln gewinnen an Bedeutung. In Berlin wurde der datenschutzkonforme Chatbot AIS.chat für alle öffentlichen Schulen freigeschaltet. Er soll Lehrkräfte entlasten und Schülern interaktive Dialoge mit historischen Figuren ermöglichen.

Studentische Eigeninitiative: Pendler-App im Höhenflug

Neben der Texterstellung entstehen neue Lösungen für den Studienalltag. Die App Railwise, entwickelt von Patrick Trepte und Justin Räker, nutzt historische Verspätungsdaten. Sie bewertet die Zuverlässigkeit von Bahnverbindungen.

Seit Ende April für iOS verfügbar, verzeichnete das Tool über 3.000 Downloads. Anfang Mai erreichte es eine Platzierung in den Top 20 der kostenlosen Reise-Apps in Deutschland. Die mit KI-Unterstützung entwickelte App soll Pendlern helfen, ihren Weg zur Bildungseinrichtung verlässlicher zu planen.

Auch etablierte Anbieter passen sich an. Der Passwortmanager Enpass hat seine macOS-Anwendung aktualisiert. Version 6.12 bietet eine überarbeitete Oberfläche und verbesserte Autofill-Funktionen. Google erweitert seinen Dienst Classroom um Offline-Zugriff und optimierte Archivierung.

MINT-Förderung: Mädchen programmieren Kochbuch-App

Ein Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Mädchen in technischen Berufen. In Wien entwickelten 31 Schüler der Mittelschule Neubaugasse gemeinsam mit der Rewe Group und der MINTality-Stiftung die Kochbuch-App Infinity Cooking. Das Projekt nutzte ebenfalls KI-Unterstützung. Die Ergebnisse wurden am 25. Mai präsentiert.

In Hessen startet ab August die zweite Runde des Pilotprojekts „Medienkompetenz heute!“. Nachdem im Vorjahr bereits 1.300 Schüler teilnahmen, richtet sich das kostenlose Angebot nun an die Klassenstufen 7 bis 12. Unter der Schirmherrschaft von Kultusminister Armin Schwarz sollen Module auf die Herausforderungen der digitalisierten Medienwelt vorbereiten.

International setzen Bildungsbehörden ebenfalls auf digitale Ergänzungen. In der indischen Region Punjab wurden digitale Sommer-Arbeitshefte eingeführt, um Lernlücken während der Ferienzeit über eine zentrale App zu reduzieren.

Die Schattenseite: Cyberkriminalität explodiert

Die zunehmende Vernetzung bringt erhebliche Risiken. Experten prognostizieren für 2026 einen weltweiten Schaden durch mobile Cyberkriminalität von 442 Milliarden Euro. Besonders alarmierend: Schätzungen zufolge sind 86 Prozent aller Phishing-Kampagnen KI-gesteuert.

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Im ersten Quartal 2026 stiegen die Fälle von Banking-Trojanern um 196 Prozent auf über 1,2 Millionen registrierte Vorfälle. Google reagiert mit Updates für den Play Store. Die Version 51.4.19 enthält Warnhinweise für verwaiste Anwendungen, die Sicherheitslücken darstellen könnten.

Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband warnt vor wachsender Bildungsungleichheit. Sie fordert neue Prüfungsformen, um der missbräuchlichen KI-Nutzung entgegenzuwirken.

Zwischen Effizienz und Eigenleistung

Die Datenlage zeichnet ein Bild der Ambivalenz. Einerseits ermöglichen Tools wie Railwise oder spezialisierte Lern-Apps eine bessere Organisation. Andererseits zeigt die hohe Ghost-Rolle-Quote, dass die Grenze zwischen Unterstützung und Ersatz eigener Leistungen verschwimmt.

Fast 90 Prozent der Studierenden nutzen KI-Werkzeuge. Verbote sind kaum noch praktikabel. Bildungseinrichtungen stehen vor der Aufgabe, Curricula und Prüfungsordnungen anzupassen. Die Technologie soll als Ergänzung dienen, nicht als Ersatz.

Ausblick: Android 17 und neue Prüfungsformen

Für die zweite Jahreshälfte werden weitere technologische Sprünge erwartet. Android 17, unter dem Codenamen Cinnamon Bun entwickelt, soll im Juni erscheinen. Es bietet zusätzliche Sicherheitsfunktionen und verbesserte Multitasking-Optionen.

Das in Deutschland im Mai verabschiedete Digital-Identitäts-Gesetz wird die Rahmenbedingungen für digitale Nachweise im Bildungsbereich verändern. Die Diskussion über neue Prüfungsformen wird sich intensivieren. Vermehrt dürften Konzepte erprobt werden, die den Prozess der Erkenntnisgewinnung stärker gewichten als das fertige Textprodukt.

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