KI-Begleiter, China

KI-Begleiter: China verbietet emotionale Abhängigkeit bei Minderjährigen

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

China verbietet KI-Systeme, die emotionale Abhängigkeit fördern. Minderjährige sind von romantischen Chatbot-Beziehungen ausgeschlossen.

China verschärft Regeln für emotionale KI-Begleiter und Chatbots
Eine stilisierte, leuchtende neuronale Netzwerksilhouette interagiert mit einem abstrakten Herzen, umgeben von Code und Technik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Regierung will emotionale Abhängigkeit verhindern.

Verbot für Minderjährige

Die neuen „Interim Measures for the Administration of AI Anthropomorphic Interactive Services“ verbieten Unternehmen, Sucht oder emotionale Abhängigkeit durch ihre Algorithmen zu fördern. Besonders brisant: Minderjährige dürfen keine romantischen oder familiären Beziehungen mit KI-Chatbots eingehen.

Anbieter müssen technische Vorkehrungen treffen. Dazu gehören die Begrenzung der täglichen Nutzungsdauer und Funktionen zum sofortigen Abbruch von Interaktionen. Regelmäßige Hinweise, dass es sich um einen Algorithmus handelt, sind Pflicht. Bei Diensten mit über einer Million Nutzern ist eine Sicherheitsprüfung obligatorisch.

Krisenintervention als Pflicht

Ein zentraler Punkt: Die Anbieter müssen Mechanismen zur Krisenintervention implementieren. Zeigen Nutzer Anzeichen einer psychischen Krise oder lebensbedrohlichen Situation, müssen automatisch Notfallkontakte alarmiert werden.

Hinter der Verschärfung stecken massive demografische Probleme. Die Geburtenrate erreichte 2025 mit 5,63 Geburten pro 1.000 Einwohner einen historischen Tiefstand – rund 7,92 Millionen Neugeborene. Die Zahl der Eheschließungen fiel 2024 auf den niedrigsten Stand seit fast 50 Jahren.

Milliardenschwerer Markt für digitale Begleiter

Rund 300 Millionen Menschen leben in China allein. Der globale Markt für emotionale KI-Begleiter wuchs von 312 Milliarden US-Dollar (2025) auf prognostizierte 450 Milliarden US-Dollar (2026). Allein die App „Talkie“ zählte zeitweise über 23 Millionen monatlich aktive Nutzer.

Die Regierung fürchtet, dass KI-Partner junge Menschen dauerhaft vom realen Heiratsmarkt fernhalten.

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Tech-Konzerne reagieren

ByteDance, Alibaba und Tencent haben bereits begonnen, Begleiter-Funktionen aus Apps wie „Doubao“ oder „Qwen“ zu entfernen. NetEase stellte seine App „Miaoshi“ komplett ein. ByteDance ermöglicht betroffenen Nutzern den Datenexport ihrer KI-Charaktere bis Mitte Oktober.

Die Abschaltung löst heftige Reaktionen aus. In sozialen Netzwerken berichten Nutzer von Trauer über den Verlust ihrer digitalen Partner – die sie teils als Familienersatz oder Geliebte betrachteten.

International unterschiedliche Ansätze

Während China auf Verbote setzt, fokussiert die EU auf Transparenz. Ab August 2026 müssen KI-generierte Inhalte maschinenlesbar gekennzeichnet werden – etwa durch digitale Wasserzeichen. Für Bestandssysteme gilt eine Übergangsfrist bis Dezember. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro.

Singapur verfolgt einen kooperativen Ansatz mit freiwilligen Transparenzrichtlinien. Eine standardisierte Informationskarte soll Nutzer über Fähigkeiten, Sicherheitsmaßnahmen und Datenpraktiken von Chatbots aufklären.

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KI-Untreue vor Gericht?

Die Intimität zwischen Mensch und Maschine erreicht mittlerweile auch das Eherecht. Dienstleister für Eheverträge berichten von steigendem Interesse an Klauseln zur „KI-Untreue“. Demnach kann das wissentliche Interagieren mit KI-Chatbots zu romantischen oder sexuellen Zwecken als Treuebruch gewertet werden.

Laut Erhebungen des Kinsey Institute stuft ein erheblicher Teil der Singles Sexting mit KI als Betrug ein. Rechtsexperten raten jedoch von solchen Vertragsklauseln ab – die praktische Durchsetzbarkeit und Beweisführung vor Gericht gelten als schwierig. Stattdessen könnten Ausgaben für KI-Begleiter im Scheidungsfall als unzulässige Vermögensverschwendung geltend gemacht werden.

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